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Dub-Reggae-Re-Issues
Der König und der Prinz
In der jamaikanischen Musik der
Siebziger und Achtziger gab es zwei ausgewiesene Herrscher: Tubby und Jammy.
Beide waren nicht etwa Sänger wie der US-amerikanische King des Rock'n'Roll
oder des Pop, beide waren Chefs der größten Soundsystems, der
bestlaufenden Studios der Insel und Produzenten der gutverkauften Platten.
Sie schmissen die besten Partys, produzierten die besten Platten und verkauften
am meisten. Und beide kamen aus dem gleichen Sandkasten.
King Tubby war der erste, der zu
Ruhm und Ehre kam. Seit seiner Jugend hatte er schon mit Elektronikresten
herumgewerkelt, die er sich aus dem Ramsch von Radiogeschäften klaubte.
So baute er sich ein Soundsystem zusammen und sein Studio auf.
Als er Anfang der Siebziger eines
der bestlaufenden Soundsystems von Kingston sein eigen nannte, entwickelte
er Dub-Reggae, die Kunst der musikalischen Reduktion. Ob aus Absicht, um
den Sängern bei den Partys mehr Raum zu geben, ob aus Versehen, weil
ein Verstärker nicht ging und nur der Baß zu hören war,
Dub revolutionierte den Reggae durch reduzierte Instrumentals und Gesangsstimmen,
die durch Echokammern wanderten, bis man kaum noch wußte, welche
Ecke da sang.
King Tubby schickte Hunderte von
Stücken in die Umlaufbahn, eines schöner als das andere, Singles
und Alben, zum Großteil Musik, die die hiesigen Plattenläden
nie erreichte. Deshalb müht sich das britische Wiederveröffentlichungslabel
Blood & Fire seit Jahren tief in die Archive hinab, um mit neuen alten
Aufnahmen zurückzukehren. Die aktuelle Fuhre deckt Stücke aus
der zweiten Hälfte der Siebziger ab, als King Tubbys Studio brummte
wie ein Bienenkorb, auch wenn die Musiker und Sänger, die vor der
Tür warteten immer wieder die Köpfe einziehen mußten, weil
es im Niemandsland zwischen den Territorien verfeindeter Gangs lag, die
sich des öfteren Schießereien lieferten.
Jammy wurde erst in den Achtzigern
zum König gekrönt, am Ende einer Phase, die "The Crowning Of
Prince Jammy" nachzeichnet. Er war etwas jünger als Tubby, gemeinsam
mit ihm aufgewachsen und vom Anbeginn seines Aufstiegs zum König dessen
treuer Vasall gewesen. In King Tubbys entscheidender Zeit, Anfang der Siebziger,
zog er für einige Jahre nach Kanada - als er zurückkehrte, saß
Tubby bereits auf seinem Thron.
Also heuerte er in Tubbys Studio
als Ingenieur an und fing selbst an, Aufnahmen zu mischen. Ein Prinzip,
das fast alle großen Produzenten durchliefen. Der Boß des jeweils
rulenden Sound stellte immer junge, neue Nachwuchsproduzenten ein, um diese
die eigentliche Arbeit machen zu lassen, die er dann nur noch beaufsichtigen
mußte. Einige der Stücke auf "Dub Like Dirt" sind so auch von
Jammy gemischt.
Nach einiger Zeit der Lehre machte
Jammy dann sein eigenes Studio auf, und "The Crowning Of Prince Jammy"
stammt genau aus dieser Phase. Hier ist es mal Dub-Reggae, mal Roots-Reggae
- alle Stücke sind so groß, wie es der Titel des Produzenten
verspricht. Zur eigentlichen Krönung von Jammy kam es wenig später,
als er anfing, digitale Elemente in seine Tracks einzubauen und so den
gesamten Sound von Jamaika ein weiteres Mal umstürzte.
King Tubby & Friends: Dub Like
Dirt. Blood & Fire/Indigo
The Crowning Of Prince Jammy.
Pressure Sounds/EFA |