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Feuilleton Nachrichten
Forelle blau
"konkret autorenbibliothek NEU / Karl
Marx/ Friedrich Engels, Das Kommunistische Manifest"
Eigenanzeige der Zeitschrift
konkret in Heft 8/1999
Wagner für die Wüste
Christoph Schlingensief, Theaterregisseur,
Talkshow-Gastgeber, Filmemacher, Parteiengründer und Alles-Durcheinanderbringer,
hat eine neue Mission: Namibia braucht Wagner. Nachdem er schon des öfteren
in Afrika war, sich dort nach der Bundestagswahl von den Strapazen des
Wahlkampfs erholte und auch seinen Film "United Trash" dort drehte, will
er Ende des Jahres durch die ehemalige deutsche Kolonie reisen und das
Land mit dem "Ring des Nibelungen" beglücken.
"Wir beschallen über Außenlautsprecher
mit Wagnermusik alles, was von uns Deutschen in Namibia übriggeblieben
ist. Wir werden den 'Ring des Nibelungen' in den Sand setzen und uns selbst
retten", verriet Schlingensief der Bunten. Die Namibia-Fahrt soll sieben
Tage dauern. Vorher plane er eine Tour durch zwanzig deutsche Städte.
Das Ganze soll unter dem Motto "Auf der Suche nach Deutschland" stehen.
Durch seine Politaktivitäten habe er 120 000 Mark Schulden, sagte
Schlingensief außerdem.
Die Schulden kämen daher, daß
er seine Partei Chance 2000 selbst finanziert und nicht gewußt habe,
daß man an politische Parteien nur 6 000 Mark steuerfrei spenden
dürfe.
Schneller lernen, flexibler denken
In Buch am Rande Berlins soll eine
neue private Universität entstehen. Und zwar nicht irgendeine - die
Hochschule soll in einer Reihe stehen mit Platons Akademie zu Athen und
den Universitäten von Oxford und Cambridge, Harvard und Yale. So wollen
es zumindest die Begründer Olaf Amblank und Stephan Gutzeit, beide
ehemals bei der Unternehmensberatungs-Firma McKinsey tätig, der eine
jetzt bei Philips, der andere Philosoph. Vorerst verhandeln die beiden
noch mit der Klinik Berlin-Buch über passende Räume. Doch schon
im Jahre 2002 soll es losgehen.
Vier Jahre soll das Studium an der
neuen Eliteschule dauern, nach einem Studium Generale soll man sich für
eine Richtung entscheiden. Das Studium soll humanistisch geprägt sein.
Wer die Hochschule verläßt, soll führungsstark, teamfähig,
leistungsorientiert, fantasievoll, flexibel, lernfähig, tolerant und
mehrsprachig sein. Kein Wunde, daß den beiden von Unterstützern
die Tür eingerannt wird. Der Politiker und Biologe Jens Reich, die
Philosophie-Professoren Dieter Henrich und Vittorio Hösle sowie Norbert
Walter, der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, wollen helfen.
Finanziert werden soll die Hochschule
aus dem EU-Fonds für Regionalentwicklung und über Studiengebühren
von 7 900 Euro im Jahr. Wenn es in Berlin nicht klappt, wollen die beiden
nach Lübeck oder Celle gehen.
Bach-Manuskripte
Der US-amerikanische Musikwissenschaftler
Christoph Wolff hat mehr als 5 000 Dokumente aus dem Nachlaß von
Carl Philip Emmanuel Bach (1714-1788) gefunden, dem ältesten Sohn
von Johann Sebastian Bach. Er stöberte die Papiere in einem Archiv
in Kiew in der Ukraine auf. Sie stammen aller Wahrscheinlichkeit nach aus
den Beständen der Berliner Singakademie, deren Archiv 1943 nach Schlesien
evakuiert worden war. Was für einen Wert dieser Fund für die
Wissenschaft habe, konnte Wolff nicht sagen, daß aber verschollene
Kirchenkantaten oder Passionskompositionen von Johann Sebastian Bach unter
den Papieren sein könnten, hält er für unwahrscheinlich.
Lediglich schon bekannte Kompositionen habe er bisher gesichtet, auch von
Georg Philip Telemann und anderen Komponisten, außerdem Teile des
Briefwechsels zwischen Goethe und dem Komponisten Friedrich Zelter. Christoph
Wolff, ansonsten in Harvard als Professor tätig, hatte seit Jahren
nach der Sammlung gesucht.
Ick steh auf New York
Alexander Osang, Chefreporter der
Berliner Zeitung, Egon-Erwin-Kisch-Preisträger, Ostberliner Flaneur
und menschgewordene Weltzeit-Uhr, verläßt wie angekündigt
die Hauptstadt. Ab November wird er für den Spiegel und die Berliner
Zeitung den rasenden New-York-Reporter geben. Zunächst einmal für
zwei Jahre will Osang checken, was in Big Apple so geht. "Berlin will New
York ja immer ein wenig nacheifern. Ich möchte mal überprüfen,
ob sich das überhaupt lohnt. Und wenn ich es herausgefunden habe,
komme ich wieder zurück." Bis dahin wird er die Leser mit Reportagen
und Kolumnen beglücken.
Keine guten Aussichten
Papst Johannes Paul II. (79) glaubt,
neben dem Paradies und der Hölle erwarte die Verstorbenen auch das
Fegefeuer. Dieses Feuer brenne jedoch in keinem real existierenden Kamin,
in den Wolken etwa oder auf dem Mars, sondern sei ein Seelenzustand nach
dem Tode. Er stehe vor allem jenen bevor, die zwar im Moment des Todes
eine "Öffnung zu Gott" vollzogen, diese aber nicht vollständig
erreicht hätten. Wer im Paradies und in der vollständigen Glückseligkeit
anlangen wolle, müsse eine "vollständige Läuterung" durchlaufen.
"Jede Spur des Bösen muß eliminiert, jede Deformation der Seele
korrigiert werden", sagte Johannes Paul.
Der Papst war bei seiner Polenreise
vor einigen Wochen vor allem dadurch aufgefallen, daß er zu schwach
war, um einige Termine wahrzunehmen.
Weniger Geld oder gleich abschaffen
Nicht nur Michael Naumann, sondern
auch der Bundesrechnungshof will den Kulturinstitutionen an die Gurgel.
Der Rechnungshof soll einem Bericht der FAZ zufolge einen Brief an Inter
Nationes geschickt haben, mit der Forderung nach radikaler Umstrukturierung.
Inter Nationes ist die publizistische Agentur deutscher Kulturarbeit im
Ausland und beschäftigt 150 Mitarbeiter. 50 davon könnten ihren
Posten räumen, wenn die Organisation sich "straffer" organisierte
und ein "effektiveres Management" eingesetzt werde. Der Rechnungshof moniert
außerdem, daß Inter Nationes, die mit hohem Aufwand Bücher
und Filme produzieren, welche die Darstellung des kulturellen, politischen
und sozialen Lebens in Deutschland durch die Goethe-Institute flankieren,
zu teuer seien. Auf dem freien Markt sei das billiger zu bekommen. Außerdem
würden die Lizenzen für Filme erworben, ohne daß jemand
wisse, wofür diese genutzt werden könnten. Am besten sei es,
die ganze Organisation gleich dem Goethe-Institut anzugliedern.
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Die Nachrichten wurden
von Tobias Rapp zusammengestellt
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