Alles im grünen Bereich
Von einer "Öko-Katastrophe"
könne man nicht sprechen, allenfalls von eventuellen
Kontaminationen an einzelnen Standorten. Klaus Töpfer (CDU),
ehemaliger Bundesumweltminister und jetziger
Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms, macht sich keine
Sorgen um die ökologische Situation Jugoslawiens.
Erstmal müsse man die Fakten wissen, dann kann man ja
immer noch weiter sehen. Deshalb erstellen 14
Wissenschaftler und andere Experten derzeit einen "neutralen
und wissenschaftlich glaubhaften Bericht" über das
Ausmaß der Umweltkatastrophe in Jugoslawien, wie die
Financial Times berichtete.
Die bisher vorliegende
Ergebnisse der Untersuchung belegen eine gefährliche
Kontamination weiter Gebiete des Landes, die auf den
Einsatz von Granaten, die je 275 Gramm angereichertes
Uran enthielten, zurückzuführen ist. Die Nato hatte die
Anwendung dieser Granaten, die zum Zerstören von Panzern
und Bunkern benutzt wurden, bestätigt.
Von nicht-nuklearen
Verseuchungen am stärksten betroffen sind die Gewässer
Jugoslawiens, besonders die Donau. Durch die
Bombardierung eines Chemiewerks, einer Raffinerie und
einer Kunstdüngerfabrik in der 70 000-Einwohner-Stadt
Pancevo wurden mindestens 25 000 Tonnen Benzin verbrannt.
Die Nachrichtenagentur AP spricht von 1 400 Tonnen
freigewordenem krebserregendem Vinylchlorid, das zum Teil
durch Verbrennung in das noch giftigere Phosgen
verwandelt wurde. Über hundert Tonnen Quecksilber und
ebensoviel Natronlauge gelangten in die Donau, nebst
anderer Chemikalien wie z.B. Salpetersäure. Die Zahl der
Fehlgeburten in Pancevo ist stark angestiegen, mindestens
100 Menschen wurden vergiftet.
IRA gegen Waffenabgabe
Die IRA hat sich Mitte
vergangener Woche mal wieder zu Wort gemeldet: Die Abgabe
ihrer Waffen komme nicht in Frage, eine solche Forderung
habe bereits 1996 zum Ende ihrer damaligen Waffenruhe geführt.
Die britische Regierung sei für das vorläufige
Scheitern des Friedensprozesses verantwortlich, da die
Ursachen des Konflikts in der britischen Einmischung in
irische Angelegenheiten liege.
Die britische Noch-Nordirland-Ministerin
Mo Mowlam nannte die Erklärung nicht hilfreich, und
David Trimble, Chef der probritischen Ulster Unionisten,
bezeichnete die IRA-Erklärung als bedrohlich. Die
Unionisten fordern, daß die IRA mit der Waffenabgabe
beginnt, bevor eine nordirische Regierung unter Einschluß
der IRA-nahen Sinn Féin gebildet wird. In dem
Karfreitagsabkommen wurde allerdings lediglich vereinbart,
daß die militanten Gruppen bis Mai 2000 ihre Waffen
abzugeben haben.
Das macht auch Sinn:
Niemand kann sich vorstellen, daß die IRA, einseitig
entwaffnet, auf dem schmalen Pfad des Friedens wandelt,
der von loyalistischen Paramilitärs, der Royal Ulster
Constabulary (RUC) und der britischen Armee gesäumt wird.
Zumal in jüngster Zeit immer mehr Details über den
britischen schmutzigen Krieg in Nordirland bekannt werden.
So berichtete Alexander Cockburn in der linksliberalen US-Zeitschrift
The Nation im Mai, ihm liege eine eidesstattliche
Versicherung des ehemaligen RUC-Special-Branch-Offiziers
John Weir von Februar 1999 vor. In 62 detaillierten
Paragraphen sei darin die fruchtbare Zusammenarbeit von
RUC, britischer Armee und loyalistischen Todesschwadronen
beschrieben.
Rüstige Rentner
Da kommt Freude auf: Um
satte 20 Jahre soll in der Türkei das Rentenalter erhöht
werden. Während bislang türkische Staatsbürger frühestens
mit 38 Jahren in Rente gehen können, soll die
Untergrenze für Frauen künftig 58, für Männer 60
Jahre betragen. Am vergangenen Samstag demonstrierten
daher einige Zehntausend in Ankara gegen dieses Vorhaben
und gegen die unzureichenden Gehaltserhöhungen beim öffentlichen
Dienst; bei einer Inflationsrate von derzeit 50 Prozent jährlich
sollen die Gehälter gerade mal um 20 Prozent steigen.
Die Gewerkschaften warfen der Regierung vor, sich dem
Druck des IWF zu beugen. Der hatte Anfang des Monats der
Türkei einen Kredit unter der Bedingung eingeräumt, daß
die Staatsausgaben deutlich gesenkt werden.
Verteidiger der Zivilisation
Mit einem lauten Knall
und einem Feuerball endete am 4. Dezember 1980 die
Karriere des Francisco S Carneiro. Bei dem Absturz
einer Cessna kamen neben dem damaligen portugiesischen
Staatspräsidenten u.a. auch der Verteidigungsminister
Amaro da Costa ums Leben. Der Absturz wurde offiziell auf
technische Mängel zurückgeführt. Eine Version, der
niemand so recht Glauben schenken wollte - zumal in den
Knochen der Leichen Bombensplitter gefunden wurden. Jetzt
hat ein parlamentarischer Untersuchungsausschuß bestätigt,
wie der Guardian Weekly vergangene Woche berichtete, daß
eine rechtsgerichtete Terror-Gruppe für den Absturz
verantwortlich war.
Demnach hat ein
Untergrund-Netzwerk mit dem klangvollen Namen "Kommando
für die Verteidigung der westlichen Zivilisation"
in den siebziger und achtziger Jahren eine ganze Serie
von Anschlägen gegen linke Politiker verübt. Angehörige
des portugiesischen Geheimdienstes und der Armee sollen führende
Mitglieder der Kommandos gewesen sein. In dem Bericht des
Ausschusses sagten mehrere Zeugen aus, daß Mitglieder
des Kommandos in dieser Zeit die Mitte-Rechts-Parteien
infiltriert hätten.
José Esteves, der
damals im dem konservativen Parteienbündnis Demokratisch-Soziales
Zentrum als Fahrer und Bodyguard beschäftigt war, habe
die Bombe gebaut, Lee Rodrigues, ein international
gesuchter Drogen- und Waffenhändler, die Bombe in der
Cessna deponiert. Der Anschlag habe dem
Verteidigungsminister gegolten: Costa lagen angeblich
Beweise vor, die illegale Waffengeschäft hoher
portugiesischer Offiziere belegten.
Warten auf Godot
Die 30jährige Britin
Krystyna Haywood aus Sheffield dürfte die Nase von
staatlicher Fürsorge voll haben. 15 Jahre wird die
Transsexuelle nach dem Willen ihres Lokalbüros des
National Health Services (NHS) warten müssen, bis sich
ein staatlich bezahlter Psychiater ihres Falls annehmen
darf, um das endgültige Okay für die
Geschlechtsumwandlung zu geben. Da helfen auch die Einwände
des behandelnden Hausarztes, Haywood lebe bereits seit
zwei Jahren als Frau, wenig: Keine Operation ohne
Warteliste, die normale Prozedur des NHS darf nicht verändert
werden, damit kein Präzedenzfall entsteht.
Dazu braucht es aber
eine gute Begründung, denn der High Court in North West
Lancashire hatte letzten Dezember die Gesundheitsbehörden
wegen der Ablehnung dreier Geschlechtsumwandlungen
verurteilt: Sie hätten ohne Grund die Behandlung einer
"anerkannten Krankheit" verweigert.
- Die
Nachrichten wurdenvon Beier, Landgraf, Möser und
Pautz
zusammengestellt
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