Feuilleton Nachrichten
Forelle blau
"Ihr Lächeln läßt
Siegerherzen höher schlagen, ihr Kuß das Glücksgefühl
vollkommen sein. Wenn bei der Tour de France ein neuer Radheld zum Tagessieger
gekrönt wird, sind die Frauen an seiner Seite oft wie das Salz in
der Suppe. Graue Mäuse sind bei Siegern nicht gefragt. Ob sanfter
Augenaufschlag oder kokettes Blinzeln: Fortunas hübsche Töchter
sind es, die Gewinner effektvoll ins Bild zu setzen verstehen."
Tagesspiegel, 11. Juli
Rechtschreibrebell Krug
Ein bißchen peinlich wirkt
es schon, wenn sich Ex-Ossi Manfred Krug von den tollen Service-Angeboten
der Deutschen Telekom immer wieder schwer beeindruckt zeigt. Daß
man diese Spots noch lange Zeit ertragen muß, war klar. Aussicht
darauf, daß die volkspädagogische Nerverei ein Ende hat, bestand
aber zumindest im Fall eines Anti-Rechtschreibreform-Trailers, den der
Schauspieler auf eigene Rechnung produzieren ließ. Auf seine Gage
verzichtete er.
Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg
hatte dem Berliner Rundfunk vergangene Woche untersagt, den Spot mit Krug
auszustrahlen, in dem der in Ost und West gleichermaßen populäre
Volksschauspieler, die "lieben Mitmenschen" auffordert, "Schluß mit
der Rechtschreibreform" zu machen. "Das Volksbegehren läuft!" Statt
sein Publikum wie gewohnt in den nächsten Telekom-Laden zu schicken,
fordert er dazu auf, "in das nächste Bezirksrathaus in Berlin" zu
gehen. Diskrete Empfehlung: "Unterschreiben Sie." Und das Beste: "Kostet
keinen Pfennig."
So billig sei die Volksmeinung nicht
zu haben, argumentierten die Medienwächter und beriefen sich bei ihrem
Verbot auf den Paragraphen 47 des Medienstaatsvertrages. Demnach sei der
Spot unzulässig, da es sich bei der Rechtschreibreform um einen "politisch
umstrittenen" Vorgang handele, der hier "einseitig" thematisiert werde.
Die Streiter für das Volksbegehren
bewiesen daraufhin ihren wirklich originellen Umgang mit dem Wort und sprachen
von einem "Maulkorb", der dem "Rechtschreibrebellen" verpaßt werden
solle. Krug kann den Maulkorb wieder abnehmen: Das Berliner Verwaltungsgericht
entschied auf "unpolitisch" und gab den Spot zur Ausstrahlung frei.
Lieblingsfeind: Talkmaster
Talkmaster sind einem steigenden
Berufsrisiko ausgesetzt, seit sich immer mehr selbsternannte Medienkritiker
auf die Shows eingeschossen haben. Mit Morddrohungen gegen Arabella Kiesbauer
und Hans Meiser wollen Erpresser die Sender Pro Sieben und RTL zwingen,
die Talkshows der beiden Moderatoren abzusetzen oder zu entschärfen.
Bereits seit zwei Monaten ermittelt die Staatsanwaltschaft, nachdem der
erste Drohbrief gegen Kiesbauer im März eingegangen war.
Im April stellten die Erpresser
dann ein Ultimatum, die Sendung "im Interesse unserer Kinder" innerhalb
von sechs Wochen einzustellen oder entscheidend zu verändern. "Sollten
Sie und Ihr Sender darauf nicht reagieren", schreiben die Kinderfreunde,
"so werden wir Kiesbauer töten, um auch ein Signal für andere
Randale-Moderatoren zu setzen." Meiser und Kiesbauer nehmen die Drohungen
ernst. Vor vier Jahren war Kiesbauer nur knapp einem Attentat österreichischer
Rechtsextremisten entgangen. Der daraufhin engagierte Bodyguard erhielt
jetzt Verstärkung durch fünf weitere Kollegen.
Reclaim the Forest
Völlig umsonst haben die Alten
wie Peter Schneider und die Jungen wie Tim Staffelt, Tanja Dückers
und Judith Hermann ihre Provinzromane nach Berlin verlegt - die Jury der
Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung zeigte sich vom neuen
Berlinroman völlig unbeeindruckt und entschied in Darmstadt: In der
Provinz spielt die Musik. Und verlieh die wichtigste und höchstdotierte
Auszeichnung für deutschsprachige Literatur an den überzeugten
Provinzliteraten Arnold Stadler.
Potsdamer Platz, Partypeople, "Schwarzsauer"?
Der Autor, 1954 in Meßkirch geboren und auf einem Bauernhof aufgewachsen,
erkundet lieber den Hotzenwald im Breisgau. Stadler, dessen Prosa ("Die
Erinnerung fällt vom Fahrrad und bleibt liegen", "Mein Hund, meine
Sau, mein Leben") bislang nicht allzuviel Leser gefunden hat, von Martin
Walser aber bereits 1994 als Geheimtip gehandelt wurde, erhält im
Oktober den mit 60 000 Mark dotieren Georg Büchner-Preis.
Wild nach deinem Pfirsichmund
Immer den großen, die Menschheit
bedrängenden Themen auf der Spur, hat sich Johannes Mario Simmel jetzt
der Computerviren angenommen. Um Netzchaos, aber auch um Krieg und Katastrophen
und nicht zuletzt um die Liebe wird es in seinem am 1. August erscheinenden
Roman "Liebe ist die letzte Brücke" gehen, wie er im Interview mit
der BamS vorab verriet. Deshalb hat Simmel das Buch auch seiner verstorbenen
Frau Lulu gewidmet, zu der Simmel spontan einfällt, daß sie
einen "faszinierenden Körper" hatte und einen "unglaublichen Mund".
"Ach, dieser Mund", schwärmt
der 75jährige im Interview. "Nach einem Essen mit Freunden in Paris
haben wir mal gewettet, ob sie einen ungeschälten Pfirsich in den
Mund bekommt. Reinbekommen hat sie ihn, aber nicht wieder heraus. (...)
Wir mußten ins Krankenhaus, da war ein jungen Arzt, der sagte entsetzt:
'Mon Dieu!' Dann hat er mit einem Skalpell ganz vorsichtig kleine Stückchen
des Pfirsichs abgeschnitten. Das dauerte ewig, dann machte es plopp - und
der Restpfirsich flog raus." Trotzdem hat Simmel sich dann von ihr scheiden
lassen.
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Die Nachrichten wurden
von Heike Runge zusammengestellt
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