International Nachrichten
Alibifrau ohne Araber
Parlamentarismus ist manchmal doch
interessant. Koalitions-Hickhack beispielsweise. Kaum war der israelische
Premier Ehud Barak vereidigt, waren schon alle unzufrieden mit ihm. Obwohl
er fast allen Koalitionsparteien einen Posten abgegeben hatte - außer
der Tora-Partei. Sonstige Quoten wurden nicht beachtet: Nur eine Alibifrau
- Umweltministerin Dalia Itzik - ist im Kabinett und kein einziger Araber.
Bei einer Verfassungsänderung, die Barak anstrebt, um die Zahl der
Kabinettsposten auf 24 zu erhöhen, will der Ministerpräsident
auch die nicht berücksichtigten Minderheiten einbeziehen. Seinem wichtigsten
innerparteilichen Konkurrenten, Shimon Peres, teilte Barak das neu geschaffene
Ministerium für regionale Zusammenarbeit zu, dessen Aufgabenbereich
erst von einer speziellen Kommission bestimmt werden muß.
Ziemlich erfolgreich sind die religiösen
Parteien aus der Postenvergabe hervorgegangen. Die religiöse Shas-Partei
erhielt die vier Ministerien für Arbeit, Gesundheit, Infrastruktur
und Religion. Die Nationalreligiöse Partei bekam mit dem Ministerium
für Wohnungsbau die Entscheidungsgewalt über die Siedlungspolitik
in den besetzten Gebieten. Künftige Friedensabkommen sollen nach dem
Willen von Barak durch ein Referendum abgesichert werden.
Zahnfleischtest in Tschetschenien
Der Grenzübergang, an dem am
vergangenen Wochende wild geschossen wurde, heißt Grebensky und trennt
Dagestan von Tschetschenien. Offiziell gehören beide Republiken zur
Russischen Föderation, doch hat sich Tschetschenien faktisch seit
spätestens 1996 dem russischen Einfluß entzogen. Bereits seit
mehr als zwei Wochen finden im dagestanisch-tschetschenischen Grenzgebiet
wieder Auseinandersetzungen zwischen den dort stationierten russischen
Grenztruppen und tschetschenisch-islamistischen Rebellen statt. Seitdem
Angriffe auf russische Grenzposten und Geiselnahmen wieder zugenommen haben,
reagieren die russischen Truppen - besonders die seit dem Krieg 1994-96
berüchtigten Truppen des Innenministeriums - extrem aggressiv. Mit
sogenannten "Präventivschlägen" wird nun wieder gegen die Islamisten
vorgegangen, die die russische Präsenz als Gefährdung der Unabhängigkeit
ihrer noch nicht anerkannten Republik sehen.
Der tschetschenische Präsident,
Aslan Mashkadov, äußerte vergangene Woche, daß sich jeder
beim "Spiel mit Tschetschenien die Zähne ausbeißen" würde.
Auch in Rußland gibt man sich gelassen, steht doch der Großteil
der Moskauer Opposition hinter den Angriffen. Über die derzeitige
Situation besorgt zeigt sich der Präsident der benachbarten Republik
Inguschien. Die jetzige Situation erinnere ihn an die Zeit vor Ausbruch
des vergangenen Krieges.
Krieg im Sudan
Im Sudan bahnt sich wieder einmal
eine Hungerkatastrophe an - verursacht durch den fortgesetzten Krieg zwischen
der im Süden des Landes ansässigen Rebellenorganisation SPLA
und Truppen der islamischen Regierung. Die vor zwei Wochen ausgebrochenen
Kämpfe haben nach Angaben von David Fletcher, Sprecher des UN-Welternährungsprogrammes,
mittlerweile etwa 150 000 Menschen zur Flucht aus ihren Dörfern veranlaßt.
Zudem sei die gesamte Region zur Zeit für Hilfstransporte kaum zugänglich:
"Wenn wir nicht bald Zugang zu dem Gebiet erhalten, dann ist die Katastrophe
nur eine Frage von Wochen", äußerte Fletcher. Auch wenn die
gegenwärtige bewaffnete Auseinandersetzung beendet werden könne,
sei eine Hungersnot nicht auszuschließen: Die derzeitige Massenflucht
findet während der Saatzeit statt.
Krieg im Kongo
Einer schwierigen Aufgabe haben
sich die an den Kämpfen in der Demokratischen Republik Kongo beteiligten
Konfliktparteien gestellt. Ende vergangener Woche haben sich Vertreter
der kongolesischen Regierung, verschiedener Rebellengruppen sowie Vertreter
der weiteren am Krieg beteiligten Staaten auf ein Waffenstillstandsabkommen
geeinigt.
Zunächst soll eine kleinere
Gruppe von UN-Beobachtern und -Soldaten den Einsatz einer größeren
internationalen Friedenstruppe vorbereiten, anschließend müßten
sämtliche Truppen abgezogen werden. Über mehr Militär im
eigenen Land dürften sich dann Ruanda, Uganda und Burundi ebenso freuen
wie die mit dem kongolesischen Staatschef verbündeten Staaten Zimbabwe,
Namibia und Angola. Für die 500 Beobachter umfassende erste Gruppe
haben bereits einige afrikanische Staaten eine Beteiligung zugesagt. Die
USA kündigten an, sich an der spätestens drei Monate später
folgenden Internationalen Friedenstruppe beteiligen zu wollen. Diese soll
aus 15 000 bis 30 000 UN-Soldaten bestehen. Der Friedensplan sieht die
Entwaffnung der Interahamwe-Hutu-Milizen vor, die als Haupttäter des
ruandischen Völkermordes von 1994 gelten und nach wie vor von der
ruandischen Regierung für bewaffnete Überfälle auf den ostafrikanischen
Staat verantwortlich gemacht werden. Vorausgesetzt, das Abkommen tritt
überhaupt in Kraft: Die Rebellen unterschrieben es nämlich nicht
und wollen die Kämpfe fortsetzen.
Fuck off, Sir
Endlich. Im sonnigen US-Staat Louisiana
wird Höflichkeit zur Pflicht, damit die Jugend nicht weiter verroht
und wieder den Wert gepflegter Floskeln kennenlernt. Seit letzter Woche
sind Schüler per Gesetz verpflichtet, ihre Lehrer und alle Angestellten
der Schule mit "Madam" oder "Sir" anzureden. Wenn die kleinen Revoluzzer
sich nicht daran halten, droht ihnen eine Disziplinarstrafe.
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Die Nachrichten wurden
von Möser, Pautz und Weber
zusammengestellt |