Euro Nachrichten
Festung Finnland
Slowaken? Ja, aber nur mit Visum.
Roma? Am liebsten gar nicht: Finnland, das gerade die EU-Ratspräsidentschaft
übernommen hat, läßt Bürger der Slowakei seit Mitte
der vergangenen Woche nur noch mit Visa einreisen. Begründet wird
dieses Vorgehen damit, daß seit Anfang des Monats immer mehr Roma
aus der Slowakei um politisches Asyl gebeten hätten. Ein finnischer
Regierungssprecher erklärte, daß kein Asyl gewährt werde
und die Flüchtlinge mit Abschiebung rechnen müßten - da
es keine politische Verfolgung in ihrem Herkunftsland gebe.
Zwar hat - im Gegensatz zu seinem
Amtsvorgänger Wladimir Meciar - der slowakische Regierungschef Mikulas
Dzurinda die Roma des Landes aus der politischen und sozialen Marginalisierung
zurückzuholen versucht. Doch ein Report des US-State Departments kam
noch Ende des vergangenen Jahres zu dem Ergebnis, daß der größte
Teil der Roma in der Slowakei nach wie vor unter schlechten sozialen und
politischen Bedingungen lebe. Auch sei Diskriminierung durch Behörden
und Polizei alltäglich, Gewalttaten gegen Roma würden selten
ernsthaft verfolgt. Der stellvertretende Ministerpräsident Pal Csaky
macht für die jüngste Flucht der slowakischen Roma Ex-Premier
Meciar und seine Bewegung für eine demokratische Slowakai (HZDS) verantwortlich.
Diese hätten die Ausreisen organisiert und finanziert, um die slowakische
Regierung bei ihrem Gesuch auf EU-Mitgliedschaft zu diskreditieren.
Klagende Sudeten
Wie haben sie gelitten, als die
guten alten Zeiten vorbei waren und Großdeutschland seine Ostgebiete
aufgeben mußte. Um ihre großen Leiden ein wenig besser verkraften
zu können, wollen die umtriebigen Sudetendeutschen jetzt in den USA
eine Sammelklage gegen tschechische und slowakische Versicherungen einreichen.
Geklagt werden soll gegen jene Versicherungsunternehmen, die heute über
Filialen in den USA verfügen - mehr läßt das US-Recht nicht
zu. Die in den vergangenen Jahren in den USA eingereichten Klagen von Holocaust-Opfern
dienen den Sudeten dabei als Vorbild. Um diplomatischen Schutz für
den Klageweg zu bekommen, will sich die Sudetendeutsche Landsmannschaft
nun der Bundesregierung anbiedern.
Einlauf nach Plan
Hungernde Hebammen, wütende
Krankenschwestern: Mehr als 30 000 der insgesamt 250 000 Beschäftigten
im polnischen Gesundheitswesen befinden sich seit Mitte vergangener Woche
in einem unbefristeten Hungerstreik. Sie wollen so auf ihre miserable ökonomische
Situation hinweisen: Der Durchschnittslohn einer Krankenschwester beträgt
umgerechnet etwa 350 Mark pro Monat und liegt damit unter den Lebenshaltungskosten;
eine Rente von nur 250 Mark nach 35 Berufsjahren ist üblich.
Mit den Protesten sollen die Gehaltsforderungen
der Gewerkschaft unterstützt werden, die eine jährliche Steigerung
des Einkommens von zwei Prozent über der Inflationsrate verlangen.
Die Mitte-Rechts-Regierung Polens unter Jerzy Buzek hatte sich bisher geweigert,
in die Lohnkämpfe einzugreifen, da sie Sache der einzelnen Krankenhäuser
seien. Nachdem sich die Proteste ausgeweitet haben, hat das Gesundheitsministerium
den Krankenhäusern nun angeboten, die Kredite zu stunden, um die Finanzierung
der Lohnanhebungen zu sichern. Allzu lange wird sich die Regierung das
Angebot jedoch nicht leisten können: Im Zuge der Anpassung an EU-Standards
ist eine Reform des polnischen Gesundheitssystems geplant. Dabei soll das
derzeit noch zentral gesteuerte Gesundheitswesen auf regionale Ebene verlagert
werden.
Griff nach den Sternen
Nach monatelangem Hin und Her scheinen
sie es geschafft zu haben: Die Fusion von drei europäischen Raumfahrtunternehmen
steht kurz bevor. Um Europa einen Platz bei den Sternen zu sichern, wollen
sich die Unternehmen Daimler-Crysler Aerospace (DASA), die französische
Aerospatiale Matra und die britische GEC-Marconi zusammenschließen
und damit den drittgrößten Konzern ihrer Branche bilden. Auch
das italienische Unternehmen Alenia Spazio soll sich in Kürze dem
neuen Raumfahrtriesen mit dem Namen Astrium anschließen. Größer
sind nur noch die beiden US-amerikanischen Firmen Boeing und Raytheon.
Zuvor hatte es Schwierigkeiten gegeben, denn im Gegensatz zu dem liberalisierten
britischen Unternehmen untersteht die französische Aerospatiale Matra
zu großen Teilen der Regierung.
Eine gemeinsame europäische
Luft- und Raumfahrtindustrie steht schon seit geraumer Zeit auf der Wunschliste
der EU-Regierungen. Zuletzt hatten die Mitgliedsstaaten auf dem Kölner
EU-Gipfel ihren Willen bekräftigt, entsprechende Initiativen zu fördern.
Mit Astrium könnte Europa endlich vor allem in der Raumfahrts- und
Satellitenindustrie zu den USA aufschließen - und damit deren Monopol
in der Aufklärungs- und Überwachungstechnik brechen.
GröBaZ bleibt im Knast
Der Schweizer Geschäftsmann
Werner K. Rey ist doch kein Betrüger, zumindest nicht hauptberuflich,
wie das Berner Wirtschaftsstrafgericht am vergangenen Donnerstag beschloß.
Den Kredit für seine 1991 zusammengebrochene Omni Holding AG habe
er rechtmäßig erlangt und von den hinterlassenen vier Milliarden
Franken Schulden legte man ihm auch nur 277 Millionen zur Last.
Allerdings wurde der Hobby-Veruntreuer,
das selbsternannte Opfer "widriger Umstände", wegen versuchten Betrugs,
Urkundenfälschung und Konkursdelikten zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt,
wobei ihm aber auch die Zeit im Gefängnis auf Nassau in der Karibik
angerechnet wird. Rey wurde in den achtziger Jahren von den Medien zum
erfolgreichsten Geschäftsmann der Schweiz gekürt. Nach dem Zusammenbruch
seines Imperiums galt er als "größter Betrüger aller Zeiten".
Gerichtspräsident Thomas Maurer kritisierte die Anklageführung,
die mit ihrer dilettantischen Einzelfallauswahl selbst der pappnasigen
Verteidigung Reys nicht Paroli bieten konnte: Die hatte z.B. dem Gericht
vorgeworfen, es führe einen politischen Prozeß und suche nur
einen Sündenbock. Rey solle stellvertretend für all diejenigen
bestraft werden, die aus den laschen Schweizer Wirtschafts- und Finanzgesetzen
der achtziger Jahre Vorteile gezogen hätten.
Rey kann jetzt aber weder die schöne
Schweizer Bergwelt noch die sonnige Karibik genießen, obwohl er nach
Anrechnung der bisherigen Haftdauer und wegen seiner guten Führung
entlassen werden könnte. Da sowohl die Staatsanwaltschaft wie die
Verteidigung in Revision gingen, entschied das Berner Wirtschaftsgericht,
Rey vorerst wegen Fluchtgefahr weiterhin im Knast zu lassen.
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Die Nachrichten wurden
von Möser und Pautz
zusammengestellt |