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Inland Nachrichten
Grün-Schwarzes
Manfred Fleischer ist ein schneidiger
Mann. Wenn es sein muß, nimmt der grüne Kommunalpolitiker kein
Blatt vor den Mund. Eine "politische Nullösung" hat er etwa den ehemaligen
Umweltminister und heutigen CSU-Generalsekretär Thomas Goppel gescholten.
Früher, als Fleischer noch grüner Fraktionschef im Bayerischen
Landtag war, ja, da war man solche Worte von ihm gewohnt. Aber das war
eben früher. Heute wuchern die Gerüchte: Von dubiosen Anlagegeschäften,
selbst von einer indirekten Beteiligung an Waffen- und Drogendeals sprechen
seine Parteifreunde. Aber das alles ficht den gestandenen bayerischen Kommunalpolitiker
nicht an. Und auch nicht die Christenunion. Zum 1. Januar 2000 wird Fleischer
in die einst gehaßte CSU übertreten und dann, wenn alles gut
geht, zwei Jahre später in Wolfratshausen, dem Heimatort des CSU-Ministerpräsidenten
Edmund Stoiber, dem sozialdemokratischen Bürgermeister das Amt streitig
machen. Auf gute Erfahrung im neuen Milieu kann Fleischer bereits seit
langem bauen: Nach Feierabend beim zünftigen Schafskopf mit den Unionsmannen.
Denn da kennt der Bayer keine Parteien.
Feindaufklärung
Was eine ordentliche Antiimperialistin
ist, die weiß, wann es gilt, die Heimat gegen den Hauptfeind in Schutz
zu nehmen. Wie zuvor schon Verteidigungsminister Rudolf Scharping hat nun
auch die Grünenpolitikerin Angelika Beer gefordert, die Defizite in
der militärstrategischen Informationsgewinnung durch europäische
Aufklärungssatelliten zu beseitigen. Sozialdemokrat Scharping bemängelte
vergangene Woche, im Kosovo-Krieg habe sich gezeigt, daß die europäischen
Nato-Mitglieder immer bei der US-Regierung um die Herausgabe solcher Satellitenbilder
bitten mußten. Das soll jetzt anders werden, findet auch die Verteidigungspolitische
Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, ganz ohne Magen-, Bauch-
oder andere Krämpfe. Aufklärung sei schließlich "auch nötig
für eine präventive Politik". Ähnlich präventiv will
die Bundestagsabgeordnete auch jene 13 000 Krisenreaktionskräfte (KRK)
einsetzen, die jetzt zusätzlich ausgebildet werden sollen, um den
bisher 37 000 deutsche KRK-Soldaten unter die Arme zu greifen. Die Erhöhung
sei natürlich keine strukturelle Entscheidung, sondern lediglich den
momentanen Anforderungen im Kosovo geschuldet, meint Frau Beer.
Demokratie
Endlich: Die Demokratie lebt wieder.
Zumindest in Nordrhein-Westfalen. Dort dürfen künftig auch Hinz
und Kunz ins Gemeindeparlament. Der Grund: Die Fünf-Prozent-Hürde
bei den nordrhein-westfälischen Kommunalwahlen ist gefallen. Der Verfassungsgerichtshof
des Landes in Münster (VGH) verkündete am Dienstag vergangener
Woche, eine Beibehaltung der Klausel verletze "das Recht auf Chancengleichheit
der Parteien und auf Gleichheit der Wahl". Geklagt hatten die ÖDP
und die PDS (Jungle World, Nr. 28/99).
Ihnen versprach nun SPD-Landtagsfraktionschef
Manfred Dammeyer, daß die SPD das Münsteraner Urteil "voll inhaltlich
und fair und ohne Schikanen für kleinere politische Gruppierungen"
umsetzen werde. Die SPD hatte bisher vehement gegen eine Abschaffung der
Fünf-Prozent-Hürde gekämpft. Die im Landtag vertretenen
Parteien haben sich bereits darauf geeinigt, die kommende Wahl am 12. September
ohne irgendeine Sperrklausel stattfinden zu lassen.
Eng dürfte es nun für
den Landtagspräsidenten Ulrich Schmidt (SPD) werden. Offensichtlich
hatte er die Klage der beiden kleinen Parteien gegen den NRW-Landtag nicht
allzu ernst genommen. Nach der Klageeinreichung am 5. November 1998 hatte
der VGH dem Landtag bis zum 15. Februar 1999 Gelegenheit zur Stellungnahme
gegeben. Doch Schmidt ließ nicht nur die Frist verstreichen, sondern
hielt es nicht einmal für nötig, während dieser Zeit eine
anwaltliche Vertretung zu engagieren. Erst am 17. Februar teilte eine Rechtsanwaltskanzlei
dem VGH mit, daß ihr "soeben" das Mandat erteilt worden sei. Das
könnte Schmidt jetzt den Job kosten.
Freiwillig
450 Mark in die Hand gedrückt,
und ab geht's. Seit Donnerstag vergangener Woche müssen die ersten
der rund 15 000 Kosovo-Albaner und -Albanerinnen, die seit Beginn des Krieges
im März nach Deutschland geflüchtet sind, freiwillig wieder zurückreisen.
Wer nicht freiwillig abhaut, wird freiwillig abgeschoben, schließlich
haben Innenminister von Bund und Ländern im Zuge des Diskurses um
Kososvo-Flüchtlinge kurzerhand beschlossen, daß alle jugoslawischen
Staatsangehörige ohne Bleiberecht das Land über kurz oder lang
verlassen müssen. Darauf wollte man, wie die Frankfurter Rundschau
berichtet, in der Ausländerbehörde des bayerischen Landratsamtes
Main-Spessart nicht warten.
Die Behörde hat mehrere Familien
aufgefordert, innerhalb weniger Tage zu erklären, ob sie denn freiwillig
ausreisen. Ansonsten drohe die "zwangsweise Rückführung." Schließlich,
so wissen die bayerischen Beamten, habe sich die Lage im Kosovo "erheblich
entspannt". Daß bei einer der Familien noch nicht einmal der Asylfolgeantrag
beschieden ist, ficht in der Ausländerbehörde niemanden an. Das
Verfahren sei in der Regel sowieso nur "juristische Finesse" ohne Erfolgsaussicht,
fand ein Behördensprecher.
Gackgack
47, 5 Zentimeter, haben die Statistiker
festgestellt, ist das deutsche Durchschnittshuhn lang; 14,5 Zentimeter
breit. Der durchschnittliche deutsche Hühnerkäfig ist zehn Zentimeter
breit und 45 Zentimeter lang. Zwickt ein bißchen, aber geht: Schließlich
muß das Huhn ja hineinwachsen, da paßt sich der Körper
dann eben an. Umdrehen ist in sowas natürlich das ganze Leben lang
nicht drin; Hinsetzen zum Schlafen geht auch nicht. Ein Hühnerleben
lang nichts als Streß also, dazu ein Fraß, der aus den Abfallprodukten
der Tierverwertungsfabriken hergestellt wird: Kein Wunder, daß die
Eier meist nach Fischmehl schmecken, während sich die Tiefkühlhühner
in der Regel durch ein dezentes Bremsscheibenaroma sowie durch eine Konsistenz
auszeichnen, die entfernt an Glaswolle erinnert. Damit soll nach dem Willen
der Bundesverfassungsrichter schon in zwölfeinhalb Jahren Schluß
sein: Die Hennenhaltungsverordnung, in der die 450 Quadratzentimeter festgehalten
sind, verstößt, wie sie letzte Woche entschieden, gegen das
Tierschutzgesetz, dieses wiederum keinesweges gegen die unternehmerische
Freiheit der Hühnerhalter. Die Richter nahmen sich auch ihren Sonntagsbraten,
ein Maßband und einen Taschenrechner zur Hand und stellten fest,
690 Quadratzentimeter pro Huhn müßten schon drin sein. Damit
soll sich dem Vernehmen nach eine ganz exquisite Note von Dachpappe erzielen
lassen, mit Nebentönen von Dieselabgasen und Batteriesäure.
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Die Meldungen wurden von
Beucker, Dietl und Vogel
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