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Gesetz und Begierde
"Die Bühne ist ein straffreier
Raum. Das Besondere darf das Allgemeine Besondere darf
das Allgemeine hier und da zum Einsturz bringen. Durch die persönlichen
Geschichten der Mitspieler wird in einer szenischen Versuchsanordnung die
Widersprüchlichkeit des Gesetzesbegriffes betrachtet. Gesetze müssen
notwendig 'allgemein' Geltung haben. Sie können dem einzelnen nie
ganz gerecht werden. Abstrakte Rechtssprache trifft auf konkrete Erfahrungen,
gesellschaftliche Regeln und Moralvorstellungen treffen auf individuelle
Schicksale."
Saskia Draxler hat zusammen mit
der Regisseurin Gudrun Herrbold und dem Theaterprojekt La Grande Vie ein
Stück inszeniert, zu dem sie aus zwei konträren sozialen Gruppen
ein Ensemble gebildet haben: acht inhaftierten Frauen und elf Studenten
der Rechtswissenschaft. Als Kriminelle verurteilte Frauen, denen der Opferstatus
tief in ihre jeweiligen Biographien eingeschrieben ist, spielen in ihrer
von Zwängen bestimmten Umgebung, der JVA Berlin-Lichtenberg, Theater
mit jungen Leuten von draußen.
Die aber sind die von der anderen
Seite des Gesetzes. Sie sind die potentiellen Richter über ihr Geschick;
sie bedienen dieses System zur Sanktionierung abweichenden Verhaltens.
Ihr Verhältnis zu denen, die auf der anderen Seite des Gesetzes und
der Gesellschaft bleiben werden, ist im doppelten Sinne spielerisch. Zum
einen dürfen sie bei Proben und Aufführungen aus ihrer Rolle
ausbrechen, zum anderen aber bleibt die Beziehung zeitlich begrenzt, eine
Ausnahmesituation.
Aufführungen von "Gesetz und Begierde"
finden am 8. und 9. Juli in der JVA Berlin-Lichtenberg statt. Im Herbst
wird das Stück an der Berliner Volksbühne gezeigt. |