International Nachrichten
Medienkritik auf Kalifornisch
So groß die Empörung
war, so schnell ist sie wieder verflogen: Vor zwei Wochen wurden in der
Nähe von Sacramento, Kalifornien, innerhalb einer Dreiviertelstunde
drei Synagogen in Brand gesteckt. Die Anschläge gehören zu den
schwersten hate crimes in den USA seit Jahren. An zwei Brandstätten
wurden antisemitische Flugblätter gefunden, die den "jüdischen
Medien" die Schuld am Kosovo-Krieg zuschrieben. Vier Menschen, die bei
der Ankunft der Polizei an der B'Nai Israel-Synagoge in der Innenstadt
Sacramentos die Flucht ergriffen, wurden zunächst festgenommen, dann
aber wieder freigelassen. Obwohl ein Team des FBI-Büros für Alkohol,
Tabak und Schußwaffen (ATF) an den Tatorten "aussagekräftige
Beweisstücke" fand, gibt es seither keine neuen Informationen zu dem
Anschlag - keine Ermittlungsergebnisse, kein Bekennerschreiben. Auch die
Medien schweigen sich weitgehend aus.
Die Brandstiftungen setzen zwei
Tendenzen der vergangenen Monate und Jahre fort. Einerseits die rechte
kulturalistische Zuschreibung, "die Medien" und ihre "zersetzende Wirkung
auf die Moral" seien an allen möglichen Mißständen schuld;
andererseits das Ansteigen antisemitischer Straftaten in Kalifornien in
den letzten zwei Jahren. USA-weit sinkt deren Anzahl schon seit längerem.
Potpourri für den Frieden
Israels zukünftiger Ministerpräsident
Ehud Barak will realistisch das Unmögliche versuchen und noch diese
Woche mit seiner Potpourri-Regierungskoalition in das israelische Parlament
einziehen. Die über 75 von 120 Knesset-Abgeordneten verfügende
Koalition Baraks setzt sich aus dem Bündnis Ein Israel, das mehrheitlich
von der Arbeitspartei getragen wird, der orthodoxen Schas, der liberalen
Meretz, der russischen Einwandererpartei Israel B'Alyia, den Nationalreligiösen,
der ultra-religiösen Tora-Partei und der neuen Zentrumspartei zusammen.
In naher Zukunft plant Barak eine
Reihe von Zusammentreffen, unter anderem mit Palästinenserpräsident
Yassir Arafat und seinem ägyptischen Kollegen Hosni Mubarak, um den
Friedensprozeß im Nahen Osten wieder in Gang zu bringen. Auch mit
dem US-Präsidenten William Clinton will Barak sprechen, ohne sich
von ihm reinreden zu lassen. Clinton hatte bereits in der vergangenen Woche
ungeduldig seine Hilfe bei den nötigen Vermittlungen im Friedensprozeß
angeboten. Sein Unterstützungsversuch bestand aus einem Kommentar,
daß die Palästinenser dort leben sollen, wo sie wollen.
Psssst ... geheim!
Während Spanien sein Auslieferungsgesuch
gegen den chilenischen Ex-Diktator Augusto Pinochet in der vergangenen
Woche um 22 weitere Anklagepunkte erweitert hat, gab die USA zahlreiche
Dokumente zur Unterdrückung und Verfolgung chilenischer Oppositioneller
unter Pinochet frei. Viel Neues verraten die ausgewählten und überarbeiteten
Dokumente aus dem State Department, dem Pentagon und von der CIA jedoch
nicht. Daß die US-amerikanische Regierung kurz nach dem Putsch gegen
Salvador Allende von Pinochets Plänen zur Repression gegen Kommunisten,
Sozialisten und anderen Oppositionellen wußte, war Historikern und
jedem, der es wissen wollte, seit langem bekannt. Auch die aktive Unterstützung
des Putsches sowie der folgenden Militärdiktatur durch die USA ist
schon lange kein Geheimnis mehr. Und was kein Geheimnis mehr ist, kann
man ja auch ruhig bekannt geben. Aber nur, wenn es der wirklichen Geheimnisse
bereinigt ist, so daß gewünschte Unklarheiten bestehen bleiben
können.
Vielleicht sollte man sich aber
auch über die Offenheit der US-amerikanischen Regierung freuen. Besser
mehr als zwanzig Jahren zu spät als nie - sind doch in Europa verschlossene
Akten zu be- und vergangenen Staatsverbrechen noch viel weniger zugänglich.
Nobody loves a drunken Indian
Wenn William Clinton nächste
Woche nach Pine Ridge kommt, dann ist dies das erste Mal in der Geschichte,
daß ein amtierender US-Präsident ein Indianerreservat besucht.
Eigentlich will Clinton dort, in einer der ärmsten Regionen der Vereinigten
Staaten, seine neue Marktinitiative zur Förderung der Wirtschaftsentwicklung
in den Reservaten vorstellen. Unlängst hatte ein Tornado den Bundesstaat
Süddakota verwüstet. Oglala in Pine Ridge traf er besonders stark.
Am Vorabend des Besuchs stehen die
Zeichen aber auch aus anderen Gründen auf Sturm: Die offenbar rassistisch
motivierten Morde an zwei Lakota-Indianern, deren mißhandelte Körper
entlang der Grenze, die Dakota von Nebraska trennt, gefunden wurden, nahm
das American Indian Movement (AIM) letzte Woche zum Anlaß für
einen Marsch nach Whiteclay (Nebraska).
In dem kleinen Ort werden von weißen
US- Amerikanern Schnapsläden betrieben. Die Hauptabnehmer der Spirituosen
sind Lakota, auf deren Land der Verkauf von Alkohol verboten ist. Obwohl
die Budenbesitzer an den Indianern gut verdienen, ist der Umgang mit ihren
Klienten von rassistischen Drohungen bestimmt. Nach Angaben des AIM gehen
einige der Morde, die sich in jüngster Zeit gehäuft haben sollen,
auf die Kappe von Ladenbesitzern und den mit ihnen befreundeten County-Sheriffs.
Wovon Finanzminister träumen
Statt ihrem von Wirtschaftskrisen
geschüttelten Staat auf der Tasche zu liegen, entwickeln viele Japaner
zunehmend Eigeninitiative. Die Zahl der Selbstmorde ist dort im vergangenen
Jahr um 35 Prozent gestiegen. Die häufigsten Gründe sind Schulden,
Geschäftsflauten, Existenznot und Arbeitslosigkeit.
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Die Nachrichten wurden
von Blömeke, Günther und
Möser zusammengestellt |