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Euro Nachrichten
Bangemann: Kein Bock auf Brüssel
Der "Ronaldo der Telekommunikationsbranche"
ist 64 Jahre alt, verheiratet und hat fünf Kinder. Sein Name: Martin
Bangemann, bisher in Brüssel Mitglied der EU-Kommission, zuständig
für die Bereiche Gewerbliche Wirtschaft sowie Informations- und Telekommunikationstechnologie.
Und schlecht verkauft hat er sich wahrlich nicht. Weil während seiner
Kommissionstätigkeit etliche Akten der europäischen Telekomriesen
auf seinem Brüsseler Schreibtisch lagen, war er in der Branche sehr
begehrt: Die Deutsche Telekom sowie France Télécom und British
Telecom interessierten sich für das FDP-Mitglied. Ausgerechnet die
Spanier - sonst als faule Südländer abgetan - waren schneller.
Oder boten mehr. Auf eine Millon Euro wird sein Jahresgehalt als künftiger
Berater der spanischen Telef-nica geschätzt. Bei der Kommission in
Brüssel verdiente der Telefon-Ronaldo nicht einmal ein Fünftel
davon.
Freudestrahlend und siegesgewiß
präsentierte Telef-nica-Präsident Juan Villalonga in der vergangenen
Woche seine bereits unter Vertrag genommene Neuerwerbung. Bei der EU-Kommission,
die erst einen Tag vorher von dem geplanten Wechsel in die Privatwirtschaft
erfuhr, ist man dagegen gar nicht so begeistert. Denn irgendwie sieht das
sehr unmoralisch und nach Kungelei aus: Bangemann hatte als Kommissar sowohl
mit der Telef-nica als auch mit ihren wichtigsten inländischen und
ausländischen Konkurrenten zu tun. Benutzen, so versicherte der einstige
Wirtschaftsminister zwar, will er diese ganzen Kenntnisse nicht - und eigentlich
darf er es auch nicht. Der Jura-Doktor ist das viele Geld aber zweifelsfrei
nur durch diese Kenntnisse wert.
Queen bleibt "Erste unter Gleichen"
348 Jahre führte sie ein nutzloses
Dasein, mehrere Jahrzehnte war sie gar eingemauert, jetzt erst durfte sie
wieder eine wichtige Rolle übernehmen und wurde zudem von einer der
bedeutendsten Personen Großbritanniens, keiner Geringeren als Königin
Elizabeth II., ehrfürchtig angeschaut - die Rede ist von von der schottischen
Krone, die im Mittelpunkt der feierlichen Wiedereröffnung des schottischen
Parlaments in der vergangenen Woche stand. Angesichts der starken nationalistischen
Strömung in Schottland, die nach wie vor die staatliche Unabhängigkeit
von der britischen Union anstrebt, hatte es im Vorfeld eine breite Diskussion
um die Rolle der Königin, die Staatsoberhaupt ist, bei der Parlamentseröffnung
in Edinburgh gegeben. Man einigte sich schließlich auf eine Zeremonie,
die von dem in London zelebrierten monarchistischen Pomp weitgehend frei
war, der Queen aber gestattete, ihre Rolle als "Erste unter Gleichen" in
Würde zu spielen.
Dennoch zeigten sich die Abgeordneten
der Schottischen Nationalpartei zufrieden. Immerhin hat das neue Parlament
weitreichende Befugnisse: In den Bereichen Erziehung, Gesundheit, Justiz,
Transport, Wirtschaftsentwicklung, Landwirtschaft, Umwelt, Sport und Kultur
erhält es volle Gesetzgebungskompetenz; sogar der britische Einkommenssteuersatz
darf in einem gewissen Rahmen variiert werden. Damit aber alle wissen,
wer die Macht hat, flog am Ende der Zeremonie, beim Auszug der Queen, eine
Formation der red arrows der Royal Air Force über die schottische
Hauptstadt.
Sprachenstreit in Belgien
Nicht nur im europäischen Brüssel,
auch in Belgien gibt es einen neuen Sprachenstreit: natürlich zwischen
Wallonen und Flamen. Die neue belgische Regierung steht zwar noch nicht,
aber die sechs Partner der sich anbahnenden Koalition haben Belgiens künftigen
EU-Kommissar schon gekürt. Liberale, Grüne und Sozialisten wollen
den wallonischen Sozialisten Phillippe Busquin ins Rennen schicken. So
einmütig und schnell die nur noch formell zu beschließende Wahl
Phillippe Busquins war, so heftig wurde sie von der Opposition attackiert.
Die flämische VU-ID kritisierte, die - allerdings sehr knappe - flämische
Mehrheit im Parlament lasse sich vom frankophonen Block unterdrücken.
Der künftige EU-Kommissar
Belgiens müsse - wie in in den vergangenen
15 Jahren - ein Flame sein. Zur
Zeit ist es Wettbewerbskommissar Karel van Miert. Daß Busquin kein
Flame ist, das ist für die Flamen schon schlimm; aber daß er
nicht einmal flämisch spricht, ist unverzeihlich.
Frankreich schützt seine
Diener
Was tut man nicht alles für
Beamte: Am Donnerstag vergangener Woche fiel im französischen Versailles
das Urteil im Berufungsprozeß gegen fünf Polizisten, die angeklagt
waren, zwei mutmaßliche Drogendealer marokkanischer Herkunft gefoltert
zu haben. Die Richter am Berufungsgericht entschieden sich für eine
Mittellösung zwischen dem Freispruch, den die Staatsanwältin
forderte, und einer Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils. Sie
bekräftigten den Schuldspruch, milderten das Strafmaß aber erheblich
ab und wandelten fast alle Haftstrafen in Bewährungsstrafen um.
Die Tatbestände spielten sich
im Jahr 1991 in der Pariser Trabantenstadt Bobigny ab. Im erstinstanzlichen
Verfahren waren die angeklagten Beamten zu Haftstrafen bis zu vier Jahren
ohne Bewährung verurteilt worden. Daraufhin hatten Teile der Polizei
heftig gegen das Urteil protestiert. (Jungle World, Nr. 15/99) Das Berufungsurteil
war mit großer Spannung erwartet worden, da die Staatsanwältin
beim Versailler Gericht ihr Anklageplädoyer ausschließlich dazu
genutzt hatte, heftige Kritik am erstinstanzlichen Urteil zu üben.
Sie hatte die Polizisten in ihrem Plädoyer gegen die "unglaublichen
Vorwürfe" der Mißhandelten, Ahmed Selmouni und Abelmajid Madi,
in Schutz genommen und die "Leichtgläubigkeit" der Richter gegenüber
Angaben von "Drogenhändlern" angeprangert.
Die Richter des Tribunals, das in
erster Instanz über den Fall geurteilt hatte, verabschiedeten im Juni
in einer Vollversammlung eine Protestresolution gegen die Vorwürfe
der Staatsanwältin - ein im Justizapparat ziemlich seltenes Vorgehen.
Bier statt Schokolade
Und wenn man sich in der heutigen
Welt auf nichts mehr verlassen kann, so doch auf die Reinheit der deutschen
Biere. Bei Schokolade sieht es da schon anders aus. Waren seit den siebziger
Jahren andere Fette als Kakaobutter in der guten alten Schoki verboten,
so ist jetzt ein Fremdfettanteil von fünf Prozent erlaubt. Weil andere
tropische Fette (zum Beispiel Kokosnußöl) nur ein Zehntel soviel
kosten wie Kakaobutter, könnten mit diesem Beschluß die Exporte
der afrikanisch-karibisch-pazifischen Länder um 200 000 Tonnen fallen.
Als Entschädigung soll das Verbot dienen, Sonnenblumen- und Sojaöl
zur Herstellung von Schokolade zu verwenden. Bleibt nur noch der Griff
zur Flasche.
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Die Nachrichten wurden
von Höhnel, Möser und
Schmid zusammengestellt |