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Inland Nachrichten
Legale Säuberungen
"Die ethnischen Säuberungen
auf dem Balkan, die in erster Linie Moslems getroffen haben, finden bei
uns auf legale Art und Weise eine Entsprechung. Irgendeine Behörde
entscheidet, daß uns unliebsame Ausländer in dieses oder jenes
Land zurückgeschickt werden können. Das ist im Grunde die Fortsetzung
der ethnischen Säuberung." Kaum hatte Günter Grass im Focus das
ausgesprochen, was ihm sicherlich bald als Verharmlosung der Verbrechen
des jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic ausgelegt werden
wird, machte Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) deutlich, was Grass
meinte. Obwohl das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR)
an Bund und Länder appelliert hatte, Kosovo-Flüchtlinge nicht
vor dem Frühjahr 2000 in die südserbische Provinz zurückzuschicken,
will Schily, daß es schon diese Woche losgeht.
Nicht umsonst: Gerade einmal 450
Mark sollen die "freiwilligen Rückkehrer" für ihren schnellen
Abgang erhalten. Was kein schlechter Schnitt ist für den Bund: Selbst
die seit der Verschärfung des Asylbewerberleistungsgesetzes auf ein
Minimum gekürzten Leistungen für Flüchtlinge würden
den Haushalt bis ins kommende Frühjahr stärker belasten, blieben
die geflohenen Kosovo-Albaner hier.
Bann bleibt in Bonn
Brave Demonstranten dürfen
künftig auch im Regierungsviertel leise Parolen skandieren: "Wenn
keine Störungen der Arbeit der Verfassungsorgane der Bundesrepublik
Deutschland zu erwarten sind", sollen Protestmärsche einem vergangene
Woche verabschiedeten Gesetz zufolge auch am Reichstag und am Bundesverfassungsgericht
in Karlsruhe vorbeiführen dürfen. Lediglich für den Bundesrat
soll in Bonn noch bis zu dessen Umzug nach Berlin im Sommer 2000 ein Bannkreis
aufrecht erhalten werden.
Der Hauptsinn des Gesetzes besteht
in der Entlastung der Polizei, die nun nicht mehr bei jeder kleinen Versammlung
unter freiem Himmel eingreifen muß. Wenn sie sich gestört fühlt,
kann sie allerdings auch weiterhin Platzverweise für den einstigen
Bannkreis aussprechen, der nun "befriedete Zone" heißt. Im künftigen
Regierungsviertel am Berliner Spreebogen hat das Gesetz ohnehin nur theoretisch
Geltung: Der weitaus größte Teil der hier angesiedelten Regierungsgebäude
wurde schon durch bauliche Maßnahmen unzugänglich gemacht.
Wer fliegt, fliegt auch zurück
Und recht hat, wer Recht schreibt:
Weil die 1993 ins Asylrecht eingeführte Drittstaatenregelung anders
nicht durchzusetzen sei, entschied sich das Bundesverwaltungsgericht letzte
Woche dafür, die Rechte von Flüchtlingen ein weiteres Mal einzuschränken.
So haben Asylbewerber, die nach eigenen Angaben mit dem Flugzeug nach Deutschland
eingereist sind, dies aber nicht nachweisen können, künftig keinen
Anspruch auf Asyl mehr. Die Beweislast, urteilten die Verwaltungsrichter,
liege eindeutig beim Asylbewerber selbst. Schließlich, heißt
es in dem Urteil, könne ansonsten die Drittstaatenregelung nicht angewandt
werden. Nach der Regelung haben Ausländer, die über als sicher
geltende Drittstaaten in die Bundesrepublik eingereist sind, keinen Anspruch
auf Asyl - und können ohne Anerkennungsverfahren sofort in ihr Herkunftsland
abgeschoben werden.
Wanted: DHKP-C
39 Tage lang wehrte er sich gegen
seine Haftbedingungen, vor rund drei Wochen brach Ali Ekti seinen Hungerstreik
schließlich ab. Doch die Kriminalisierung von Sympathisanten und
Mitgliedern der kommunistischen türkischen Volkbefreiungsfront (DHKP-C)
geht weiter. Wie Ekti ist nun auch sein Genosse Ilhan Yelkovan vor dem
Hamburger Staatsschutzsenat angeklagt, im April 1998 ein Mitglied der faschistischen
Grauen Wölfe erschossen zu haben. Nachdem er letztes Jahre drei Monate
in Untersuchungshaft genommen wurde, ließen ihn die Behörden
wegen fehlender Beweise jedoch wieder frei - um ihn ein Jahr später
wieder ins Gefängnis zu bringen. Vielleicht für immer: Die Staatsanwälte
jedenfalls fordern eine lebenslange Freiheitsstrafe. Und die langjährigen
Haftstrafen gegen Ekti und zwei weitere DHKP-C-Männer aus dem Frühjahr
sprechen dafür, daß auch Yelkovan bald mit Haftbedingungen zu
kämpfen haben könnte, die bei Ekti nach seinem Hungerstreik zwar
gelockert, aber nicht gänzlich ausgesetzt wurden. Ermittelt wird in
der Hansestadt inzwischen gegen ein weiteres Dutzend vermeintlicher DHKP-C-Mitglieder.
Feuerwehr löscht Nazi
Am Ende hat alles nichts genutzt.
Per Postwurfsendung hatte die CDU-Kreisrätin Jutta Ewald kurz vor
der Stichwahl noch versucht, dem DVU-Kandidaten für den Bürgermeisterposten
im thüringischen Frauenwald die nötigen Stimmen einzubringen.
Doch der rechtsextreme Otto Reißig scheiterte. Wenn auch knapp: Mit
49,1 Prozent der Stimmen unterlag er dem einzigen Gegenkandidaten in dem
nahe Suhl gelegenen Dorf. Kurt Wagner, der designierte Bürgermeister,
brachte es auf 50,9 Prozent der Stimmen. Bei der Freiwilligen Feuerwehr
in Frauenwald dürften danach die Sektkorken geknallt haben: Schließlich
war Wagner als ihr Kandidat ins Rennen gegangen - Antifaschismus aus dem
Löschschlauch eben.
Wanderer, kommst du nach Heldrungen
...,
... dann zieh' dir besser auch bei
sommerlichen Temperaturen eine kugelsichere Weste an. Sonst könnte
es dir ergehen wie jenem 62jährigen Kölner, der die zugegebenermaßen
etwas merkwürdige Entscheidung, den Sommerurlaub mit Wandern in Nordthüringen
zu verbringen, mit dem Leben bezahlen mußte. Mit Wanderstock, Rucksack
und rheinischem Akzent machte er sich bei der MfS-geschulten Bevölkerung
verdächtig, die sogleich Polizeiruf 110 wählte: Der "Mörder
von Remagen" habe sich im Dorfkrug einquartiert.
Vier pflichteifrige Beamte sollten
den Verdächtigungen nachgehen, schritten jedoch sogleich zur Exekution:
Als der verdächtige Wessi erschrocken die Zimmertür zuschlug,
nachdem er einen kurzen Blick auf die gezückten Dienstwaffen geworfen
hatte, feuerten zwei Vopos kurzerhand durch die Tür. Als sie daraufhin
nichts mehr hörten, nahmen sie's als Beweis für die Bösartigkeit
des vermeintlichen Kapitalverbrechers aus dem kapitalistischen Ausland:
Bestimmt verschanzte er sich jetzt. Erst, als nach einer halben Stunde
immer noch kein Tischerücken zu hören war, erstürmten die
Beamten das Hotelzimmer. Sie fanden den Wanderer tot auf: Zwei Volltreffer
in Herz und Brustkorb. Die Schießausbildung war ja im Osten schon
immer besser.
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Die Nachrichten wurden
von Bickel, Dietl und Nowak
zusammengestellt |