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Schallplatten, die keiner
bestellt hat
Frottee-Wale
Ist schon klar, diese Welt braucht
einfach mehr Gleichgültigkeit. Jeder, der es gut meint, ist ein Verbrecher.
Leute, lebt doch einfach in den Tag hinein, laßt die Sonne scheinen
und kümmert euch einen Dreck um den Pitbull, der gerade neben euch
im Park ein Eichhörnchen verschlingt!
Schließlich gibt es schon
genug von diesen Leuten, die Pferde, Katzen, Delphine und Pottwale retten
wollen. Die Bravo ist jede Woche voll davon. Wozu das? Wenn all diese Leute
wirklich sexuelle Probleme haben, dann gibt es in der Bravo dafür
doch auch andere Rubriken.
Wie wär's denn mit Kuscheltieren?
Ich habe an dieser Stelle einmal erwähnt, daß ich mit einer
Robbe schlafe. Das ist okay. Im schönen Schweden gibt es sogar eine
Band, die sich Whale nennt, und in ihrem Video zu "Crying At Airports"
treten sie in blau-gelben Schwimmdressen auf. Mit anderen Kreaturen oder
gar Kuscheltieren beschäftigen Whale sich allerdings kaum. Die Parole,
die sie für ihre mehr oder weniger neue Platte ausgeben, lautet: "All
Disco Dance Must End In Broken Bones".
Darum wird bei der Musik die Taktzahl
auch vorsichtshalber etwas heruntergeschraubt. Denn Whale haben sich in
den letzten Jahren von einer Grunge-Band in eine Post-Grunge-Band verwandelt.
Was genau das sein soll, weiß man noch nicht, aber die Neunziger
sind ja auch noch nicht ganz zu Ende. Und die Neunziger, was war das denn
schon außer Grunge? Das bißchen Techno soll alles gewesen sein?
Sie erinnern sich sicher auch an Ed Chigliak in "Ausgerechnet Alaska",
der - gleich nachdem er seine kurzfristigen seherischen Fähigkeiten
wieder verloren hatte - sich fragte, was denn wohl nach Grunge komme. Ich
denke, daß er "Post-Grunge" für eine ziemlich dämliche
Antwort gehalten hätte.
Whale stellen diese Frage auch:
Was kommt nach Grunge? Und was soll diese Frage eigentlich? Denn wenn man
mit dem Lärmen erstmal ein paar Mark verdient hat, muß man die
alten Gitarren auch nicht gleich zum Pfandleiher tragen, wenn man sich
ein paar neue elektrische Geräte kaufen will. Und dann kann man in
Ruhe herumprobieren: Wie machen die das eigentlich immer mit den Samples?
Was braucht man so für einen coolen TripHop-Rhythmus? Sollte man nicht
auch mal Sprechgesang imitieren? Jetzt mal wieder was Ruhiges? Oder Popmusik?
Ach nee, hier muß noch etwas Gitarrenkrach rein.
"All Disco Dance Must End In Broken
Bones" ist die vermutlich unentschiedenste Platte, die jemals erschienen
ist. Daher sollte man sie mit allen erdenklichen Superlativen überschütten.
Nur zu! Schließlich sind die Neunziger bald schon wieder vorbei.
Und dann hat man sich um andere Dinge zu kümmern. Um Wale zum Beispiel.
Whale: All Disco Dance Must End In
Broken Bones. Virgin Records |