International Nachrichten
Vergeltung vs. Vergeltung
Es ist mittlerweile zum Alltag für
Menschen aus dem Norden Israels geworden, von der militant-islamistischen
Hisbollah mit Raketen beschossen zu werden. So auch in der vergangenen
Woche, als aus dem Südlibanon abgefeuerte Katjuscha-Raketen in der
Stadt Kiriat Shmona einschlugen, zwei Menschen töteten und fünf
verletzten. Ähnliche Angriffe waren in den vergangenen Wochen vorausgegangen.
Diesmal reagierte die israelische
Armee und griff in der Nacht von Donnerstag auf Freitag Stellungen der
Hisbollah sowie Brücken und Elektrizitätswerke im Süden
und Südwesten des Libanon an. Fünf große Straßenbrücken
und zwei E-Werke wurden zerstört, mehr als zwei Drittel der libanesischen
Hauptstadt Beirut blieben tagelang ohne Strom. Ein Sprecher der noch amtierenden
Regierung unter Benjamin Netanyahu - der Sieger der israelischen Parlamentswahlen
Ehud Barak bastelt noch an einer Regierungskoalition - begründete
die Angriffe auf nicht-militärische Ziele mit der Duldung der Hisbollah
durch die Regierung und die Bevölkerung im Libanon. Solange dort Terror-Organisationen
ungestört agieren und ihre Waffen für jeden sichtbar am Flughafen
in Beirut umladen könnten, dürfe sich niemand über Vergeltungsmaßnahmen
aufregen.
Antisemitismus wichtiger als
Anleihen
Beinahe wären sie gekommen,
um die Eignung des Iran für "sanfte Anleihen" zu überprüfen.
Doch dann verschoben einige Juristen und Mitarbeiter der Weltbank ihre
geplante Reise in den Mullah-Staat auf unbestimmte Zeit, wie die Washington
Post in der vergangenen Woche berichtete.
Ursprünglich hatte die Weltbank
beabsichtigt, bis September eine Entscheidung über aus dem Iran stammende
Projektanträge zu treffen. Doch die Verhaftung von mittlerweile 23
Iranern jüdischen Glaubens hat offenbar die geplanten Gespräche
verhindert. Zwei soziale Entwicklungsprojekte mit einem Umfang von 200
Millionen Dollar werden nun vorläufig nicht genehmigt. Alle Weltbankprojekte,
die vor Mai 1993 bewilligt wurden, sollen jedoch weitergeführt werden.
Diese haben einen Umfang von 800 Millionen Dollar.
Klagen und Rennen für Peltier
Nun schaltet sich sogar noch ein
US-Justizminister aus der Regierungszeit von Lyndon B. Johnson ein: Beim
Bundesgerichtshof in Topeka (Kansas) beantragte Ramsey Clark, die Gründe
für die Haft des politischen Gefangenen Leonard Peltier in einem Gerichtsverfahren
prüfen zu lassen. So soll erreicht werden, daß das Verfahren
gegen den indianischen Aktivisten neu aufgerollt wird. Peltier sitzt seit
24 Jahren ein, weil ihm die Beteiligung an einem tödlichen Schußwechsel,
der sich 1975 im Lakota-Reservat von Pine Ridge zugetragen hat, angelastet
wird. Peltiers letzter Einspruch gegen seine Verurteilung war 1993 von
der US-Kommission abgelehnt worden, die über bedingte Haftentlassungen
zu entscheiden hat Dabei legte diese mit dem Dezember 2008 einen Termin
für eine nächste Anhörung fest, der die vom US- Kongreß
beschlossene Auflösung der Kommission um sechs Jahre überschreitet.
Die Initiative von Clark und seinen
Partnern will diese willkürliche Anordnung zu Fall bringen. Sie wurde
am Vorabend einer Konferenz an der Indian Nations University in Lawrence
(Kansas) bekanntgegeben, an der am vergangenen Wochenende zahlreiche Menschenrechtsaktivisten,
ehemalige politische Gefangene und Unterstützer der indigenen und
schwarzen Befreiungsbewegungen aus den USA, sowie Veteranen des Bürgerkriegs
teilnahmen. Um der Kampagne für die Freilassung Peltiers Auftrieb
zu verschaffen, starteten indianische Freedom Runners sowie Läufer
aus Japan, Australien und Europa, bereits am 21. Juni in Covington (Kentucky)
zu einem Lauf über 600 Meilen zum Ort der Konferenz in Kansas.
Apocalypse now
Überschwemmungen, Dürre
und Wirbelstürme - die Welt wird künftig mächtig aus den
Fugen geraten. Das glaubt jedenfalls die Internationale Föderation
der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC), die in ihrem letzten
Woche veröffentlichten "Weltkatastrophenbericht" aufgezählt hat,
was wir im nächsten Jahrtausend so alles zu erwarten haben. Auf die
Apokalypse muß man allerdings nicht lange warten; allein für
das Jahr 1998 verzeichnete die IFRC bereits 25 Millionen sogenannte Umwelt-Flüchtlinge
- mittlerweile flüchten mehr Menschen vor Naturkatastrophen als vor
Kriegen. Zum Glück gibt's da noch die Rettungssanitäter. Zwar
ist der von ihnen prognostizierte Weltuntergang unvermeidbar, Hoffnung
gibt es in Gestalt der Rotkreuzgesellschaften aber dennoch.
Um sich den - freilich hausgemachten
- Naturkatastrophen effektiv entgegenstemmen zu können, bedürfe
es allerdings noch der finanziellen Zuwendung besorgter Bürger und
generöser Regierungsalmosen. Ohne derartige Finanzspritzen, so ließe
sich für den kommenden Weltuntergangsbericht vorwegnehmen, stünden
wir schließlich vor der nächsten Katastrophe: Jobless Growth
bei der IFRC und dann auch keine Chance mehr auf Rettung.
Heilig, heilig
Wenn ein Aufruf zur Verteidigung
des "Volksheiligtums" kursiert - wer hat den letzte Woche wohl verteilt?
Der Papst? Der Dalai Lama vielleicht? Ein Brauchtumsverein aus Bayern?
Falsch. Es war die "kommunistische" Fraktion in der russischen Duma. Die
reagierte damit auf Gerüchte, Jelzin wolle einen Erlaß unterzeichnen,
der den Abriß des Lenin-Mausoleums und die Beisetzung des mumifizierten
Wladimir I. Lenin auf einem Friedhof in Leningrad vorsieht, das heute wieder
Sankt Petersburg heißt.
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Die Nachrichten wurden
von Günther, Lim und Wahdathagh zusammengestellt
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