 |
 |
Euro Nachrichten
Deadline in Nordirland
Dem britischen Premier Tony Blair
läuft die Zeit davon. Denn sollte nicht in letzter Minute ein kleines
diplomatisches Wunder geschehen, könnte der Friedensprozeß in
Nordirland, der am 1. Juli zur Regierungsbildung in Belfast führen
sollten, schon wieder zu Ende sein, bevor er überhaupt begonnen hat.
Blair hat jetzt zusammen mit dem irischen Ministerpräsidenten Bertie
Ahern einen letzten Kompromißvorschlag präsentiert: Statt auf
der Entwaffnung der IRA als Voraussetzung der Koalitionsverhandlungen zu
pochen, sollen sich die Unionisten mit einer verbindlichen Zusage der republikanisch-nationalistischen
Sinn Féin begnügen. Die IRA sollen bis zum Mai nächsten
Jahres Zeit bekommen, um ihre Waffen abzugeben; bei einem Bruch der Vereinbarung
müßte Sinn Féin das gemeinsame Parlament wieder verlassen.
Sowohl die Republikaner als auch
der Protestanten-Chef David Trimble äußerten sich ablehnend
gegenüber dem Vorschlag.
Anfang Juli beginnen die traditionellen
Sommer-Umzüge der protestantischen Orden, bei denen mit militanten
Ausschreitungen zu rechnen ist. Aber auch im militanten republikanischen
Lager brodelt es. Wie die Times vergangenen Samstag berichtete, planen
einige abtrünnige IRA-Gruppen bereits wieder gewaltsame Aktionen in
Nordirland. So wolle sich die "Wahre IRA" mit der "Kontinuitäts-IRA",
die dem Waffenstillstand nie zugestimmt hat, zusammenschließen.
Absturz mit Rover
"Kernkompetenz" ist in den Neunzigern
das Modewort der Unternehmensstrategen. Jede Firma soll demnach überlegen,
über welche besonderen Fähigkeiten sie verfügt, und ihre
Geschäftsfelder danach aussuchen, wo ihr dieses Wissen einen Vorsprung
gegenüber der Konkurrenz verschafft. Da der frühere BMW-Chef
Bernd Pischetsrieder ein modebewußter Mann ist, hat er sich 1994
gefragt, was sein Unternehmen am besten kann und hat eine geniale Antwort
gefunden: "Autos bauen". Um dieses Wissen auch noch auf einem anderen Markt
als dem der Oberklasse in bare Münze umsetzen zu können, hat
er den britischen PKW-Hersteller Rover gekauft. Aber der Kurs des Pfundes
stieg, das macht die britischen Wagen teuer, kaum jemand will sie kaufen.
Allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres ging der Absatz von
Rover-Autos um 34 Prozent zurück. Und so schreibt Rover rote Zahlen
- im vergangenen Jahr fast 1,9 Milliarden Mark. "So kann es nicht weitergehen",
hat sich der neue BMW-Chef Joachim Milberg gedacht und letzte Woche angekündigt,
weitere zehn Milliarden Mark in das britische Tocherunternehmen zu investieren,
damit sie endlich einmal Gewinne bringt.
Warschauer Wasser-Wummen
Von den mit Spielzeug-Maschinengewehren
bewaffneten Rüstungsarbeitern, die vergangenen Donnerstag das Warschauer
Regierungsviertel stürmen wollten, fühlte sich die polnische
Polizei derart bedroht, daß sie sich und die Regierung mit Tränengas,
Wasserwerfern und Gummigeschossen schützen mußte. Die Forderung
der rund 1 000 Demonstranten: Erhalt ihrer Arbeitsplätze in Rüstungsbetrieben.
Klar, daß die Kollegen nicht zimperlich vorgingen und ihrer Forderung
mit Steinen und abgerissenen Straßenschildern Nachdruck verliehen.
Und dann seien sie auch noch betrunken gewesen, beschwerte sich die Polizei.
Die Regierung plant, die Hälfte
der etwa 40 Rüstungsbetriebe zu schließen. Dabei würden
18 000 Menschen ihre Arbeit verlieren. Statt Waffen aus dem westlichen
Ausland zu importieren, meinen die Arbeiter, müsse die landeseigenen
Produktion erhöht werden. Feuer frei!
Rumänische Nazis feiern
Christi Geburt
Fürchten sich die rumänischen
Faschisten vor der Hölle? Unter dem vielsagenden Namen "Nationaler
Verband für Christliche Wiedergeburt" soll noch in diesem Jahr die
berüchtigte "Eiserne Garde" als politische Bewegung wiederbelebt werden.
Nachdem sich des Landes "beste Söhne" schon unter ihrem ersten "Kapitän"
Corneliu Zelea Codreanu 1927 zu einer christlich-mythischen, nationalistischen
und antisemitischen Bewegung formiert hatten, terrorisierten sie im Zweiten
Weltkrieg die Bevölkerung. Der mit den Nazis verbündeten Regierung
trat die "Legionärsbewegung" 1940 bei; nach dem Krieg wurden sie unter
der kommunistischen Regierung verboten. Doch gegen das noch bestehende
Verbot will sich ihr neuer Führer, Nicador Zelea Codreanu, juristisch
wehren. 1 000 Altnazis hat er schon auf seiner Seite.
Deutsche Nazis im dänischen
Knast
Norweger, Schweden, Dänen und
Deutsche, 15 an der Zahl und allesamt Neonazis, sitzen seit dem vergangenen
Wochenende in dänischen Gefängnissen. Zuvor hatten sie Gegendemonstranten
und Polizisten mit Steinen angegriffen. Sondereinheiten der dänischen
Polizei stürmten ein Haus in Kadeby auf der Insel Langeland, in das
sich die Nazis zurückgezogen hatten und das als Zentrum der dänischen
Blood & Honour-Sektion gilt. Dort wurden zahlreiche Molotow-Cocktails,
Äxte und verschiedene Schlagwaffen sichergestellt.
Historisches Opfer
Um gewagte historische Vergleiche
nicht verlegen zeigte sich Frankreichs linksnationalistischer Innenminister
Jean-Pierre Chevènement, als er vergangene Woche von den Grünen
attackiert wurde. Seit ihrem Erfolg bei den Europa-Wahlen verlangt die
grüne Partei mehr Einfluß in der Regierungskoalition - und würde
dabei gerne mit den Posten des Innenministers beginnen. In der Sonntagszeitung
JDD blies die Umweltministerin Dominique Voynet zum Angriff und erklärte,
daß Chevènement sich als Bezirkspräsident im elsässischen
Belfort geweigert hatte, die dortige Müllverbrennungsanlage den gesetzlichen
Dioxin-Normen anzupassen. Damit habe er den Boden des Gesetzes verlassen.
Als Daniel Cohn-Bendit dem Innenminister
in dem Wochenmagazin L'Evènement auch noch empfahl, die Frührente
in Anspruch zu nehmen, verglich dieser das Blatt mit Je suis partout, der
radikalen antisemitischen Tageszeitung der französischen Nazi-Kollaborateure.
Er sei den gleichen Verleumdungen ausgesetzt wie einst Roger Salengro.
Das Mitglied der linken "Volksfront-Regierung" von 1936 beging wegen einer
Hetzkampagne in der faschistischen Presse Selbstmord.
In Memoriam:
Arme Mamadopoulus: Ihr Papadopoulus,
bis 1973 Juntaführer in Griechenland, ist am Sonntag gestorben.
-
Die Nachrichten wurden
von Lim, Möser, Schmid und
Söhler zusammengestellt
|