 |
 |
Antifa heißt lautstark
Offensive 99
Die Linke ist tot, es lebe die Antifa.
Denn die tut wenigstens noch etwas. Ja, auch heute noch. Sie wissen schon:
Aktionen, Demos, Veranstaltungen, Kampagnen und so. Wie schon vor zehn,
20, 50 oder 100 Jahren.
Aber kurz vor dem Millennium reicht
das nicht. Neben dem neuesten Album der Backstreet Boys, einer Millennium-Party
im Bremer Kundenzentrum von Mercedes, dem Bio-Bier "Millennium Bock" und
den Jungen Demokraten ("eure Studentenvertretung für das nächste
Millennium") mußte auch die deutsche Linke mal ein bißchen
was Innovatives anbieten. Ohne ausgefallene Eigenwerbung hat man zur Jahrtausendwende
eben keine Chance auf dem Markt.
Deswegen gibt es die Antifa-Offensive
99. Ja, die Antifas tun eben was. Die sind nicht nur solidarisch, wichtig,
höchst politisch, trendy (mit Handy), modisch gekleidet, immer unterwegs
- und auf dem laufenden sowieso. Sie sind auch noch in der Offensive. Und
damit sehr erfolgreich - egal, was passiert.
Werden über tausend Nazis von
der Polizei bundesweit auf Autobahnraststätten festgehalten, können
sich gerade einmal "wenige Hundert" Jungfaschisten zu einer Spontandemo
irgendwo versammeln, pfeift die Göttinger Anti-Kriegsbewegung den
"Kriegstreiber Trittin" lautstark aus oder setzt mit einer Fahnenverbrennung
"ein wichtiges militantes Symbol", kann sich der Staatsapparat gegen den
Kampfesmut der Politaktivisten nur noch mit hilflosen Verhaftungen und
Bespitzelungen zur Wehr setzen, so ist das alles ein voller Erfolg der
Antifa.
So beten es die Marketing-Strategen
antifaschistischer Organisationen jedenfalls Woche für Woche herunter.
Heißt für die Presseabteilung von BASF oder Hoechst jeder Störfall
"ungefährlich", könnte jede Lebensmittelverseuchung "in Deutschland
auf keinen Fall passieren" und ist jeder Krieg auch ein bißchen "humanitär",
wird jede Antifa-Aktion mit dem Label "erfolgreich" nach außen verkauft.
Nicht nur in jeder Management-Etage, sondern auch bei den meisten Antifa-Gruppen
weiß man: Mit Mißerfolgen, Störfällen oder Selbstkritik
macht man keine Werbung. Schließlich sind plakative Sprüche,
bunte Bildchen, Markenzeichen und ein jugendlich-fesches Image wesentlich
erfolgversprechender.
Als gelte es, professionellen PR-Agenturen
Konkurrenz zu machen oder sich mit ihren Propagandamaterialien in fünf
oder zehn Jahren dort um einen Job zu bewerben, sind die Imageberater der
Antifa krampfhaft darum bemüht, ein positives Bild ihrer Aktionen
zu zeichnen. Sonst will am Ende niemand mehr hinkommen und sich mit den
- nur plakativ aufgemotzten - Parolen von vor zehn, 20, 50 oder 100 Jahren
an die Öffentlichkeit wagen.
|