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Inland Nachrichten
Schönen Lebensabend für
Toni
Wer in seinem früheren Leben
an der sogenannten Endlösung der Judenfrage beteiligt war, wer, etwa
als Aufseher in einem Konzentrationslager oder als Angehöriger eines
Polizeibataillons, an der Ermordung von ein paar Hundert oder ein paar
Tausend Menschen jüdischen Glaubens beteiligt war, braucht sich heute
nicht mehr zu scheuen, offen darüber zu sprechen: Er riskiert nichts
mehr. Vielmehr wird es ihm wohl ergehen wie Anton Malloth. Der war zwar
in der "Kleinen Festung" Theresienstadt als besonders brutaler Nazi-Scherge
"schöner Toni" bekannt und gefürchtet, weil er, stets mit einer
stutzerhaft sauberen Uniform und frisch gewienerten Stiefeln gekleidet,
seine Opfer besonders gern mit der Reitpeitsche peinigte. Trotzdem darf
er heute in einem Altersheim im Münchener Süden ein beschauliches
Pensionistendasein führen. Nun hat auch noch die Dortmunder Zentralstelle
zur Verfolgung nationalsozialisitscher Massenverbrechen das Verfahren gegen
Malloth eingestellt. Begründung: Anklage könne nur erhoben werden,
wenn eine Verurteilung wegen Mordes oder Beihilfe hierzu wahrscheinlich
wäre. Das sei aber nicht der Fall, obwohl davon auszugehen sei, daß
sich Malloth als Aufseher in Theresienstadt brutal an Gefangenen vergangen
habe.
Vielleicht ergeht es ihm auch wie
jenem 78jährigen, dessen Name nicht veröffentlicht werden darf,
weil er in Braunschweig lediglich vor einer Jugendstrafkammer stand. Die
befand ihn zwar der Beihilfe zum Mord an Juden für schuldig, sah aber
von einer Bestrafung ab: Zu Gunsten das Angeklagten, so die Richter, müsse
man davon ausgehen, daß er zum Tatzeitpunkt 20 Jahre alt gewesen
sei. Deswegen sei das Jugendstrafgesetz anzuwenden.
Mögen beide eines langsamen
und schmerzensreichen Todes sterben.
Bewährung für Apo-Fans
Da nutzten auch die reumütigen
Worte des Vorsitzenden aus Imrali nichts: Wegen ihrer Beteiligung an der
Besetzung der griechischen Botschaft in Leipzig wurden vergangene Woche
vier Kurden und eine Kurdin vor dem Amtsgericht der Sachsenmetropole zu
Bewährungsstrafen zwischen zehn und 14 Monaten verurteilt. "Ich war
wie jeder Kurde dagegen, daß unser Anführer Abdullah Öcalan
verhaftet wurde", erklärt die 29jährige Hatice A., warum sie
sich an der Aktion im Februar beteiligt hatte. Den fünf Angeklagten
wurde schwerer Landfriedensbruch, Freiheitsberaubung und Hausfriedensbruch
vorgeworfen. Daß die Beschuldigten drei damals im Gebäude befindliche
Mitarbeiter einer Steuerkanzlei, die von den Besetzern festgehalten wurden,
nicht als Geiseln, sondern als "Gäste" betrachtet hatten, fand der
Leipziger Staatsanwalt Rainer Baums "absurd". Insgesamt müssen sich
73 Personen wegen der Aktion vor Gericht verantworten.
Aufrecht in den Suizid
"Die heute erfolgte Korrektur zeigt
deutlich, daß es falsch war, die Abschiebungen auszusetzen", bloß
weil dabei hin und wieder mal ein Afrikaner ums Leben kommt, "und daß
der Druck der Länder auf das Bundesinnenministerium Wirkung gezeigt
hat", freute sich vergangenen Freitag der baden-württembergische Innenminister
Thomas Schäuble. Was den Bruder des CDU-Vorsitzenden so glücklich
macht: Vier Wochen nach dem Tod des sudanesischen Flüchtlings Aamir
Ageeb läßt Bundesinnenminister Otto Schily endlich auch solche
abgelehnten Asylbewerber wieder mit Hilfe des Bundesgrenzschutzes abschieben,
bei denen mit Gegenwehr zu rechnen ist. Dabei sollen es die Beamten nur
unwesentlich schwerer haben als bisher: Laut ministerlicher Direktive sollen
sie künftig dafür sorgen, daß die "freie Atmung des Abzuschiebenden
(...) zu gewährleisten" ist. Auch sind sie angehalten, "Hand- und
Fußfesseln nicht so miteinander zu verbinden, daß der Betroffenen
zu einer gebückten Haltung gezwungen wird", der Oberkörper soll
"in einer aufrechten Sitzposition" bleiben. Leider ist es ja heute schon
wieder eine Meldung, wenn ein deutscher Minister seine Beamten anweist,
künftig nicht mehr zu foltern.
Ageeb war am 28. Mai an Bord einer
Lufthansa-Maschine erstickt, vermutlich weil ihm Grenzschutzbeamte, um
seine Gegenwehr gegen die Abschiebung zu brechen, einen Motorradhelm aufsetzten
und ihm den Kopf zwischen die Beine drückten. Als Schily daraufhin
die Abschiebung von Flüchtlingen, die sich wehrten oder suizidgefährdet
waren, aussetzte, hatten mehrere Bundesländer, etwa das rot-grün
regierte Hamburg, die Abschiebungen mit eigenem Personal durchgeführt.
Papiertiger beißt Punk
Immer haben die Berliner Maoisten
Ärger mit der Punkmusik. Nachdem schon 1997 ein Mitglied des RIM-Ablegers
Revolutionäre Kommunisten mehrere Monate in Untersuchungshaft verbringen
mußte, weil er auf einer Demonstration das Lied "Deutschland" der
Punkband Slime abgespielt haben soll, sitzt seit dem 1. Mai 1999 seine
Gesinnungsgenossin Nuran Ayten wegen des gleichen Delikts im Gefängnis.
Sie wurde unmittelbar nach der maoistisch dominierten 1. Mai-Demo 1999
in Kreuzberg festgenommen. Die Anklage allerdings bezog sich auf die Mai-Demo
von 1994, die von Kreuzberg zum Brandenburger Tor geführt hatte.
Damals griff die Polizei ein, nachdem
der Slime-Song über den Lautsprecherwagen abgespielt worden war. Nuran
Ayten sollte als Demoverantwortliche wegen "Verunglimpfung des Staates
und seiner Symbole" und wegen "Volksverhetzung" zur Rechenschaft gezogen
werden. Wegen krankheitsbedingter Verhandlungsunfähigkeit der Angeklagten
mußte der Prozeß 1995 ausgesetzt werden. Trotz ärztlicher
Bescheinigungen erließ der Richter aber ohne Wissen der Angeklagten
einen Haftbehl, der nun mit vierjähriger Verzögerung vollstreckt
wurde. Die Rote Hilfe weist darauf hin, daß Nuran Ayten die gesamte
Zeit über bei politischen Aktionen in der Öffentlichkeit präsent
war. So habe sie noch kurz vor dem 1. Mai an einer von der Kreuzberger
Polizeidirektion organisierten Podiumsdiskussion teilgenommen und sich
unter den Augen von circa 50 anwesenden Polizeibeamten zu Wort gemeldet.
Trotz dieser für eine Prozeßflüchtige eher untypischen
Verhaltensweise weigerte sich der Richter Brüning, den Haftbehl gegen
Kaution außer Kraft zu setzen. An drei Verhandlungstagen soll in
dieser und der nächsten Woche gegen Nuran Ayten vor dem Berliner Landgericht
verhandelt werden.
Hoch die Freiwillige Feuerwehr!
Frauenwald liegt in Thüringen,
und zwar so sehr, daß dort zur Bürgermeisterwahl nur die Freiwillige
Feuerwehr und die Nazi-Partei DVU antreten. Für Jutta Ewald, die CDU-Vertreterin
im Kreisrat, den es immerhin auch gibt, ein klarer Fall: Per Postwurfsendung
rief sie zur Wahl des DVU-Mannes Otto Reißigs auf. Jetzt kündigte
der Landesverband "Konsequenzen in geeigneter Weise" an. Seine Konsequenzen
bereits gezogen hat der Feuerwehr-Kandidat Kurt Wagner: Er will für
den Fall, daß er gewählt werden sollte, die Wahl wegen "Rechtslastigkeit
im ganzen Ort" nicht annehmen.
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Die Nachrichten wuden von
Dietl, Nowak und Vogel zusammengestellt
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