Euro Nachrichten
Kohle fürs
Kosovo
Kaum ist Frieden,
gibt es auch schon einen Stabilitätspakt. Die Außenminister
der G8-Staaten einigten sich am Freitag darauf, für politische, wirtschaftliche
und rechtliche Ordnung auf dem gesamten Balkan zu sorgen. Dabei sollen
alle Länder in der Region miteinbezogen werden, auch Jugoslawien.
Allerdings bestehen Zweifel, ob man dabei mit Milosevic zusammenarbeiten
will: Voraussetzung seien demokratische Regierungen in den Ländern,
und zwar nicht nur demokratisch gewählte, sondern auch nach demokratischen
Prinzipien handelnde. Für die zivilen Aspekte der Friedensregelung
soll ein UN-Beauftragter benannt werden; für die militärische
Ordnung wird die Nato zuständig sein - auch wenn das mit Rücksicht
auf Rußland im Vertrag anders formuliert ist. Die wirtschaftliche
Entwicklung beaufsichtigen unter anderem die Weltbank und der Internationale
Währungsfonds. Den Hauptteil der Kosten übernimmt jedoch die
Europäische Union.
Unterstützt
werden sollen die Balkanländer im allgemeinen und das Kosovo im speziellen.
Größtes Problem bei der Wiederaufbauhilfe sind die fehlenden
institutionellen Strukturen, so daß bisher völlig unklar ist,
über welche Stellen finanzielle Hilfe verwaltet werden kann. Die geringe
Absorptionsfähigkeit und die beschränkten Verwaltungsstrukturen
haben schon in Bosnien eine effektive Aufbauhilfe in den letzten fünf
Jahren gebremst: Obwohl die Kriegsschäden auf insgesamt 25 Milliarden
Dollar geschätzt wurden, sind bisher nur fünf Milliarden ins
Land geflossen.
Rüge für
rüde Türkei
Der Prozeß
gegen den PKK-Führer Abdullah Öcalan hat auch den Rest von Europa
wieder an den Kurden-Konflikt erinnert: Der Europarat hat vorigen Donnerstag
der Türkei ernsthafte Menschenrechtsverletzungen gegenüber den
Kurden vorgeworfen. Das Ministerkomitee beschuldigt die türkischen
Sicherheitsbehörden, mit Mord, Folter und Zerstörung der Häuser
gegen die kurdische Bevölkerung in den südöstlichen Provinzen
des Landes vorzugehen. Erst auf dem EU-Gipfel in Köln hatten die Teilnehmer
einen Beitritt der Türkei zur EU ausgeschlossen, bevor sich nicht
eine Änderung der Kurdenpolitik abzeichne.
Mit der Rüge
kritisiert der Europarat in Strasbourg zum ersten Mal einen seiner 41 Mitgliedsstaaten,
zu denen die Türkei seit 50 Jahren gehört. Die Kritik dürfte
auf taube Ohren stoßen bei der frisch gebildeten Regierungskoalition
unter Bülent Ecevit, die sich erst am Vortag für eine konsequente
Bekämpfung der kurdischen Autonomie-Bestrebungen ausgesprochen hat.
Und die drohende Todesstrafe gegen Öcalan wird die erste Bewährungsprobe
für die neue Koalition: Die türkische Verfassung sieht vor, daß
das Parlament eine Exekution genehmigen muß.
Trachten-Terror
I: Ungarn
Fast jeder fünfte
Ungar fordert einen Anschluß der Vojvodina an Ungarn. Zur Zeit lebt
eine große ungarische Minderheit in der nordserbischen Provinz, die
nach dem Ersten Weltkrieg an Jugoslawien ging. Der Anschluß der Vojvodina
wird in Ungarn vor allem von der nationalistischen Partei für Gerechtigkeit
und Freiheit (MIEP) gefordert. Immerhin: Selbst unter den Anhängern
der MIEP sinkt die Zahl der Befürworter auf 21 Prozent, wenn diese
territorialen Ziele mit kriegerischen Mitteln erkämpft werden müßten.
Der Nato-Krieg scheint sie ein wenig erschreckt zu haben.
Trachten-Terror
II: Rumänien
Eine föderative
Ordnung in Rumänien hat Präsident Emil Constantinescu abgelehnt.
Wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet, wies der Präsident letzte
Woche die Forderung nach Autonomie für Siebenbürgen und das Banat
innerhalb eines föderativen Systems zurück. Er werde separatistische
und verfassungswidrige Ideen niemals akzeptieren. Er reagierte damit auf
die Diskussion, die seit einiger Zeit von Intellektuellen in den westlichen
Landesteilen geführt wird. Angefacht hatte die Diskussion ein junger
TV-Reporter, der sich gegen den Einfluß der Zentrale in Bukarest
wendet. Seine Pro-Transsilvania-Stiftung ist vor allem wegen der Forderung
beliebt, deren Grundgedanken sich Separatisten überall zu eigen machen:
Steuergelder aus Siebenbürgen sollen nur in Siebenbürgen verwendet
werden.
Trachten-Terror
III: Bulgarien
Der bulgarische
Premierminister Iwan Kostow will sich in Zukunft verstärkt für
die Gleichberechtigung der bulgarischen Minderheit in Jugoslawien einsetzen.
Kostow kritisierte die intensiven Rekrutierungen von Soldaten aus der Region,
in der die bulgarische Minderheit lebt. Die Einbeziehung ethnischer Bulgaren
in militärische Operationen gegen ihren Willen sei der jüngste
repressive Akt gegen diese Minderheit. Die Menschenrechtsverletzungen gegen
die bulgarische Minderheit sind in den vergangenen Jahren auch in mehreren
Resolutionen der UN-Menschenrechtsorganisationen erwähnt worden.
Dasa und Casa
Der europäischen
Luftfahrtindustrie steht die größte internationale Fusion der
Branche ins Haus. Um ihre globale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken,
wollen sich die Luftfahrtunternehmen Daimler-Chrysler-Aerospace (Dasa)
und die spanische Casa zusammenschließen. Schon vor der Fusion sind
die beiden Konzerne gemeinsam am Bau des Airbus und des Eurofighters beteiligt.
Trotzdem: Als Traumpartner der Dasa wurde eigentlich die British Aerospace
(BAe) gehandelt. Doch die hat sich Anfang des Jahres mit der GEC Marconi
zusammengeschlossen. So ist erstmal eine einheitliche europäische
Luft- und Raumfahrtindustrie in weite Ferne gerückt.
Rot-Braun und
Intellektuell
Patrick Bresson
ist ein französischer Schriftsteller, der bisher immer der französischen
KP nahe stand und sich in den letzten Jahren vorwiegend durch sein bedingungsloses
Engagement zugunsten der serbischen "Sache" auszeichnete. Dabei kam er
nicht nur mit serbischen Nationalisten zusammen, sondern regelmäßig
auch mit französischen Rechtsextremen, die die Unterstützung
des serbischen Nationalismus (als eines "traditionellen Verbündeten
Frankreichs") ihrerseits auf ihre Fahnen geschrieben haben. Bereits 1993
war er durch seine Beziehungen sowohl zu KP-nahen als auch zu rechtsextremen
Organisationen als Angehöriger der "rot-braunen Szene" ins Gerede
gekommen. In der ersten Junihälfte hat Bresson nun der FN-Mitgliederzeitung
Fran ç ais d'abord (Franzosen zuerst) ein Interview gegeben. Demnach
gilt seine Sympathie als "Marxist" und "kommunistischer Wähler" den
"rechtsextremen Intellektuellen", die wegen ihrer Ideen verfolgt würden.
-
Die Nachrichten
wurden von Bergemann und Schmid zusammengestellt
|