 |
 |
Feuilleton Nachrichten
Forelle blau
"2000 Jahre danach: Was bleibt von
Jesus Christus?"
Der Spiegel, Nr. 21/99
Deutsche Mehrzweckhalle
Einen klassischen Ost-West-Bilder-Streit
haben sich die Kuratoren der Ausstellung "Aufstieg und Fall der Moderne"
in Weimar eingehandelt. Nach der heftigen Kritik an der Konzeption der
in drei Abteilungen gegliederten Schau - Moderne, NS-Kunst und DDR-Kunst
- signalisierten die Ausstellungsmacher jetzt ihre Bereitschaft zum Einlenken.
Nicht gefallen lassen wollten sich
die Künstler aus der ehemaligen DDR, daß ihre Arbeiten gemeinsam
mit Objekten aus der NS-Zeit in einer Mehrzweckhalle gezeigt werden. Auch
die Hängung der Bilder fand bei den Beteiligten zum Erstaunen des
Kurators Achim Preiß keinen Zuspruch. Während dieser seine Idee,
möglichst viele Bilder auf möglichst wenig Raum zusammenzudrängen,
als ein dynamisches und auf Vollständigkeit angelegtes Konzept verteidigt,
fühlen sich die Künstler eher an eine Rumpelkammer erinnert.
Auch den Einfall, die Bilder vor einer grauen Plasteplane zu zeigen, hält
nur der Kurator für schlau. Preiß assoziiert: "Die DDR war doch
auch grau."
Daß man mit dieser Interpretation
der DDR-Kunst völlig daneben liegt, wollte auch der Direktor der Kunstsammlung
Weimar, Rolf Bothe, nicht eingestehen, immerhin aber hat er einige Änderungen
versprochen. "Wir werden in etwa zehn Tagen die Hängung während
der Öffnungszeiten behutsam korrigieren", erklärte er am vergangenen
Montag. Laut Bothe sollen die Bilder künftig in klare Gruppen nach
Leihgebern und in zeitlicher Chronologie gegliedert werden. Daß sich
die Kritiker der Schau durch kleinere Umgruppierungen der Exponate beschwichtigen
lassen, ist allerdings unwahrscheinlich. Bundestagspräsident Wolfgang
Thierse verteidigte die gezeigten Bilder: "Schon die Kombination ist eine
bestimmte Interpretation, und wenn man die Ausstellung sieht, hat man als
ehemaliger DDR-Bürger den Eindruck, das sei eine Denunziation von
Kunst in der ehemaligen DDR - als sei diese SED- oder staatshörig
gewesen." Für die Differenzierung bleibe kein Raum.
Allerdings verzichten auch die Gegner
der Ausstellung bisweilen auf Nuancierungen: Der Berufsverband Bildender
Künstler Berlin hat im Auftrag der Künstlerin Elena Olsen eine
Unterlassungsklage gegen die Stadt Weimar angekündigt, sollten die
Werke nicht aus dem diffamierenden Kontext herausgelöst werden. Die
Bilderschau in Weimar erinnere an die NS-Ausstellung "Entartete Kunst".
Polizeischutz für Walser
Für einen Nachhall der Walser-Debatte,
die mit Beginn des Kriegs im Kosovo plötzlich beendet war, sorgten
am vergangenen Wochenende einige Demonstranten in Freiburg. Während
Martin Walser im Rahmen des 89. Deutschen Bibliothekstages noch mal die
Highlights aus seinem Roman "Ein springender Brunnen" vortrug, wurde draußen
vor der Halle mit Trillerpfeifen protestiert. Die Veranstalter nahmen sich
ein Vorbild am Grünen-Parteitag und stellten die Lesung unter Polizeischutz.
Kein Platz im Keller
Nach mehr als vier Jahren kehrt
die vielen Anfeindungen von rechts ausgesetzte Ausstellung über die
Verbrechen der Wehrmacht nach Hamburg zurück und wird von einem Verein
übernommen, der u.a Innenminister Otto Schily, den Präsidenten
des Bundesarchivs, Friedrich Kahlenberg, und Brigade-General a.D. Winfried
Vogel zu seinen Mitgliedern zählt. Eine recht beunruhigende Vorstellung,
auch wenn dem Kuratorium unter anderem Ignatz Bubis und der österreichische
Ex-Bundeskanzler Franz Vranitzky (er hielt die Rede zur Ausstellungseröffnung
in Wien) angehören. Daß die Dokumentation demnächst in
den Archiven verschwindet, steht aber nicht zu befürchten: Es liegen
noch Anfragen aus rund 60 Städten im In- und Ausland vor; unter anderem
wird es eine englischsprachige Version geben, die in New York, Chicago
und voraussichtlich auch Kalifornien gezeigt wird.
Naumann, Naumann
Bei der Beisetzung von Sidonie Nadhérna
in ihrem tschechischen Geburtsort Janovice ging einiges durcheinander.
Wer ist wer und hat was gesagt?
Daß Michael Naumann, der gemeinsam
mit Antje Vollmer zur zweiten feierlichen Bestattung der bereits 1950 in
London verstorbenen und beigesetzten Karl Kraus-Geliebten angereist war,
während des Zeremoniells mit "Karl" Naumann angesprochen wurde, dürfte
den Staatskulturminister wohl gefreut haben, bekannte er doch in Janovice,
seine "36 000 Seiten Karl Kraus" hinter sich zu haben, empfahl, es ihm
nachzutun, vor allem in der Fackel zu lesen, um den Kosovo-Konflikt verstehen
zu lernen, und gab das "berühmteste Karl Kraus-Zitat" (Naumann) zum
besten. Wer seine 36 000 Seiten Karl Kraus gelesen hat, weiß, das
berühmteste Karl Kraus-Zitat lautet: "Mir fällt zu Hitler nichts
ein" und findet sich in "Die Dritte Walpurgisnacht".
Zum Glück ist Janovice weit,
und Kamerateams waren nicht zugegen, die Reporterin der FAZ allerdings
hat es gehört, als der deutsche Kulturminister zitierte: "Mir fällt
zu Karl Kraus nichts ein."
-
Die Nachrichten wurden
von Bergemann, Blömeke und Runge zusammengestellt
Gegendarstellung
In der Wochenzeitung "Jungle World",
Ausgabe Nr. 21 vom 19.05.1999, ist auf Seite 24 ein Beitrag unter der Überschrift
"Rechtsschreiber" abgedruckt, der unrichtige Behauptungen über meine
Person enthält, die ich wie folgt richtigstelle: Sie berichten,
daß ich Mitglied in neonazistischen Vereinen, wie z.B. der Artgemeinschaft
e.V., sei.
Hierzu stelle ich fest, daß
ich weder Mitglied dieser Organisation noch sonst eines neonazistischen
Vereins bin.
Berlin, den 21.05.1999
Gernot Holstein |