International Nachrichten
Himalaya: Feuer
frei
Nein, die Atombombe will er erst
mal nicht einsetzen, um den Konflikt nicht zu eskalieren. Der Bedenkenträger
ist Sprecher der regierenden extrem nationalistischen Hinduisten-Combo
Bharatiya-Janata-Partei aus Indien. An der Grenze zwischen Pakistan und
Indien ist selbst der Frieden zwischen den drei Kriegen seit der Teilung
1947 immer eher ein Waffenstillstand gewesen. Streitpunkt in dem alten
Konflikt ist die Kaschmir-Region, die auch von Pakistan beansprucht wird.
Seit mehreren Wochen kommt es nun
in der bergigen Grenzgegend wieder zu Artillerieduellen und Scharmützeln.
Und letzte Woche spitzte sich die Auseinandersetzung zu, als die indische
Luftwaffe Angriffe auf Stellungen von Bewaffneten flog, die angeblich auf
indisches Gebiet eingedrungen waren. 200 von ihnen seien getötet worden,
erklärte Indien. Delhi wirft Pakistan vor, reguläre Truppen entsendet
zu haben, während man in Islamabad den Nachbarn beschuldigt, Grenzverletzungen
begangen zu haben. Bei den Angriffen wurden u.a. ein indischer Jet und
ein Hubschrauber abgeschossen.
Vergessen scheint die fröhliche
Busfahrt, die der indische Premier Atal Behari Vajpayee, ein überzeugter
Hindu-Nationalist, im Februar über die Grenze zu seinem pakistanischen
Amtskollegen Nawaz Sharif, einem Muslimnationalisten, als Zeichen der Versöhnung
unternahm. Bleibt zu hoffen, daß die beiden Erzfeinde wenigstens
nicht vergessen, welche Folgen ein Atomwaffeneinsatz hat. Seit einem Jahr
besitzen beide Staaten solche Waffen.
Philippinen: Gastfreundlich zu
GIs
Während William Clintons moderate
China-Politik durch die Botschafts-Bomben in Belgrad und die US-amerikanischen
Spionagevorwürfe gegen China wegen angeblicher Atomspionage behindert
wird, konnten die USA letzten Donnerstag einen alten Stützpunkt im
asiatischen Pazifik zurückgewinnen. Nach langen Diskussionen stimmte
der philippinische Senat mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit für die Stationierung
amerikanischer Truppen im Land zu "gemeinsamen Übungszwecken". Sieben
Jahre, nachdem die letzte US-amerikanische Militärbasis in der ehemaligen
US-Kolonie geschlossen wurde, argumentieren nun philippinische Befürworter
der Neu-Stationierung mit dem schwachen eigenen Verteidigungssystem. Den
Philippinen scheint es bei der Gastfreundschaft gegenüber dem großen
Bruder jedoch nicht nur um eine effektivere Verteidigung zu gehen. Mit
dem Abkommen verbessert das Land auch erheblich seine Position im Gerangel
mit China um einige Inseln - teilweise mit Ölvorkommen - im Südchinesischen
Meer. Erst vor zwei Wochen war es hier zu einem Zusammenstoß zwischen
einem chinesischen Fischerboot und einem philippinischen Marinekreuzer
gekommen, was in Peking mit Empörung aufgenommen wurde.
Auf den Philippinen regt sich nun
Widerstand gegen den Entschluß: Während von der linken Opposition
die Aufstellung nuklearer Waffen im Land und der Verlust nationaler Souveränität
befürchtet werden, geht es den katholischen Gegnern vor allem darum,
die mit dem Einzug der GIs verbundene Zunahme der Prostitution zu verhindern.
Ägypten: Ruhe im Kasten
Das Hungern war umsonst. Nach sechs
Tagen haben Vertreter von Menschenrechtsorganisationen in Ägypten
ihren Hungerstreik abgebrochen. Ihr Protest richtete sich gegen ein neues
Gesetz, das die Unabhängigkeit und den Handlungsspielraum der ägyptischen
Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) erheblich einschränkt. So ist
das Sozialministerium ab jetzt befugt, NGO-Vorstände aufzulösen
oder den Organisationen die ausländischen Spenden zu verbieten, auf
die viele der Menschenrechtsorganisationen im Land angewiesen sind.
Außerdem dürfen seit
Donnerstag die NGO keinen politischen Aktivitäten mehr nachgehen,
die auch von Parteien wahrgenommen werden. Gasser Abdel Razek vom Beratungszentrum
für Menschenrechte befürchtet, daß nun vor allem Menschenrechts-
und Frauenorganisationen ihre Arbeit einstellen müssen. Denen hatte
erst vor kurzem Premier Kamal al Ganzuri vorgeworfen, ihre Aktivitäten
würden im Ausland ein schlechtes Licht auf Ägypten werfen. Kritik
ist lästig, denn sie könnte Investoren abschrecken. Und die werden
für den Privatisierungskurs der Regierung dringend gebraucht. Schon
in den letzten Jahren war es zu einer Reihe von Maßnahmen gekommen,
die die demokratische Partizipation weiter erschweren: So wurden sowohl
die gewerkschaftlichen Rechte als auch die für Presse und Parteien
eingeschränkt.
Argentinien: Neue Freunde
Das Lob kommt von ungewöhnlicher
Seite. Ausgerechnet der Internationale Währungsfonds hat der argentinischen
Regierung anerkennend auf die Schulter geklopft - für eine konsequente
Bekämpfung des Haushaltsdefizits, die Teil des neoliberalen Sparprogrammes
ist. Der sensationellen Schlagzeile in den argentinischen Tageszeitungen
geht jedoch eine lange und zähe Debatte um die Löcher im argentinischen
Haushalt voraus. Die sollen jetzt per "Stabilitätspakt" gestopft werden:
Im nächsten Jahr soll das Haushaltsdefizit nicht mehr als 1,5 Prozent
des Bruttosozialprodukts überschreiten. Außerdem wurden eine
Halbierung der Arbeitslosenzahlen und ein schärferes Vorgehen gegen
die Korruption versprochen. Geklärt ist nun auch, wie es mit dem Peso
weitergehen soll: Nach einer Woche wilder Spekulationen um eine Abwertung
der argentinischen Währung, wird zunächst die Bindung an den
"harten" Dollarkurs fortgesetzt. Die südamerikanischen Börsenkurse
können sich erst einmal wieder beruhigen.
Kuwait: Schachzug für den
Fortschritt
Kleine Überraschung für
die Kuwaiterinnen: Letzte Woche ist den Frauen in dem kleinen Ölland
das Wahlrecht zugesprochen worden. Die Gesetzesänderung ohne lange
Debatte war nur durch eine List der Regierung unter Kronprinz Saad al-Abdallah
möglich: In Abwesenheit des Parlaments, das der Emir Anfang Mai aufgelöst
hatte, konnte flugs das Frauenwahlrecht per Dringlichkeitsbeschluß
im Emirat eingeführt werden. Zwar muß das neue Gesetz noch von
dem neuen Parlament, das im Juli gewählt wird, bestätigt werden:
Doch davon haben die Kuwaiterinnen wenig zu befürchten. Schließlich
hat der Regierungsvorstoß die Opposition in einige Bedrängnis
gebracht: Die Liberalen sehen sich eines wichtigen Programmpunktes beraubt;
die Islamisten geraten in Verlegenheit, weil sie traditionell gegen die
politische Beteiligung der Frauen sind, können sich aber auch kaum
explizit dagegen stellen, weil sie nun mit einem Stimmenzuwachs von der
weiblichen Wählerschaft rechnen. So ist das Frauenstimmrecht vor allem
auch ein politischer Schachzug zur Schwächung der Opposition. Das
aber wird die Kuwaiterinnen bei den nächsten Wahlen wohl kaum stören.
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Die Nachrichten wurden
Bergemann und Wettig zusammengestellt
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