Euro Nachrichten
Keine Zahnbürsten
nach Mazedonien
In Griechenland wird's für
die Nato ungemütlich: Rund 800 DemonstrantInnen stoppten Donnerstag
letzter Woche einen Nato-Konvoi auf dem Weg nach Mazedonien beim Verlassen
des Hafens von Thessaloniki. Nach einer halbstündigen Schlacht mit
Sondereinheiten der Polizei mußte der Konvoi ins Hafengelände
zurückgeleitet werden und verblieb dort bis zum nächsten Morgen.
Das von der Kommunistischen Partei
(KKE) dominierte "Komitee für den Frieden auf dem Balkan" gab den
Beginn einer Rund-um-die-Uhr-Blockade bekannt und verkündete, daß
"nicht einmal mehr eine Zahnbürste" den Hafen verlassen werde. Die
KKE rief "das Volk von Thessaloniki" auf, sich an der Blockade zu beteiligen.
Unabhängige KriegsgegnerInnen kritisierten die KKE-Beteiligung an
der Aktion als "reine Wahlpropaganda" - sie habe sich bei den Blockaden
seit ca. einem Monat nicht mehr blicken lassen.
Mehr als 90 Prozent der Griechen
sind gegen die Nato-Angriffe. Für Ministerpräsident Simitis wird
das Regieren daher immer schwieriger. Um ihm zumindest vor den EU-Wahlen
das Leben etwas zu erleichtern, kündigte die Nato an, vom 4. bis zum
14. Juni keine Transporte über Thessaloniki abzuwickeln.
Boykott einer Farce
"Ich weigere mich, an dieser Farce
teilzunehmen" erklärte Ahmet Zeki Okcuoglu, Öcalans Top-Anwalt,
am vergangenen Dienstag und empfahl seinen 14 Kollegen, sich dem Boykott
des Prozesses gegen den PKK-Chef anzuschließen. Er zog damit die
Konsequenz aus den Repressalien der türkischen Sicherheitsorgane gegen
die Verteidigung. Die meisten Anwälte Öcalans bekundeten jedoch
die Absicht, an der Verhandlung teilzunehmen.
Währenddessen findet in der
neugebildeten türkischen Regierung unter Premier Ecevit eine Diskussion
über eine Reform der Staatssicherheitsgerichte statt. Ecevit kündigte
am Rande der Koalitionsverhandlungen seiner Demokratischen Linkspartei
(DSP) mit der neofaschistischen MHP und der konservativen Mutterlandspartei
(Anap) eine entsprechende Verfassungsänderung an. Der Militärrichter,
der neben zwei zivilen Richtern den Prozeß leitet, soll demnach künftig
nicht mehr dem Gericht beisitzen. Öcalans Anwälte wollen daher
am ersten Prozeßtag eine Vertagung der Verhandlungen beantragen.
Über die Vertagung hat das Gericht zu entscheiden - in seiner bisherigen
Zusammensetzung.
Kreuzweise
Ausgerechnet der Papst, der sonst
alles und jeden päpstlich kommentiert, schweigt. Dabei war es ein
eigens für eine päpstliche Messe in Auschwitz aufgestelltes Kreuz,
das in Polen einen turbulenten antisemitischen Aktionismus ausgelöst
hat. Das acht Meter hohe Holzkreuz war schon 1979 errichtet worden. Auf
die Forderung jüdischer Vereinigungen hin, das übermächtige
christliche Symbol aus der Holocaust-Gedenkstätte zu entfernen, kam
es vor knapp einem Jahr zu wilden Verteidigungsaktionen katholischer Antisemiten:
Sie stellten einen ganzen Wald aus 300 weiteren Kreuzen auf und brachten
antisemitische Parolen an der Einzäunung an. Schließlich verminte
der katholische Fundamentalist Kazimierz Swinton das Feld mit den Kreuzen
und die Umgebung seines Wohnwagens, von dem aus er monatelang die Protestaktion
bewachte.
Die polnische Regierung hatte zunächst
zögerlich auf die katholischen Rebellen reagiert. Erst letzte Woche
wurden mit Hilfe eines neuen Gesetzes, das die Umgebung ehemaliger Konzentrationslager
zur Schutzzone erklärt, die Minen entschärft und die Kreuze entfernt.
Swinton wurde verhaftet, doch sein Ziel scheint er erreicht zu haben: Das
Papstkreuz bleibt vorerst stehen.
Das Aufstellen von Kreuzen ist in
Polen keine neue Idee. Einst hatte man mit solchen Aktionen gegen das kommunistische
Regime protestiert.
Lasche EU-Gentech-Richtlinie
So schnell geht das alles doch nicht.
Das mußte jetzt Bundesumweltminister Jürgen Trittin erfahren.
Seine Kompromiß-Vorschläge zur Novellierung der EU-Gentechnologie-Richtlinie
sind bei seinen Ministerkollegen auf Ablehnung gestoßen. Bemerkenswert:
Denen erschienen die deutschen Empfehlungen zur Freisetzung gentechnisch
veränderter Organismen viel zu lax. Selbst Großbritannien verfolge
inzwischen einen vorsichtigeren Kurs, hieß es aus Ministerkreisen.
Frankreich, Österreich und
Luxemburg wehren sich schon länger mit nationalen Verboten und Anbaubeschränkungen
gegen einige von der Union zugelassene Produkte. Der Vorsitzende des Umweltausschusses
des Europäischen Parlaments, Ken Collins, fordert bereits ein Moratorium
für neue Freisetzungsentscheidungen. Die EU-Gesetzgebung sei völlig
überholt und werde den Sicherheitserwartungen der Bevölkerung
nicht mehr gerecht.
Sekten-Ökumene in Frankreich?
Die EU-Wahlen werden die französische
Parteienlandschaft möglicherweise um eine neue Organisation bereichern.
Alain Krivine, der Vorsitzende der trotzkistischen Ligue Communiste Révolutionnaire
(LCR ), rief am Pfingstwochende zur Gründung einer neuen Partei der
radikalen Linken auf. Die Lutte Ouvrière (LO) erklärte sich
zum Bündnis bereit, hält sich aber ein Hintertürchen offen:
Voraussetzung bleibt, daß das Wahlbündnis aus LO und LCR am
13. Juni mehr als zehn Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinen
kann. Die Konkurrenz hilft ihnen dabei: Die KPF mobilisiert offenbar nur
mangelhaft für den Wahlkampf; viele Mitglieder propagieren den Wahlboykott
oder die Stimmabgabe für die linksradikale Liste LO/LCR.
Envy ist für alle da
Mein Envy, dein Envy? Envy ist für
alle da. Zwar sollte niemand riechen wie seine oder ihre Füße
aus den Markenturnschuhen - Guccis wirklich angenehmes Parfum ist aber
nur für die da, die mal eben 35 Euro (70 Mark) für einen kleinen
Flacon hinblättern. Oder für Monsieur Fran ç ois Pinault
aus der Bretagne. Denn der will immer gut riechen und das Florentiner Modehaus
Gucci übernehmen. Im Weg ist nur Bernard Arnault, der sich schon die
Marke Yves Saint Laurent unter den Nagel gerissen hat, nun aber ein neues
Gerichtsurteil verkraften muß, das die Rechtmäßigkeit
der bisherigen Pinault-Beteiligungen an Gucci bestätigte. Pinault
oder Arnault? Das ist natürlich eine nebensächliche Frage - solange
nicht Hilfiger oder Lagerfeld das hellgrüne Wässerchen aufkaufen
und mit ihrem Zeugs vermischen. Danach sieht es gottseidank im Moment nicht
aus. Je t'envie, mon chérie!
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Die Nachrichten wurden
Bergemann, Blömeke, Rother und Schmid zusammengestellt
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