Antifa heißt Hagelnlassen
Debatte beendet
Vor vier Jahren wurde die Ausstellung
des Hamburger Instituts für Sozialforschung, "Vernichtungskrieg -
Verbrechen der Wehrmacht. 1941 bis 1944", zum ersten Mal in Hamburg gezeigt.
Jetzt kehrt sie vom 1.Juni an in die Hansestadt zurück. Anlaß
genug für deutsche Neonazis, dieses Mal unter Führung des Nationaldemokratischen
Hochschulbunds (NHB), noch einmal gegen die Ausstellung mobil zu machen:
Am 5. Juni soll in Hamburg marschiert werden.
Aber wie in fast jedem Ausstellungsort
in den letzten vier Jahren bereiten sich auch in Hamburg die Gegner der
Gegner der Ausstellung vor und nehmen sich den letzten Ausstellungsort,
Köln, als Beispiel: Dort scheiterte ein Aufmarschversuch von rund
250 Neonazis nach 150 Metern im Eier- und Gemüsehagel von AntifaschistInnen
und empörten BürgerInnen. Absperrungen durch immerhin 3 000 Polizeibeamte
hatte es erst auf Wurfweite gegeben, und auch die Einkesselung von rund
500 Antifaschisten endete vergleichsweise glimpflich.
In Hamburg will die Polizeiführung
solche Szenen gar nicht erst haben. Weil die "erforderliche" Anzahl von
4 000 Polizeibeamten - der NHB gibt rund 2 000 NPD-Demonstranten an, der
Verfassungsschutz betätigt sich als Antifa-Organ und spricht von rund
10 000 Gegendemonstranten - angeblich nicht zur Verfügung steht, erklärte
die Stadt kurzerhand den "polizeilichen Notstand" und erließ zwei
Verbote.
Das Hamburger Bündnis gegen
Rassismus und Faschismus will gegen das Demonstrationsverbot klagen - insbesondere,
weil auch der NHB beim Verwaltungsgericht Klage gegen das Verbot eingereicht
hat. Gleichzeitig warnen Antifaschisten vor kleineren Ersatzaufmärschen
der Neonazis, sollte das Verbot bestehen bleiben.
"Hamburg drohen die größten
Auseinandersetzungen zwischen Links- und Rechtsextremisten seit Gründung
der Bundesrepublik", tönt indes Konrad Freiberg, Vorsitzender der
Gewerkschaft der Polizei. Reinhard Wagner (CDU), Chef des Landesamtes für
Verfassungsschutz, geht noch weiter und kennt bereits die Verantwortlichen:
Schuld an möglichen Zusammenstößen seien vornehmlich die
Linken: "Die Militanzdebatte bei ihnen ist abgeschlossen, man geht zur
Tat über", hat Wagner erkannt.
Gemeint war ein Brandanschlag mit
einem Sachschaden von rund 900 000 Mark auf drei Busse des Schenefelder
Busunternehmens Schönherr, das mehrfach Neonazis zu NPD-Aufmärschen
transportiert hatte. Auch die Farbbeutel "antifaschistischer, autonomer
Gruppen" gegen den Hamburger Nazikader Rüdiger Proske und mehrere
Kriegerdenkmäler verleihen dem Antifa-Demonstrationsmotto "Den Naziaufmarsch
zum Fiasko machen" schon im Vorfeld Nachdruck. Nun fehlt nur noch der Kölner
Lebensmittelhagel.
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