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Zeichnungen von Traxler
Wollkonserve
Gratulanten werden Schlange stehen,
wenn Hans Traxler am 21. Mai seinen 70. Geburtstag feiert. Am Rummel beteiligt
sich der Verlag Zweitausendeins mit der Herausgabe des großformatigen
Sammelbandes "Alles von mir!". Dieser nimmt jedoch - anders als der Titel
suggeriert - keine Gesamtschau des Traxlerschen Schaffens in Angriff, sondern
enthält hauptsächlich Zeichnungen und Cartoons aus den Neunzigern,
die überwiegend in den Magazinen der Zeit, der SZ und der FAZ veröffentlicht
wurden.
Die Konzentration des Bandes auf
diese Periode hängt wohl nicht zufällig damit zusammen, daß
sich Traxler kurz vorher von der politischen Satire verabschiedete. Eine
schluchzende Robbe am Strand, Hände, die eine Keule umfassen, und
die Zeile "Schluß mit der Nordseevergiftung, oder wir schlagen diese
Robbe tot!" - das war der letzte Titel Traxlers für die Titanic. Späße
dieses Kalibers tauchen in "Alles von mir!" tatsächlich kaum noch
auf.
Seither hat Traxler regelmäßig
die erwähnten Magazine beliefert, recht harmlose und mäßig
komische "Gorbi"- und "Gummibärchen"-Bände hergestellt, etliche
Eugen Roth-Büchlein illustriert und Kinderbücher gemacht. Er
ist also ein sehr freundlicher Komiker geworden, mehr Sempé als
Tomi Ungerer, wogegen im Prinzip nichts einzuwenden ist. Auch ohne explizite
Politik und Tabubruch lassen sich aus dem Alltag ja komische Funken schlagen.
Viele der im Band versammelten Cartoons leiden jedoch schlicht darunter,
daß ihr Witz sehr verstaubt wirkt. Eine Sachbearbeiterin als Gans
im Arbeitsamt, die dem arbeitsuchenden Bären bescheidet: "In der Honigfabrik
ist im Moment nix frei - da wolln sie alle hin!" - nun denn.
Wenn politikfreie Komik über
solche anthropologisch konstanten Anlässe hinaus Angriffspunkte sucht,
beginnt sie meist, dem Zeitgeist die Leviten zu lesen. Traxlers Hang zum
Satirischen macht sich vor allem an einem Thema fest, dem Robert Gernhardt
Anfang der Achtziger ein langes Leben voraussagte: den Widersprüchen
des Öko-Bewußtseins, dem links-alternativen Jargon und Lebensstil.
So konservieren viele von Traxlers Cartoons eine Welt, in der man Leuten
in Wollpullis begegnet, die Bruder Ahorn und Schwester Linde umarmen; in
der indianische Regentanzkurse boomen und alternative Mütter darunter
leiden, daß ihre Kinder das Frühstück verweigern - weil
doch "für jede Schale Müsli Dutzende goldener Ähren vorzeitig
ihr Leben lassen müssen".
Aber in den ausgehenden Neunzigern
schmecken diese Witze über Walgesänge und Ozonlöcher alle
schon etwas tranig. Kein Wunder, daß sich über die Narreteien
der partnersuchenden Sonderschulpädagogin, mit der man "auf toskanischen
Terrassen herrlich ganze Nächte verquatschen kann", vor allem Leser
der FAZ amüsieren können. Wenn auch Tausende Kritiker die historische
Stimmigkeit und Detailversessenheit des Zeichners Traxler loben - im vergangenen
Jahrzehnt waren Norwegerpullis und Latzhosen gewiß häufiger
auf der Kabarettbühne als auf der Straße zu sehen.
"Alles von mir!" bleibt daher ein
höchstens heiter zu nennendes Schmunzelbuch für Leute, denen
Modetorheiten grundsätzlich suspekt sind und die das Versöhnliche
in der komischen Kunst zu schätzen wissen - ganz im Sinne der tütteligen
Verse Eugen Roths: "Ein Mensch sieht ein - und das ist wichtig: Nichts
ist ganz falsch und nichts ganz richtig."
Hans Traxler: Alles von mir! Zweitausendeins,
Frankfurt/M. 1999, 258 S., DM 50 |