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Feuilleton Nachrichten
Forelle blau
"Niemand verstand, daß sich
Saskia in diesen Mann verliebt hat. Sie kann es nicht mehr erklären,
denn er hat sie umgebracht".
Schlagzeile in der B.Z. am 14.
Mai
Verlängerung!
Über das Mahnmal für die
ermordeten Juden Europas wird zwar nicht erst seit gestern diskutiert,
dennoch reißt die Liste derjenigen nicht ab, die feststellen, daß
sie bisher noch keine Gelegenheit hatten, sich zu äußern. In
der vergangenen Woche kamen die Ministerpräsidenten aus dem Knick.
Das geht ja alles viel zu schnell! erhob sich eine Stimme aus dem Tal der
Ahnungslosen. Der sächsische Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf
(CDU) forderte originellerweise, bloß nichts zu überstürzen,
denn die "Sache" sei "noch nicht entscheidungsreif" und könne "ruhig
noch fünf Jahre dauern". Hastig verbreitete er seinen Beitrag zur
Mahnmal-Debatte in diversen Zeitungen, u.a. in der Welt.
"Das Memorial", wie Biedenkopf das
Mahnmal nannte, "ist nicht nur eine Sache des Bundestages, sondern auch
des Bundesrates. Wir können doch in einer der zentralen geistig-kulturellen
Auseinandersetzungen plötzlich nicht so tun, als seien wir ein Zentralstaat."
So frisch das Vokabular, so ranzig der Vorschlag: Biedenkopf plädierte
für den preiswerten Entwurf des ostdeutschen Theologen und SPD-Mitglieds,
Richard Schröder, einen schlichten Gedenkstein mit der Aufschrift
"Nicht morden!" zu errichten. Allerdings hatte Biedenkopf noch einen Änderungswunsch.
(Man sieht, der Ministerpräsident kennt die Gepflogenheiten der Debatte:
Unterstütze lautstark den aktuell favorisierten Entwurf, unterbreite
zugleich Pläne für kleinere Anbauten und verkaufe dies unter
eigenem Namen als neue Kombilösung). Die Schröder-Biedenkopf-Lösung
sieht neben dem Schriftzug die Namen der Konzentrationslager vor.
Während Berlins Regierender
Bürgermeister, Eberhard Diepgen (CDU), und Thüringens Ministerpräsident,
Bernhard Vogel (CDU), Biedenkopfs Forderung nach einer erneuten Diskussion,
diesmal auf Länderebene, zustimmten, widersprach die Vorsitzende des
Bundestags-Kulturausschusses, Elke Leonhard (SPD), und erinnerte daran,
daß "alle Argumente ausgetauscht sind".
Affronter Mégret!
Welche Front National ist denn nun
die echte? In dieser Frage hat letzte Woche das Pariser Zivilgericht entschieden.
Zur Auswahl standen nicht weniger als drei Anwärter auf diesen Namen:
Zum ersten die neofaschistische Front national pour l'unité fran
ç aise (FNUF), die Jean-Marie Le Pen 1972 gründete und bis
heute kontrolliert. Zum zweiten die nicht minder rechtsextremistische Abspaltung
Front National - Mouvement National (FN-MN) unter Bruno Mégret.
Zum dritten die 1941 gegründete Front national pour l'indépendance
fran ç aise, kurz FN, in der die französische KP im Zweiten
Weltkrieg die Résistance-Kämpfer organisierte. Die linke Satirezeitung
Charlie Hebdo hatte sich im Dezember 1998, den Namen Front National für
sich patentieren lassen, um ihn der Résistance zurückzugegeben
(Jungle World, Nr. 8/99). Die Pariser Richter haben nun Le Pen und seinen
Anhängern gegenüber der Mégret-Partei uneingeschränkt
Recht gegeben. Unter Strafandrohung mußte der Parteiname auf Mouvement
National (MN) verkürzt werden. Den Résistance-Kämpfern
erlaubt das Urteil dagegen, ihre Organisation weiterhin Front National
zu nennen. Nicht entschieden wurde die Frage, ob den Neofaschisten unter
Le Pen der Name verboten werden könnte, wie Charlie Hebdo dies vorab
angekündigt hatte. Dazu müßten die Résistance-Kämpfer
eine eigene Klage gegen die LePenisten einreichen, so die Zivilrichter.
Mit dem Urteil im Namensstreit ist
auch entschieden, daß der LePen-Partei die staatliche Parteifinanzierung
zufällt, und zwar die Summe von 41,1 Millionen Francs. Die Unterlegene
im Rechtsstreit, die MN von Mégret, ist durch das Urteil noch weiter
geschwächt worden. Noch am Wochenende vor dem Pariser Urteil wurde
eine Umfrage des Louis-Harris-Instituts bekannt, derzufolge die Mégret-Partei
nur noch mit zwei Prozent der Wählerstimmen rechnen kann. Sollte die
MN bei den Europaparlamentswahlen am 13. Juni 1999 an der Fünf-Prozent-Hürde
scheitern, verliert sie das Anrecht auf staatliche Wahlkampfkosten-Rückerstattung.
Es könnte der erste Schritt in Richtung No-Name-Partei sein.
Rechtsschreiber
Der Versuch, die Rechtschreibreform
zu stoppen, treibt seltsame Blüten. Seit dem 10. Mai 1999 läuft
in der Stadt das Volksbegehren gegen die Umsetzung der Rechtschreibreform,
das der Berliner Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege
(BVR) organisiert. Der Unterstützung schien sich der Vereinsvorsitzende
Ernst Steppan vor allem in rechtsradikalen Kreisen gewiß, wie das
antifaschistische Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin recherchiert.
So erläuterte Steppan seine Reformkritik ausgerechnet in einem Interview
mit der rechtsextremistischen Wochenzeitung Junge Freiheit. Unterschriftenbögen
für das Volksbegehren wurden den monatlichen Sendungen der Jungen
Nationaldemokraten beigelegt, während der Sprecher des BVR, Gernot
Holstein, sich nicht nur als Wahrer der deutschen Sprache engagiert. Er
ist darüber hinaus Mitglied in neonazistischen Vereinen, wie z.B.
der Artgemeinschaft e.V., deren Mitglieder "eine überwiegend nordische
Lebensart" propagieren und sich zum "germanischen Kulturerbe" bekennen.
Für Holstein scheint die Wahrung des "Ahnenerbes" auch den Schutz
der alten Kommaregelung miteinzuschließen.
Apo-Methoden am OSI
Nicht schlecht gestaunt haben dürfte
der Berliner Politologie-Professor Bernd Rabehl am Dienstagmorgen vergangener
Woche. Hatten sich doch rund 20 Studis mit Transparenten und Trillerpfeifen
vor dem Raum postiert, in dem Apo-Veteran Rabehl sein Seminar abhalten
wollte. Sie protestierten damit gegen Rabehls nationales Coming-out im
letzten November. Vor der rechtslastigen Burschenschaft Danubia hatte Rabehl
vor Überfremdung und Wertezerfall gewarnt, was der Jungen Freiheit
so gefiel, daß sie das Referat gleich unautorisiert abdruckte. Die
protestierenden Studis erinnerten auch daran, daß Rabehl dem rechten
Shooting-Star Horst Mahler einen Lehrauftrag an der Freien Universität
(FU) verschaffen wollte. Auch einige KollegInnen von Rabehl haben sich
von dessen rechtem Treiben distanziert. FU-Politologe Hajo Funke wollte
ihm kein Forum für seine Thesen bieten und sagte ein Streitgespräch
daher kurzerhand ab. Mittlerweile beschäftigt die Auseinandersetzung
auch das Gericht. Wegen einer kritischen Anfrage, die der Politologie-Dozent
Gero Neugebauer an den Fachbereichsrat des Otto Suhr-Instituts (OSI) zu
Rabehl stellte, beantragte der Apo-Opa eine Einstweilige Verfügung.
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Die Nachrichten wurden
von Bergemann, Nowak, Schmid und Runge zusammengestellt
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