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19. Mai 1999 Jungle World

International Nachrichten

Andere Kriege I

Zum vierten Mal innerhalb einer Woche haben US-Flugzeuge am Mittwoch Radar- und Flugabwehrstellungen beschossen, meldete die Nachrichtenagentur dpa Ende vergangener Woche. Nur die Anzahl der Angriffe verrät, daß es sich nicht um jugoslawische Einrichtungen und Streitkräfte handelt, schließlich werden die zur Zeit viermal täglich angegriffen: Hier geht es um den Irak. Selbst US- und britische Militärbauchredner sprechen mittlerweile von "permanenten Angriffen" auf Ziele in den Flugverbotszonen im Norden und Süden des Landes und begründen ihr Vorgehen mit "Notwehr": Immer häufiger würden die Kampfjets vom gegnerischen Radar erfaßt. Ein irakischer Militärsprecher teilte hingegen nach den vorerst letzten Angriffen am vergangenen Mittwoch mit, daß zwölf Zivilisten ums Leben gekommen seien, als US-Jets nahe der Bezirksstadt Ninive auf Hirten, Schafe und Mähdrescher geschossen hätten. 

Indes berichtete die Neue Zürcher Zeitung in ihrer Wochenendausgabe, daß die südirakische Stadt Basra vor einem Monat für einen Tag von schiitischen Milizen und Aufständischen eingenommen worden sei. Erst 24 Stunden später hätten irakische Elitetruppen die Stadt wieder unter Kontrolle bringen können. Dabei sollen in der Huseini-Moschee schiitisches Propagandamaterial, Geld und Waffen gefunden worden sein. Die Spezialkräfte hätten nach der Durchsuchung die Moschee "dem Erdboden gleichgemacht" (NZZ), mehrere Hundert Schiiten verhaftet und nach Bagdad gebracht. In einem Schiitenviertel am Rande Bagdads sei es in den vergangen Wochen immer wieder zu Angriffen auf Funktionäre der regierenden Baath-Partei gekommen. Der Vorort sei mittlerweile vollständig abgesperrt. Aus Sicherheitsgründen hätten selbst die Geburtstagsfeierlichkeiten für Saddam Hussein am 28. April ohne den Staatschef stattfinden müssen. Der 62jährige traue sich aus Angst vor Attentaten kaum mehr aus seinem Bunker heraus.

Andere Kriege II

Der Frieden, genannt Waffenruhe, hielt nicht lang: einen Monat. Am Wochenende haben äthiopische Kampfflugzeuge wieder Ziele an der umstrittenen Grenze zu Eritrea bombardiert. Mit großem Erfolg, wie Regierungssprecherin Selome Tadasse stolz verkündetete. Bei dem Angriff seien eritreische Stellungen und ein Nachschublager schwer beschädigt worden. Über zivile Opfer wurde zunächst nichts bekannt.

Andere Kriege III

Der Bürgerkrieg in der zentralafrikanischen Republik Kongo eskaliert. Nach dem Tod von mehr als 40 Zivilisten bei einem Bombenangriff der Regierungstruppen auf die Rebellenhochburgen Goma und Uvira, startete die Rebellenallianz zusammen mit ihren Verbündeten aus dem benachbarten Ruanda eine Offensive auf das Diamantenzentrum Mbuji-Mayi im Süden des Kongo. Ein Kampfflugzeug der von Präsident Laurent-Désiré Kabila befehligten regulären Armee hatte am vergangenen Dienstag fünf Bomben über Goma und Uvira abgeworfen. Beide Städte sind Hochburgen der Rebellen, die seit neun Monaten gegen Kabila kämpfen, Goma gilt sogar als ihr militärisches Hauptquartier. Ein Rebellenkommandant sprach gegenüber Jeune Afrique von einem Verzweiflungsakt Kabilas, der den Krieg verliere. Der Präsident reagiere auf die militärischen Erfolge der Aufständischen. Denn diese hätten zuletzt im Süden Kongos große Gebiete erobern können, darunter auch die Ortschaft Manono - den Heimatort Kabilas.

Bewegte Offiziere

In Algerien hat nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen vom 15. April eine Verhaftungswelle unter höheren Offizieren stattgefunden. Wie die Gruppe "Bewegung freier Offiziere" in Algier mitteilte, habe der Geheimdienst in den letzten Wochen an die hundert Personen unter Arrest gestellt, vor allem Mitglieder des Geheimdienstes sowie Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums. Die Gruppe hatte nach den von massiven Fälschungsvorwürfen überschatteten Wahlen für Aufsehen gesorgt, da sie dem offiziellen Wahlergebnis widersprach und statt 60 lediglich eine Wahlbeteiligung von 23 Prozent bestätigen konnte. Die Offiziere werden nun beschuldigt, entsprechende Informationen aus dem Militärapparat weitergegeben zu haben.

Ballern statt saufen

Waren das noch schöne Zeiten, als halbautomatische Waffen noch für jeden und jede in den USA zu haben waren! Im Gegensatz zu einer Büchse Bier, die man erst mit 21 erstehen darf. Jetzt aber will der US-Senat den Verkauf von solch berühmten Ballermännern wie der Uzi und AK-47 an Jugendliche unter 18 Jahren verbieten. Solche Einkäufe stellten zwar auch schon vor dem Senatsbeschluß in der vergangenen Woche die amerikanischen Minderjährigen vor einige Probleme, doch Gesetzeslücken machten es möglich, die Knarren zu kaufen: zum Beispiel auf Waffenschauen. Präsident Clinton hatte nach dem Amoklauf von Littleton Maßnahmen zur Verschärfung der Waffengesetze geplant, die jedoch größtenteils vom Senat abgelehnt wurden. Da werden sich Charlton Heston und seine National Rifle Association aber freuen!

Tote Pfote

"Elektroschock, Vergasung, Genickbruch, Vergiftung, Prügeln, Treten oder Ertränken" - wer meint, mit dieser Aufzählung von durchaus todbringenden Methoden und Handlungen seien Zustände in amerikanischen Gefängnissen gemeint, irrt. Hier geht es um wichtigere Dinge, nämlich die "möglichen" Todesumstände von Tieren, deren Felle zu Pelzen verarbeitet werden. Die wollen US-Tierschützer auf einem Etikett in jedem Flauschmantel lesen und haben ein entsprechendes Gesetz vorgeschlagen. Motto: Etikette tötet. Da diese Lektüre genauso langweilt wie die Nachrichten aus der Todeszelle, haben sich die Bewohner und vor allem die Bewohnerinnen von Beverly Hills - bekannt für ihren gesunden Materialismus - in einer Volksabstimmung entschieden, daß auf Etiketten nur Wesentliches stehen darf: Preis und Größe.

  •  Die Nachrichten wurden von Bergemann, Günter, Hempel, Rother, Schmid und Söhler zusammengestellt 
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