International Nachrichten
Die Wahl der toten
Helden
In Panama standen die Präsidentschaftswahlen
im Zeichen des Rückzugs der US-Armee Präsidentensturz
Im westafrikanischen Guinea-Bissau
haben Rebellen am Freitag vergangener Woche Jo‹o Bernardo Vieira aus dem
Präsidentensessel geputscht, der sich 1980 seinerseits an die Macht
geputscht hatte; 1994 war er bei Wahlen im Amt bestätigt worden.
Bereits am Donnerstag war ein Ultimatum
der Rebellen verstrichen. Sie hatten gefordert, die Präsidentengarde
von 600 auf 30 Mann einzuschrumpfen. Das war im vergangenen Jahr nach einer
Armeerebellion in einem Friedensvertrag vereinbart worden.
Am Wochenende lieferten sich die
Rebellen Kämpfe mit loyalen Regierungstruppen. Ein Sprecher des Lissabonner
Verteidigungsministeriums sagte, die Rebellen wollten nicht dauerhaft die
Macht übernehmen; sie wollten lediglich für demokratische Wahlen
im November sorgen.
Verlegung fast gelungen
77 Häftlingen ist Mitte vergangener
Woche aus einem Gefängnis nahe San Crist-bal de las Casas im südmexikanischen
Bundesstaat Chiapas die Flucht gelungen, wie Staatsanwalt Eduardo Montoya
Liévano der Presse zerknirscht mitteilen mußte. Die Massenflucht
ereignete sich nach Augenzeugenberichten in der Folge einer Häftlingsrebellion:
Acht der insgesamt 245 Gefangenen sollten gegen ihren Widerstand in andere
Gefängnisse verlegt werden. Doch anstatt sich abtransportieren zu
lassen, stürmten die Häftlinge die Waffenkammer und lieferten
sich ein Feuergefecht mit dem Wachpersonal. Fünf Häftlinge wurden
verletzt, einer erschossen, auch ein Wärter wurde verwundet. Nachdem
die Gefangenen einen Teil des Gefängnispersonals als Geiseln genommen
hatten, stellte die Polizei das Feuer ein. Inmitten des Tumults gelang
es den Häftlingen, die Pforte zu öffnen, zu fliehen und einen
Kleinbus zu kapern. Obwohl, wie die Staatsanwaltschaft erklärte, rund
350 Polizisten die Verfolgung aufnahmen, konnte zunächst keiner der
Geflohenen aufgegriffen werden.
Das Gefängnis ist erst im September
letzten Jahres wieder eröffnet worden, nachdem es im Januar 1994 geschlossen
werden mußte. Damals hatten Guerilleros der EZLN (Zapatistische Armee
der Nationalen Befreiung) die Pforten geöffnet und alle Gefangenen
freigelassen.
Keine Gnade für Peltier
Danielle Mitterrands USA-Reise,
soweit sie zur Unterstützung der politischen Gefangenen Mumia Abu
Jamal und Leonard Peltier unternommen hat, war nur bedingt erfolgreich.
Im Falle von Leonard Peltier, einem Justizopfer im Kampf um die vertraglich
garantierten Landrechte der Sioux, gelang es ihr nicht - wie zunächst
beabsichtigt -, mit US-Präsident William Clinton zu sprechen, denn
der war mit dem Kosovo beschäftigt. Auch ein geplantes Treffen mit
verschiedenen Kongreß- und Senatsabgeordneten fiel wegen einer Kosovoabstimmung
aus.
So konnte Frau Mitterrand ihr Anliegen,
die Begnadigung Peltiers, nur dem Stellvertretenden Justizminister Robinson
vortragen. Und der gab sich so höflich wie ausweichend: Nur Clinton
selbst sei befugt, in dieser Sache Auskunft zu erteilen. So blieb Danielle
Mitterrand nach einem persönlichen Besuch bei Leonard Peltier selbst
nur übrig, beim Gefängnisdirektor in Leavenworth ein schriftliches
Ersuchen um eine Verlegung des kranken Häftlings in die Mayo-Klinik
einzureichen. Peltier leidet an den Folgen einer Tetanusinfektion aus der
Kindheit, einer schmerzhaften Kiefersperre, die während der Stationen
seines 23jährigen Gefangenendaseins so unzureichend behandelt wurde,
daß sich sein Zustand permanent verschlimmert hat.
Ein kleiner Erfolg von Mitterrands
Einsatz im Falle Peltiers ist immerhin, daß sich das jahrelange Presseverbot
um den Gefangenen etwas gelockert hat und wieder Interviews mit ihm möglich
sind. Ein Kontakt läßt sich über das Leonard Peltier Defense
Committee, PO Box 583, Lawrence, KS 660 44, USA, Tel.: 001 - 785 842 57
74 herstellen.
Kongo-Konferenz verschoben
Die für den vergangenen Samstag
geplante kongolesische Nationalkonferenz in Nairobi (Jungle World, Nr.
19/99) wurde Anfang vergangener Woche verschoben. Der Außenminister
Kongos, Abdoulaye Yerodia, sagte, das Treffen könne um den 14. Mai
herum stattfinden.
Mit der Konferenz soll eine Debatte
über den Krieg im Kongo in Gang gesetzt werden. Die Rebellenallianz,
die gegen Kongos Präsidenten Kabila kämpft, ist allerdings skeptisch.
Da Organisationen der Allianz bislang nicht eingeladen wurden, ist zweifelhaft,
wann das Treffen stattfinden wird - und ob überhaupt.
Die Qual der Wahl
Seit dem 1. Mai ist die Welthandelsorganisation
WTO juristisch nicht mehr geschäftsfähig, denn sie hat keinen
Chef mehr. Die Mitgliedsländer können sich nicht auf einen Nachfolger
für Renato Ruggiero einigen. Die beiden Kandidaten, der Neuseeländer
Mike Moore und der Thailänder Supachai Panitchpakdi, haben jeweils
etwa die Hälfte der Stimmen hinter sich. Moore wird unter anderem
von den USA und von Deutschland favorisiert, Japan hätte lieber Supachai
als Generalsekretär. Nun haben Anhänger Supachais eine Kampfabstimmung
vorgeschlagen. Doch das würde dem Ansehen der WTO schaden, weil ihr
Prinzip, alle Entscheidungen im Konsens zu fällen, damit verletzt
würde.
Die Gründe für die erbitterte
Fehde liegen im dunkeln, denn das Amt des Generalsekretärs hat hauptsächlich
eine repräsentative Funktion, und: Marktfundamentalisten sind beide
Kandidaten.
Ein Fall für Saddam
"Dekret 134/1999 zur Auflösung
der Nationalversammlung: Nach Prüfung von Artikel 107 der Verfassung
und infolge einiger parlamentarischer Praktiken, bei denen durch die willkürliche
Verwendung von Verfassungsinstrumenten vom Geist der Verfassung abgewichen
wurde und tief verwurzelte moralische Werte unserer Gesellschaft verletzt
wurden (...), erlassen wir folgendes Dekret: Artikel 1. Die Nationalversammlung
ist aufgelöst. Artikel 2. Die Wähler sind aufgerufen, am Samstag,
dem 19. Rabi Al-Aluual 1420 AH, entsprechend dem 3. Juli 1999, die Mitglieder
der Nationalversammlung zu wählen. (...) Unterschrift des Emirs von
Kuwait, Dschabir Al-Ahmad As-Sabah, und des Ministerpräsidenten Sa'd
Al-Abdullah As-Salim As-Sabah. 18. Muharram 1420 AH, entsprechend dem 4.
Mai 1999."
Dieser eklatante Verstoß gegen
Demokratie und Menschenrechte in Kuwait kann nur eine Forderung nach sich
ziehen: Saddam, übernehmen Sie.
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Die Nachrichten wurden
von Geiger, Günther, Kanzleiter und Söhler zusammengestellt
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