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5. Mai 1999 Jungle World

Feuilleton Nachrichten

Mahnmal

Früher als ursprünglich geplant, beginnt der Bundestag in dieser Woche mit den Beratungen über das Mahnmal für die ermordeten Juden Europas. Nach der ersten Lesung wird die Entscheidungsfindung an die Ausschüsse delegiert. Zur Entscheidung steht nicht nur, ob das Denkmal nun gebaut wird, sondern auch, welcher Entwurf ausgeführt wird: Der Entwurf Eisenman II (2 800 Betonstelen mit Bäumen drumherum), Eisenman III, der eigentlich Naumann I genannt werden müßte (weniger Betonstelen, dafür aber mit Museum und Bibliothek), oder Pfaffe I von Richard Schröder (eine Stele mit dem Gebot "Nicht morden!" in hebräischer Sprache, damit die Opfer es auch nicht vergessen). 

Der Zeitpunkt für diese erste Debatte hat mit der neuen Legitimation der Berliner Republik zu tun, die es, dank der Gnade der späten Geburt der Mitglieder des Kriegskabinetts, nun doch noch auf die Seite der Alliierten geschafft hat. Auch hartnäckige Gegner des Denkmals könnten jetzt, wo man Krieg gegen Auschwitz und für Menschenrechte führt, ihre Meinung ändern. Mahnen wird das Holocaust-Mahnmal jedenfalls die anderen, und wenn sie sich nicht mahnen lassen, dann kommt die Bundeswehr, demnächst auch ohne Nato. Vorerst ist man noch ganz bescheiden: "Leider gibt es noch keine Spezialisten für nach-völkermordliche Versöhnung. Die brauchen wir im Kosovo. Es wäre schön, wenn der deutsche Außenminister dies als unseren Beitrag anbieten würde", sagt der Bremer Völkermordexperte Gunnar Heinsohn.

Goldhagen reeducated

Einer, von dem es nicht zu erwarten war, hat sich jetzt in den Chor derjenigen eingereiht, für die Auschwitz als ein Argument zur Legitimation des Nato-Krieges gegen Jugoslawien taugt. Eine "'deutsche Lösung' für den Balkan", hat der Politologe Daniel Goldhagen gefordert. Um das "Völkermorden zu beenden", müsse die Nato Serbien besiegen, besetzen und umerziehen. Der Autor des Buches "Hitlers willige Vollstrecker" zieht in seinem in der Süddeutschen Zeitung veröffentlichten Aufsatz eine Parallele zwischen der Politik Jugoslawiens und dem deutschen Nationalsozialismus und vergleicht die "ethnischen Säuberungen" mit dem Holocaust. "Die serbischen Schreckenstaten", schreibt Goldhagen, "unterscheiden sich von denen der Nazis grundsätzlich nur durch die geringeren Dimensionen." Zwar sei Milosevic "kein Hitler", sondern "ein völkermörderischer Killer", auch beabsichtigten "die Serben (...) nicht die totale Vernichtung eines ganzen Volkes, wie es die Nazis bei den Juden versucht haben", "aber auch die Serben verfolgen ein eliminatorisches Projekt, um ganze Landstriche zu 'säubern'". 

Unbefangen wie ein Schröder, Fischer, Scharping beim Pressegespräch fordert der wegen seiner Thesen über die Mittäterschaft der Volksgenossen vor allem in Deutschland angefeindete Autor jetzt, die "Schwelle für eine solche Intervention sollte sehr hoch sein", und stellt fest, daß "ein vernünftiger Maßstab (...) 1945 definiert wurde".

Als Daniel J. Goldhagen in seinem Buch "Hitlers willige Vollstrecker" dem heutigen Deutschland ganz nebenbei bescheinigte, es sei ein Musterbeispiel demokratischer Erneuerung, war eine solche Argumentation zwar bereits sachte vorgezeichnet. Allerdings stand dieser Befund Goldhagens, Deutschland sei gründlich entnazifiziert und ein Exempel der gelungenen Reeducation, in eklatantem Widerspruch zu seinen sonstigen Ausführungen über den eliminatorischen Antisemitismus der Deutschen, von dem man nicht annehmen konnte, er habe sich nach 1945 durch ein paar Nachhilfestunden aufgelöst. Goldhagen reeducated.

Pressevielfalt

"VW-Produktion in Emden ruht weiter wegen Protesten": Überschrift einer Reuters-Meldung am 29. April; "VW-Produktion in Emden ruht weiter wegen Protesten": Meldungsüberschrift im Remscheider Generalanzeiger am 30. April; "VW-Produktion in Emden ruht weiter wegen Protesten": Meldungsüberschrift in der Heidenheimer Presse am 30. April; "VW-Produktion in Emden ruht weiter wegen Protesten": Meldungsüberschrift in der Pforzheimer Zeitung am 30. April; "VW-Produktion in Emden ruht weiter wegen Protesten": Meldungsüberschrift im Böblinger Boten am 30. April; "VW-Produktion in Emden ruht weiter wegen Protesten": Meldungsüberschrift in der Landeszeitung Lüneburger Heide am 30. April. "VW-Betriebsräte und IG Metall beraten weiteres Vorgehen": Überschrift einer dpa-Meldung am 29. April; "VW-Betriebsräte und IG Metall beraten weiteres Vorgehen": Meldungsüberschrift in der Leipziger Volkszeitung am 30. April; "VW-Betriebsräte und IG Metall beraten weiteres Vorgehen": Meldungsüberschrift im Kölner Stadt-Anzeiger am 30. April; "VW-Betriebsräte und IG Metall beraten weiteres Vorgehen": Meldungsüberschrift im General-Anzeiger Bonn am 30. April; "VW-Betriebsräte und IG Metall beraten weiteres Vorgehen": Meldungsüberschrift in der Aachener Zeitung am 30. April; "VW-Betriebsräte und IG Metall beraten weiteres Vorgehen": Meldungsüberschrift in der Chemnitzer Freien Presse am 30. April; "VW-Betriebsräte und IG Metall beraten weiteres Vorgehen": Meldungsüberschrift im Isar-Donau-Wald am 30. April; "VW-Betriebsräte und IG Metall beraten weiteres Vorgehen": Meldungsüberschrift in den Lübecker Nachrichten am 30. April; "VW-Betriebsräte und IG Metall beraten weiteres Vorgehen": Meldungsüberschrift in den Westfälischen Nachrichten am 30. April.

Flop

Seiner Zeit zu weit voraus war der Spiegel-Konzern. Weil die technische Entwicklung, so Werner Klatten vom Spiegel-Verlag, noch nicht weit genug war, wird die achtseitige Tageszeitung ICE-Press, die in die Züge gefunkt und kostenlos an die Fahrgäste der Ersten Klasse verteilt wurde, jetzt wieder eingestellt. Flop.

  •  Die Nachrichten wurden von Dietl, Kunstreich und Runge zusammengestellt
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