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Feuilleton Nachrichten
Mahnmal
Früher als ursprünglich
geplant, beginnt der Bundestag in dieser Woche mit den Beratungen über
das Mahnmal für die ermordeten Juden Europas. Nach der ersten Lesung
wird die Entscheidungsfindung an die Ausschüsse delegiert. Zur Entscheidung
steht nicht nur, ob das Denkmal nun gebaut wird, sondern auch, welcher
Entwurf ausgeführt wird: Der Entwurf Eisenman II (2 800 Betonstelen
mit Bäumen drumherum), Eisenman III, der eigentlich Naumann I genannt
werden müßte (weniger Betonstelen, dafür aber mit Museum
und Bibliothek), oder Pfaffe I von Richard Schröder (eine Stele mit
dem Gebot "Nicht morden!" in hebräischer Sprache, damit die Opfer
es auch nicht vergessen).
Der Zeitpunkt für diese erste
Debatte hat mit der neuen Legitimation der Berliner Republik zu tun, die
es, dank der Gnade der späten Geburt der Mitglieder des Kriegskabinetts,
nun doch noch auf die Seite der Alliierten geschafft hat. Auch hartnäckige
Gegner des Denkmals könnten jetzt, wo man Krieg gegen Auschwitz und
für Menschenrechte führt, ihre Meinung ändern. Mahnen wird
das Holocaust-Mahnmal jedenfalls die anderen, und wenn sie sich nicht mahnen
lassen, dann kommt die Bundeswehr, demnächst auch ohne Nato. Vorerst
ist man noch ganz bescheiden: "Leider gibt es noch keine Spezialisten für
nach-völkermordliche Versöhnung. Die brauchen wir im Kosovo.
Es wäre schön, wenn der deutsche Außenminister dies als
unseren Beitrag anbieten würde", sagt der Bremer Völkermordexperte
Gunnar Heinsohn.
Goldhagen reeducated
Einer, von dem es nicht zu erwarten
war, hat sich jetzt in den Chor derjenigen eingereiht, für die Auschwitz
als ein Argument zur Legitimation des Nato-Krieges gegen Jugoslawien taugt.
Eine "'deutsche Lösung' für den Balkan", hat der Politologe Daniel
Goldhagen gefordert. Um das "Völkermorden zu beenden", müsse
die Nato Serbien besiegen, besetzen und umerziehen. Der Autor des Buches
"Hitlers willige Vollstrecker" zieht in seinem in der Süddeutschen
Zeitung veröffentlichten Aufsatz eine Parallele zwischen der Politik
Jugoslawiens und dem deutschen Nationalsozialismus und vergleicht die "ethnischen
Säuberungen" mit dem Holocaust. "Die serbischen Schreckenstaten",
schreibt Goldhagen, "unterscheiden sich von denen der Nazis grundsätzlich
nur durch die geringeren Dimensionen." Zwar sei Milosevic "kein Hitler",
sondern "ein völkermörderischer Killer", auch beabsichtigten
"die Serben (...) nicht die totale Vernichtung eines ganzen Volkes, wie
es die Nazis bei den Juden versucht haben", "aber auch die Serben verfolgen
ein eliminatorisches Projekt, um ganze Landstriche zu 'säubern'".
Unbefangen wie ein Schröder,
Fischer, Scharping beim Pressegespräch fordert der wegen seiner Thesen
über die Mittäterschaft der Volksgenossen vor allem in Deutschland
angefeindete Autor jetzt, die "Schwelle für eine solche Intervention
sollte sehr hoch sein", und stellt fest, daß "ein vernünftiger
Maßstab (...) 1945 definiert wurde".
Als Daniel J. Goldhagen in seinem
Buch "Hitlers willige Vollstrecker" dem heutigen Deutschland ganz nebenbei
bescheinigte, es sei ein Musterbeispiel demokratischer Erneuerung, war
eine solche Argumentation zwar bereits sachte vorgezeichnet. Allerdings
stand dieser Befund Goldhagens, Deutschland sei gründlich entnazifiziert
und ein Exempel der gelungenen Reeducation, in eklatantem Widerspruch zu
seinen sonstigen Ausführungen über den eliminatorischen Antisemitismus
der Deutschen, von dem man nicht annehmen konnte, er habe sich nach 1945
durch ein paar Nachhilfestunden aufgelöst. Goldhagen reeducated.
Pressevielfalt
"VW-Produktion in Emden ruht weiter
wegen Protesten": Überschrift einer Reuters-Meldung am 29. April;
"VW-Produktion in Emden ruht weiter wegen Protesten": Meldungsüberschrift
im Remscheider Generalanzeiger am 30. April; "VW-Produktion in Emden ruht
weiter wegen Protesten": Meldungsüberschrift in der Heidenheimer Presse
am 30. April; "VW-Produktion in Emden ruht weiter wegen Protesten": Meldungsüberschrift
in der Pforzheimer Zeitung am 30. April; "VW-Produktion in Emden ruht weiter
wegen Protesten": Meldungsüberschrift im Böblinger Boten am 30.
April; "VW-Produktion in Emden ruht weiter wegen Protesten": Meldungsüberschrift
in der Landeszeitung Lüneburger Heide am 30. April. "VW-Betriebsräte
und IG Metall beraten weiteres Vorgehen": Überschrift einer dpa-Meldung
am 29. April; "VW-Betriebsräte und IG Metall beraten weiteres Vorgehen":
Meldungsüberschrift in der Leipziger Volkszeitung am 30. April; "VW-Betriebsräte
und IG Metall beraten weiteres Vorgehen": Meldungsüberschrift im Kölner
Stadt-Anzeiger am 30. April; "VW-Betriebsräte und IG Metall beraten
weiteres Vorgehen": Meldungsüberschrift im General-Anzeiger Bonn am
30. April; "VW-Betriebsräte und IG Metall beraten weiteres Vorgehen":
Meldungsüberschrift in der Aachener Zeitung am 30. April; "VW-Betriebsräte
und IG Metall beraten weiteres Vorgehen": Meldungsüberschrift in der
Chemnitzer Freien Presse am 30. April; "VW-Betriebsräte und IG Metall
beraten weiteres Vorgehen": Meldungsüberschrift im Isar-Donau-Wald
am 30. April; "VW-Betriebsräte und IG Metall beraten weiteres Vorgehen":
Meldungsüberschrift in den Lübecker Nachrichten am 30. April;
"VW-Betriebsräte und IG Metall beraten weiteres Vorgehen": Meldungsüberschrift
in den Westfälischen Nachrichten am 30. April.
Flop
Seiner Zeit zu weit voraus war der
Spiegel-Konzern. Weil die technische Entwicklung, so Werner Klatten vom
Spiegel-Verlag, noch nicht weit genug war, wird die achtseitige Tageszeitung
ICE-Press, die in die Züge gefunkt und kostenlos an die Fahrgäste
der Ersten Klasse verteilt wurde, jetzt wieder eingestellt. Flop.
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Die Nachrichten wurden
von Dietl, Kunstreich und Runge zusammengestellt
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