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International Nachrichten
Kredit-Recycling
Kurz bevor im Mai Rußland
die größten Zahlungen in diesem Jahr begleichen mußte,
griff der IWF ein. Am Rande der Frühjahrstagung in Washington haben
sich russischer Staat und IWF auf ein vorläufiges Abkommen geeinigt,
nach dem, so IWF-Chef Michel Camdessus, während der nächsten
18 Monate 4,6 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt werden. Im
Gegenzug habe die russische Regierung Reformen im Bankwesen und bei der
Finanzierung des Staates zugesagt. Die Auszahlungsmodalitäten sind
allerdings ungewöhnlich: Das Geld soll nicht an die russische Zentralbank
überwiesen werden, sondern "nur innerhalb der Konten des Fonds zur
Begleichung ausstehender Forderungen verbucht werden", schreibt die FAZ.
Bevor man die Mittel freigibt, muß Rußland zudem aufklären,
was mit den 4,6 Milliarden Dollar passiert ist, die der IWF im vergangenen
Juli überwiesen hatte. Die russische Zentralbank hatte diese Gelder
angeblich sofort auf Auslandskonten transferiert und eigenartige Geschäfte
mit einer Investment-Gesellschaft auf den britischen Kanalinseln getätigt.
Bogotâ bleibt hart gegenüber
der ELN
Die Antwort war ein klares "Nein".
Die kolumbianische Regierung von Präsident Andrés Pastrana
hat im Laufe der vergangenen Woche das Angebot der Guerilla-Organisation
ELN, die entführten Geiseln freizulassen und Gespräche aufzunehmen,
energisch abgelehnt. Freilassung - ja, Bedingungen erfüllen - nein:
so die Position Bogot‡s.
Zwei Bedingungen für die Freilassung
einer weiteren Gruppe von Geiseln, die ein detailliertes Kommuniqué
der ELN zur Aufnahme der Gespräche hätten überbringen sollen,
hatte die Guerilla gestellt: Zum einen die Entmilitarisierung der Gemeinde
Monterrey, in der Nähe der Provinzstadt Simit' im Süden der Provinz
Bol'var; zum anderen die Aufhebung des Kommunikationsverbots für zwei
Führungsmitglieder der ELN, die im Hochsicherheitsgefängnis Itagu'
einsitzen. Die Maschine war von einem ELN-Kommando auf dem Wege von Bucaramanga
nach Bogot‡ gekidnappt worden. Die 35 sich noch in den Händen der
zweitgrößten Guerillaorganisation des Landes befindlichen Geiseln
werden im Süden der Provinz Bol'var vermutet. Genau dort, in ihrem
wichtigsten Einflußgebiet, möchte die ELN die Gespräche
über einen Friedensprozeß mit der Regierung führen, was
von dieser jedoch abgelehnt wird.
Darüber hinaus hatte Bogot‡
keine Anstalten gemacht, die anvisierten Gespräche mit der ELN aufzunehmen.
Äußerungen von seiten der Streitkräfte, die ELN sei militärisch
schwer angeschlagen, hatten den Eindruck verstärkt, daß wenig
Interesse an einem Dialog mit ihr bestehe.
Putsch auf den Komoren
18 Putschversuche haben die Komoren
in den 25 Jahren ihrer Unabhängigkeit erlebt; immerhin vier davon
gelangen. Der letzte am Freitag vergangener Woche. Der Name des neuen starken
Mannes, den Sie sich nicht unbedingt merken müssen, lautet Colonel
Assoumani Azzali. Monsieur Azzali, der seine Brötchen bislang als
Armee-Stabschef der 700 000-Einwohner-Inselrepublik verdiente, erklärte
Radio Comoros, das Militär habe die Macht übernommen, "um zu
verhindern, daß unser Land ins Chaos stürzt". Diese Gefahr schien
gegeben, seit die Bevölkerung von Anjouan, der zweitgrößten
der drei Hauptinseln, im August 1997 versuchte, sich abzuspalten und wie
die Nachbarinsel Mayotte unter die Fittiche der einstigen Kolonialmacht
Frankreich zurückzukehren. Doch als Frankreich wenig Interesse an
der Insel zwischen Madagaskar und Mosambik zeigte, forderten die Sezessionisten
die Unabhängigkeit. Statt dessen kam die Armee. Der erste Akt der
Militär-Regierung bestand darin, die Verfassung zu suspendieren sowie
jegliche politischen Aktivitäten und Versammlungen zu verbieten. Jetzt
warten alle auf Putschversuch Nummer 19.
Ein Fall für humanitäre
Krieger
Vor 131 Jahren - am 29. April 1868
- schloß die US-Regierung in Ft. Laramie einen Vertrag mit den verschiedenen
Stämmen der Lakota (Sioux). Darin erkannte sie deren Recht an, das
Territorium östlich des Missouri zu deren absoluten und ungestörten
Gebrauch zu bewohnen. Eine etwaige Abtretung eines Teils dieses Gebietes
könne nur mit der Zustimmung der Mehrheit aller männlichen Stammesmitglieder
erfolgen.
Genau diese Zustimmung fehlt aber
bei dem von der Regierung des Bundesstaates Süd-Dakota beabsichtigten,
im letzten Oktober vom Parlament beschlossenen Landtransfer, der zugunsten
eines Stauprojekts 200 000 Acres Sioux-Vertragsland umfaßt. Der republikanische
Gouverneur von Süd-Dakota, William Janklow, holte sich nur das Einverständnis
der Stammesregierungen der Cheyenne River Sioux und der Lower Brule Sioux;
und die willigten ein, ohne jemals ihre Stammesuntergebenen befragt oder
informiert zu haben.
Deshalb halten seit dem 22. März
Sioux-Krieger die Insel La Framboise in der Nähe von Pierre, der Hauptstadt
des Bundesstaats, besetzt. Vertreter des Army Corps of Engineers verhandelten
inzwischen mit den Besetzern. Sie wiesen die Lakota aber auch darauf hin,
daß ihre Besetzung nach dem US-Bundesrecht illegal sei. Nachdem das
FBI schon Stellung bezogen hat, ist eine ähnliche Eskalation wie 1973
in Wounded Knee nicht ausgeschlossen.
Lukrative Schurkenstaaten
Iraner, Sudanesen und Lybier dürfen
jetzt auf US-amerikanische Medikamente und Getreide hoffen. Natürlich
gegen Dollars. Und da die US-Farmer große Absatzschwierigkeiten haben,
sollen neue Märkte geöffnet werden, wie Jesse Helms, Vorsitzender
des Ausschusses für ausländische Beziehungen des US-Senats, in
der Washington Post erklärte. Die Trading Company Washington beabsichtigt,
jährlich Waren im Wert von 500 Millionen Dollar in die drei Länder
zu exportieren.
Von einer Lockerung der Handelssanktionen
kann allerdings nur bedingt gesprochen werden. Denn die US-Administration
schlägt mit dieser Entscheidung zwei Fliegen mit einer Klappe. Einerseits
können damit die eigenen Farmer Geld verdienen, andererseits soll
den Bürgern der drei Staaten verdeutlicht werden, daß sich die
Sanktionen nicht gegen sie richten.
Hart bleiben die USA gegenüber
den Öl-Gesellschaften, die weiterhin keine Geschäfte mit den
drei "Schurkenstaaten" machen dürfen. Die Mobil-Corporation, einer
der größten Öl-Multis, hoffte bis vor kurzem, zwei bis
drei Millionen Barrel Rohöl in einem Tauschgeschäft mit dem Iran
auf den Weltmarkt zu bringen. Dies ist dem Multi jedoch untersagt worden.
Nach Angaben von Julia Nanay, einer Beraterin der Ölindustrie, wird
der Ausfall der Geschäfte mit dem Westen die russische Macht in der
Region stärken, berichtete die Washington Post.
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Die Nachrichten wurden
von Dietl, Günther, Henkel und Wahdathagh zusammengestellt
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