Euro Nachrichten
Prügel für
Öcalans Anwälte
Sechs Anwälte von PKK-Chef
Abdullah Öcalan haben von Mißhandlungen durch die türkische
Polizei berichtet. Nachdem der Termin für die Verhandlungen gegen
Öcalan am vergangenen Freitag im Staatssicherheitsgericht bekanntgegeben
wurde, habe sie die Polizei in einem Kleinbus von dem Gerichtsgebäude
weggefahren, sagte der Anwalt Zeki Okcuoglu in Ankara. Im Inneren des Wagens
seien sie verprügelt und anschließend auf einem Marktplatz der
Hauptstadt hinausgeworfen worden. Okcuoglu zeigte Blutergüsse an seinem
Arm, ein anderer Anwalt hatte Blutergüsse an seinem Rücken und
ein blaues Auge. Die Anwälte legten einen ärztlichen Bericht
vor, der die Aussagen bestätigte. Unter diesen Bedingungen sei es
nicht möglich, eine solide Verteidigung aufzubauen, erklärte
Okcuoglu. Er werde jetzt mit seinen Kollegen die Situation überdenken
und dann entscheiden, ob sie sich von dem Fall zurückziehen. Der Prozeß
gegen Öcalan wegen Hochverrats soll am 31. Mai in einem Gerichtsgebäude
auf der Gefängnisinsel Imrali stattfinden. Der Staatsanwalt fordert
die Todesstrafe. Offizielle Vertreter internationaler Organisationen sollen
zu dem Verfahren nicht zugelassen werden.
Schlechte Karten für Kroatien
Der Europarat ist mit der Entwicklung
demokratischer Rechte und der Pressefreiheit in Kroatien unzufrieden. So
seien beim Wahlgesetz die Empfehlungen der Sachverständigen des Rates
völlig ignoriert worden. Dies gelte auch für die Ausarbeitung
eines Verfassungsgesetzes zur Absicherung der Menschenrechte und Grundfreiheiten
von nationalen und ethnischen Minderheiten. Ebenso sollen die Mängel
in der Rechtsprechung, bei der Verfahrensdauer und vor allem bei der richterlichen
Unabhängigkeit beseitigt werden.
Als völlig unakzeptabel wird
vom Europarat die Mediensituation in Kroatien beurteilt. Das Fernsehgesetz
wurde vom Parlament durchgepeitscht, ohne die Empfehlungen des Rates zu
berücksichtigen. Zudem versuche die Regierung, unliebsame Journalisten
mit Verleumdungsklagen einzuschüchtern. In einem Jahr soll die Entwicklung
erneut überprüft werden; hat sich bis dahin an der Situation
nichts geändert, droht Kroatien der Ausschluß aus dem Europarat.
Paris im Mai
Gleich drei größere Demonstrationen
fanden am diesjährigen 1. Mai in Paris statt. Am Vormittag maßen
die beiden neofaschistischen Führer Jean-Marie Le Pen und Bruno Mégret
ihre Kräfte. Gut 3 000 Teilnehmer bei Le Pen und knapp 4 000 bei Mégret:
Das war der Endstand. An beiden Demonstrationen nahmen Gruppen serbischer
Nationalisten sowie eine Abordnung der deutschen Republikaner teil. Am
späteren Nachmittag beteiligten sich rund 20 000 bis 25 000 Personen
der Linken und der Gewerkschaften an einer Demonstration, die u.a. von
den beiden großen Gewerkschaftsbünden, der KP-nahen CGT und
der sozialistischen CFDT getragen wurde. Eines der Hauptthemen dort war
die Opposition gegen die Nato-Angriffe auf Jugoslawien.
Biedermann und Brandstifter
Anfang vergangener Woche wurden
vier Brandstifter festgenommen, die in der Nacht vom 20. auf den 21. April
eine Gaststätte an der Küste der Mittelmeerinsel Korsika angezündet
hatten; einer der vier war so unvorsichtig gewesen, Material am Tatort
zu lassen, das seine sofortige Identifizierung erlaubte. Wer war's?
Überraschung! Drei der vier
Verdächtigen gehören einer Eliteeinheit der Polizei an, die auf
die Bekämpfung der korsischen Separatisten und deren enge Verbindung
mit der Mafia spezialisiert ist. Der vierte war ein richtig großer
Fisch: der Oberkommandierende der Gendarmerie auf Korsika. Diese Elitetruppe,
der GPS, war 1998 auf Wunsch des Vertreters der Zentralregierung, des Präfekten
Bernard Bonnet, auf Korsika gegründet worden - ohne jede gesetzliche
Grundlage, unter Ausschluß der Öffentlichkeit und durch eine
interne Anordnung der nationalen Gendarmerie-Führung. Auf eine Verwicklung
des Präfekten Bonnet deutet einiges hin.
Gute Aussicht für Andreotti
Aufregung bei Italiens einstigen
Christdemokraten (DC): Da hat einer der ihren vor 20 Jahren mal eben an
die Mafia den Auftrag gegeben, einen ärgerlichen Journalisten auf
mafiöse Weise beiseite zu schaffen, sprich zu ermorden, und schon
fordert die Staatsanwaltschaft eine lebenslängliche Haftstrafe für
Giulio Andreotti. Sämtliche DC-Nachfolge-Organisationen kritisierten
am vergangenen Wochenende diese Forderung der Anklage im Prozeß gegen
den ehemaligen Ministerpräsidenten sowie fünf weitere Angeklagte
vor dem Gericht in Rom. Sie sollen an der Ermordung des Journalisten Mino
Pecorelli 1979 beteiligt gewesen sein. Pecorelli hatte belastendes Material
gegen den DC-Politiker gesammelt.
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Der italienische Brillenhersteller
Luxottica hat ein Schnäppchen gemacht: Für 640 Millionen Dollar
hat er von der US-amerikanischen Bausch und Lomb Inc. die Sonnenbrillenkollektion
übernommen - dazu gehören die Marken Revo, Arnette und Killer
Loop, ebenso aber Ray-Ban. Die wurde seit Ende der sechziger Jahre zum
"weitbekannten Accessoire" (FAZ), nachdem sie auf Schauspielernasen aufgetaucht
war. In den Neunzigern wurde sie insbesondere auf Demonstrationen gesichtet
und avancierte zum bevorzugten Gegenstand polizeilicher Beschlagnahmeaktionen.
Vorwand der modebewußten Bullen war regelmäßig "Verstoß
gegen das Verdummungsgesetz".
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Die Nachrichten wurden
von Beier, Landgraf, Schmid und Vogel zusammengestellt
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