Frankreichs Kriegs-Gegner
Ni links ni rechts
Nationalismus als Rezept gegen Krieg
und Kriegspolitik - das ist ungefähr so sinnvoll wie der Versuch,
einen Brand mit Benzin zu löschen. Als Brandexperten dieses Schlags
erweisen sich dieser Tage Frankreichs Neofaschisten. Dabei wird Le Pen
("Ich bin für das nationalistische Serbien") an Schärfe von seinem
Ex-Chefideologen und aktuellen Rivalen Bruno Mégret noch übertroffen.
Am vergangenen Freitag trat Mégret vor einem Publikum von 500 Personen
auf - an der Rednertribüne prangte der Slogan "Clinton, touche pas
ˆ l'Europe" (Clinton, rühr Europa nicht an).
Auch die französischen Neofaschisten
drehen den öffentlichen Diskurs einfach um, ohne dessen Inhalt in
Frage zu stellen: Gilt Milosevic bei führenden (vor allem deutschen)
Politikern als "neuer Hitler", nehmen die Neofaschisten diese Geschichtsrelativierung
zum Anlaß, die westliche Propaganda gegen die serbische Repression
mit den "Gaskammerlügen" gleichzusetzen. So veröffentlichte die
rechtsextreme Wochenzeitung Minute eine Karikatur des Geschichtsrevisionisten
"Konk", die eine stilisierte Darstellung von Auschwitz als (offenkundig
fragwürdigen) "Beweis für Milosevics Verbrechen durch Satellitenfotos"
heranzieht.
Im Gegensatz zum Golf-Krieg 1991,
wo der Front National die einzige Rechtspartei war, die eine pro-irakische
Position vertrat, haben sich im Fall des Kosovo-Kriegs eine Reihe konservativ-nationaler
Gruppierungen gegen die Nato-Angriffe auf Serbien ausgesprochen. Ihre Hauptkritik
ist der Verlust nationaler Souveränität gegenüber den USA
und die "Preisgabe" Serbiens als traditionellem Verbündeten Frankreichs.
In Gestalt des ex-gaullistischen
früheren Innenministers Charles Pasqua sucht diese Rechtsopposition
derzeit demonstrativ den Schulterschluß mit linken Kritikern. Das
erklärt sich u.a. auch vor dem parteipolitischen Hintergrund: Pasqua
kandidiert mit einer eigenen Liste - die der nationalen "Souveränisten"
- zum Europaparlament und will als überparteilicher patriotischer
Einiger "jenseits von Links und Rechts" erscheinen und versucht, eine Brücke
ins Lager der linkspatriotischen USA-Kritiker und Maastricht-Gegner (rund
um Innenminister Chevènement, aber auch im Umfeld der KP) zu schlagen.
Innenpolitisch fragwürdig,
aber im Hinblick auf die neuen Bündnislinien der europäischen
Nachkriegsordnung bemerkenswert, ist in diesem Zusammenhang das von fünf
Persönlichkeiten unterzeichnete Papier, das sich in Le Monde vom 12./13.
April findet. Dort stehen in einer Reihe: Fran ç ois Morvan, Mitglied
der trotzkistischen LCR (deren Organisation sich von dem "Unterschriftenbündnis"
distanziert hat); Pierre Lévy, Deutschland-Korrespondent der KP-Tageszeitung
L'Humanité; Didier Motchane, Vizepräsident des MDC, der links-patriotischen
Partei von Innenminister Chevènement; und die beiden Pasqua nahestehenden
Paul-Marie Couteaux (Vorstandsmitglied von Pasquas Vereinigung Demain La
France) und Henri Guaino (der ehemalige "Generalkommissar für den
Plan", also Beauftragtrer für die staatliche Wirtschaftsplanung in
gaullistischer Tradition).
Der Text unter dem Titel: "Et la
France, dans tout cela?" kritisiert die Nato-Intervention sowie die EU-Politik
(und namentlich die deutsche) und spiegelt sowohl eine "linke" wie auch
eine "rechte" Kritik an den aktuell dominierenden Erscheinungsformen des
Imperialismus wider.
|