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21. April 1999 Jungle World

Feuilleton Nachrichten

Forelle blau

"Martin Valdzer condemns the aggression and campaign of lies

Bon, 15th April (Tanjug) - German writer Martin Valdzer condemned today the criminal aggression of NATO on Yugoslavia and particulary crazed campaign of lies in German media. '(...) Consumers of information are not given any space for their personal conclusions', said Valzer in today's 'Manhaimer morgen' from Manhaim. (...) Simultaneously he took the Austrian poet Peter Handke in his protection. As a sign of his protest against NATO aggression on Serbia, Handke returned to the Academy in Darmschtat the literary prise he got in 1973. 'It is unbelievable what media do with Handke. They disqualify him in every respect - moral, political, professional', said Martin Valzer."

http://www.serbia-info.com/news

Handke I

Peter Handke hat überwiesen. Ohne weitere Erklärungen hat der inzwischen aus Belgrad zurückgekehrte Autor das Preisgeld für die ihm 1973 verliehene Auszeichnung an die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung zurückgegeben. Die Akademie, die den Büchner-Preis vergibt, habe von der Überweisung erst durch einen Kontoauszug erfahren, sagte Akademiepräsident Christian Meier.

Handke II

Handke wiederum erfuhr erst aus Zeitungsberichten, daß er zum serbischen Ritter geschlagen wurde. In einem Brief an die Süddeutsche Zeitung, die die Meldung u.a. verbreitete, auf die auch Jungle World hereingefallen ist, schreibt Handke, die Erhebung in den Ritterstand "muß mir wohl im Schlaf passiert sein, im Sirenenklang; mitbekommen habe ich es erst durch Ihre und andere deutsche Zeitungen". Ziemlich entstellt fand Handke auch seine Belgrader Äußerung, "Ich bin hier, um das Land zu spüren", in der deutschen Presse wieder, wo es, frei übersetzt, hieß, Handke halte sich in Jugoslawien auf, um "das Aroma des Krieges" zu riechen.

Doch kein Schnäppchen

Wie bringt man eigentlich seine Freundin in Hollywood unter? Ruft man einfach an und fragt: "Hallo, haben Sie vielleicht noch einen Platz frei für meine Freundin"? Meldet man sie direkt für einen Casting-Termin an? Oder gibt man besser eine Anzeige auf: Suche für meine Freundin dringend Job in Hollywood, Englisch-Kenntnisse vorhanden? Seit vergangener Woche wissen wir: So einfach ist das nicht. 

Obwohl der angehende PR-Spezialist Thomas Gericke sogar bereit war, dafür zu bezahlen, daß seine Lebensgefährtin Susan Stahnke die Rolle der Karin Göring in der Hollywood-Produktion "The Populist" spielt, hat er es nicht geschafft, sie vom Hamburger Tagesschaustudio ins ganz große Kino zu katapultieren. Das Klatschblatt Gala, in dem Stahnke vor einigen Wochen zum ersten Mal über ihre Hollywood-Pläne berichtete, enthüllte nun die "dunklen Kapitel ihrer Erfolgsgeschichte". Als Karriereanschubhilfe, so recherchierte das Blatt, habe Thomas Gericke versprochen, für die Hälfte des gesamten Produktionsbudgets aufzukommen, und sich verpflichtet, bis Ende März die erste Rate von 150 000 Dollar zu überweisen. Da die Summe bislang nicht gezahlt wurde, erübrigte sich die Mitwirkung Stahnkes an der Produktion. Um den Rest kümmern sich inzwischen die Anwälte.

Nach der Show zum Anwalt

"Arabella", "Hans Meiser" und "Vera am Mittag" sind weiterhin ein großes Ärgernis, das sich allmählich zu einem innenpolitischen Problem auswächst: Vergangene Woche setzten sich die Ministerpräsidenten zu einem Talkshow-Gipfel zusammen, um über die Verlegung von Pöbelrunden ins Abendprogramm zu beraten. Ebenfalls vergangene Woche wurde im Wuppertaler Von der Heydt Museum die Ausstellung "TALK.SHOW"( bis 24. Mai) eröffnet. Nicht weniger pessimistisch als der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck und seine Amtskollegen beurteilen die 21 Künstler aus den USA, England, Deutschland und der Schweiz die mediale Gesprächskultur. Mike Kelley setzt in "Dialogue #1" zwei abgegriffene Stofftiere auf eine rote Decke und spielt dazu aus einem Cassettenrecorder Schimpftiraden ein. Die Installation thematisiert, was nach Ansicht der Politiker das vordringliche Problem ist: die Beschallung des minderjährigen Publikums mit Obszönitäten. 

Widerstand gegen die Gepflogenheiten der Talkrunden regt sich inzwischen unter den Talkgästen selbst. Nach Recherchen des Magazins "Panorama" werden diese häufig in die Sendungen geladen, ohne daß sie vorher über deren genauen Ablauf und das Thema in Kenntnis gesetzt werden. Die Zahl derer, die nach der Sendung schnurstracks einen Anwalt oder Psychologen aufsuchen, wächst. 

Auch in den USA ist das quotenträchtige Format längst keine Geschmacksfrage mehr. Im Bundesstaat Michigan steht derzeit die Moderatorin Jenny Jones vor einem Gericht, das zu klären hat, ob die Talkmasterin den Tod eines Gastes mitverschuldet hat. Drei Tage, nachdem Talkgast Scott Amedure seinem Arbeitskollegen Jonathan Schmitz vor laufender Kamera gestand, seit vielen Jahren in ihn verliebt zu sein, erschoß Schmitz seinen Verehrer, weil er sich vor einem Millionenpublikum "bloßgestellt gefühlt" habe. Der Anwalt der Familie des Opfers, Jack Kevorkian, argumentiert, daß der "Homosexuellenhaß eines Geisteskranken für die Sensationslüsternheit einer Show-Firma mißbraucht" worden sei. 

Bündnis der guten Laune

Rausgekommen ist nichts, aber die Stimmung war dufte. Ungefähr so faßten die Teilnehmer das Ergebnis der ersten Runde des von Kulturstaatsminister Michael Naumann initiierten Bündnisses für den Film zusammen. "Aufbruchstimmung" spürte zum Beispiel Regisseur Volker Schlöndorff, der sich in Potsdam-Babelsberg, wo die Runde tagte, wie in einem "Miniparlament" gefühlt hat. Anders als beim Bündnis für Arbeit, wo lediglich dessen Initiator, Bundeskanzler Gerhard Schröder, bei bester Laune ist, scheint das Filmbündnis, das durch die "unglaubliche Zuneigung zu dem Produkt" (Naumann) zusammengehalten wird, nicht nur den Minister in Hochstimmung zu versetzen. Daß die Künstler, Produzenten, Verleiher und Fernsehchefs, die sich erstmal in verschiedene Arbeitsgruppen zurückgezogen haben, auf ihrem nächsten Treffen im Herbst in den Räumen der Münchner Bavaria, nur noch kichernd herumlaufen werden, hält Alexander Isadi von RTL allerdings für übertrieben. Für ihn ist das Bündnis nur dann erfolgreich, sagte er gegenüber der FAZ, wenn "alle auf dem Weg zur Bank wenigstens ein bißchen grinsen können".

  •  Die Nachrichten wurden von Heike Runge zusammengestellt
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