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International Nachrichten
Kommissionsverhandlungen
zum Irak
Viel zu tun für die Uno gibt
es auch wieder im Irak. Vergangene Woche feuerten US-amerikanische und
britische Kampfflugzeuge nach irakischen Angaben sechzehn Raketen auf zwei
Ziele in der Flugverbotszone im Südirak. Auch in der Woche zuvor waren
zwei Angriffe gegen Radaranlagen und Flugzeug-Abwehrstellungen geflogen
worden. Großbritannien und die Niederlande haben nun vorgeschlagen,
anstelle der im Irak unbeliebten Unscom eine "Kommission zur Untersuchung,
Inspektion und Überwachung" mit dem unaussprechlichen Namen Unciim
ins Leben zu rufen. Der Sicherheitsrat der UN hat den Vorschlag übernommen.
Die Sanktionen gegen den Irak sollen nach diesem Konzept bis zum Ende der
Überprüfungen bestehen bleiben. Rußland dagegen verlangt
ihre Aufhebung, sobald ein "verstärktes" Überwachungssystem bestehe.
Beide Vorschläge scheinen sich
mit der irakischen Sicht der Dinge kaum zu decken: Die irakische Regierung
hat erklärt, sie werde nicht mit Gremien zusammenarbeiten, an deren
Zustandekommen sie nicht beteiligt worden ist. Die irakische Regierungszeitung
Al Thaura ist sogar der Meinung, der Irak habe alle für eine Aufhebung
der Sanktionen gesetzten Bedingungen bereits erfüllt. Solange der
Boykott nicht aufgehoben werde, sei keine positive Reaktion auf die Vorschläge
des UN-Sicherheitsrats zu erwarten.
Fusionsverhandlungen in den USA
Erpressung gelungen. Seit Ende letzter
Woche ist klar, daß die US-Regierung die geplante Fusion der Deutschen
Bank mit dem US-Investmenthaus Bankers Trust nicht verhindern wird. Im
Gegenteil: Der stellvertretende US-Außenminister Stuart Eizenstat
empfahl am Donnerstag allen Städten und Bundesstaaten der USA, die
Fusion trotz der eingereichten Entschädigungsklagen von NS-Opfern
gegen die Deutsche Bank nicht zu blockieren. Die Initiative der deutschen
Regierung, einen Entschädigungsfonds einzurichten, der von zwölf
deutschen Konzernen getragen wird, sei zu begrüßen. Selbst wohlgemeinter
Druck könne diese Bemühungen gefährden, erklärte Eizenstat.
Er ging allerdings nicht darauf ein, daß die deutschen Unternehmen
für die Auszahlung von Fondsgeldern noch immer auf einer Bedingung
beharren: Sie verlangen Rechtssicherheit gegen weitere Klagen.
Auch Rolf-Ernst Breuer, Vorstandssprecher
der Deutschen Bank, fordert diese Zusicherung. Doch weiß er, daß
es "absolute Rechtssicherheit" nicht geben kann: "Individuelle Schadensersatzklagen
kann man nicht durch völkerrechtliche Vereinbarungen ausschließen",
äußerte er am Wochenende. Anderen deutschen Unternehmen hingegen
ist eine gelungene Erpressung noch nicht genug, sie bestehen auf definitiven
rechtlichen Zusagen. Ihre Chancen stehen nicht schlecht: Völkerrecht
ist schließlich Gewohnheitsrecht.
Koalitionsverhandlungen in Afghanistan
Nun ist er hin, der schöne
Uno-Plan vom März dieses Jahres: Gemeinsam sollten sie Afghanistan
regieren, die Taliban (Koranschüler), zusammen mit ihren Todfeinden,
der sogenannten Nordallianz. Doch noch vor den ersten Koalitionsgesprächen
wurde schon wieder geschossen. Klar, sagten beide Seiten, das muß
so sein, war ja schon immer so und hat folglich nichts zu sagen. Im April,
und das sei entscheidend, müsse dann ernsthaft verhandelt werden,
mit Gefangenenaustausch, Ressortaufteilung und allem Drum und Dran. Am
vergangenen Freitag haben nun die Taliban eine Großoffensive mit
Artillerie und Luftwaffe gegen die Nordallianz gestartet, wie die pakistanische
Nachrichtenagentur AIP am Wochenende meldete.
Personalverhandlungen bei der
WTO
Eine Woche vor dem Ausscheiden des
Generalsekretärs der Welthandelsorganisation WTO, Renato Ruggiero,
ist ein Nachfolger immer noch nicht in Sicht - dafür aber eine Führungskrise.
Auch in der vergangenen Woche konnte sich der WTO-Rat in Genf auf keinen
Kandidaten einigen. Während hauptsächlich die sogenannten Entwicklungsländer
den stellvertretenden Premierminister Thailands, Supachai Panitchpakdi,
unterstützen, favorisieren die Staaten des Nordens - allen voran die
USA und Deutschland - den ehemaligen neuseeländischen Ministerpräsidenten
Michael Moore. Dabei wäre die Nominierung Moores schon eine kleine
Sensation: Bisher kamen die WTO-Chefs stets aus einem europäischen
Industriestaat. Daß nun ein Wunschkandidat des Südens auf den
einflußreichen Posten gehievt wird, ist ziemlich unwahrscheinlich.
So weit geht die Liebe zu den ehemaligen Kolonien dann doch nicht.
Gerichtsverhandlung in Malaysia
"Hängt die Richter, hängt
die Anwälte" war einst ein beliebter Spruch von Malaysias Ministerspräsident
Mahathir Mohammed. Doch "Dr. M." - wie ihn seine Anhänger liebevoll
nennen - scheint während seiner 18jährigen Amtszeit pragmatischer
geworden zu sein. Denn ein Richterspruch sorgte dafür, daß der
stellvertretende Regierungschef und Finanzminister Anwar Ibrahim, für
sechs Jahre von der politischen Bühne verschwindet. In der malaysischen
Hauptstadt Kuala Lumpur verurteilte ein Gericht Anwar vergangene Woche
wegen Amtsmißbrauch: Anwar habe in polizeiliche Ermittlungen gegen
ihn eingegriffen und Druck auf Zeugen ausgeübt. Ursprünglich
war er wegen "unnatürlicher Sexualpraktiken", insbesondere wegen Geschlechtsverkehr
mit seinem Chauffeur, angeklagt worden. Doch auf der alten Matratze, die
während Wochen im Gerichtssaal als wichtigstes Beweismittel ausgestellt
war, konnten sogenannte Experten keine Spermaspuren Anwars finden. Nachdem
sich vor Gericht auch noch herausstellte, daß die meisten Zeugenaussagen
unter Drohungen und Folter durch die Polizei zustande gekommen waren, zog
sich die Anklage auf den Vorwurf des Amtsmißbrauchs zurück.
Anwar, der bei seiner Festnahme
im Herbst letzten Jahres vom inzwischen zurückgetretenen Polizeichef
Abdul Rahim Noor bewußtlos geprügelt wurde, sieht sich als Opfer
einer Verschwörung von Ministerpräsident Mahathir. Er war über
lange Zeit als möglicher Nachfolger von Mahathir gehandelt worden
und setzte sich, als die Wirtschaftskrise auch in Malaysia ausbrach, an
die Spitze der Oppositionsbewegung.
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Die Nachrichten wurden
von Graf, Rother und Weber zusammengestellt
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