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Die PDS und der Krieg
Der gute Osten
Während 68 Prozent der Westdeutschen
das Bombardement gegen Jugoslawien befürworten, lehnen die Ossis den
Krieg in der Mehrheit ab. Doch die Kriegsgegner haben durchaus unterschiedliche
Motive. Da ist die Angst um "unsere Jungs", da ist eine Zuneigung zum serbischen
Nationalismus, und auch die Neonazis sind gegen den Krieg.
Erleben wir eine neue Variante von
latentem Panslawismus? Jedenfalls fällt der offiziellen Vertretung
der Ostdeutschen, der PDS, die Distanzierung zu Milosevic auffallend schwer.
Wenn es gegen die Nato, also den Westen geht, werden alte Brudervolksmythen
hochgespült. Auf PDS-Veranstaltungen wird die besondere Niedertracht
der USA schon einmal damit bewiesen, daß sie ja schließlich
Israel nicht bombardiert hätten, als dort die Palästinenser vertrieben
worden seien. Der gute Osten sammelt sich gegen Clinton und seine Vasallen
in Bonn. Antiwestlicher Antiimperialismus und Antizionismus der alten Schule.
Auch bei der PDS ist nicht ausschließlich gesunder Menschenverstand
und Pazifismus die Grundlage der Anti-Kriegshaltung.
Trotzdem muß man feststellen,
daß sich die PDS gegen die herrschende Kriegstreiberei wacker hält.
Auch der Dreck, der von Bild und taz, von Scharping bis Schäuble die
PDS und seit dessen Belgrad-Reise über Gregor Gysi ausgeschüttet
wird, hat nicht zu einem Einknicken geführt. Mit ihrem endgültigen
Abschied aus der Linken verschaffen SPD und Grüne der PDS reichlich
Platz, um sich zu profilieren.
Doch bei jedem Rechtsruck entsteht
Platz zunächst nicht links, sondern in der Mitte. Und so wird auch
die PDS den Krieg nicht unbeschadet überstehen. Am Ende wird die Ostpartei
ihre pazifistische Position, die auch die Ablehnung von Blauhelm-Einsätzen
der Uno einschließt, aufgeben. Der Fünf-Punkte-Plan, den Bisky
und Gysi vorgelegt haben, läuft darauf hinaus, die Nachkriegsordnung
von der Uno regeln zu lassen. Und auch die Wahlprogramm-Forderung "offene
Grenzen für alle Menschen in Not" ist bereits in Frage gestellt. In
einem Entschließungsantrag der PDS-Bundestagsfraktion hieß
es zunächst nur, das deutsche Aufnahmekontingent für albanische
Flüchtlinge von derzeit 10 000 müsse erhöht werden. Erst
nach langer, kontroverser Debatte in der Fraktionssitzung wurde die Stelle
im Sinne des Parteiprogramms überarbeitet. Die Forderung "offene Grenzen"
war in der PDS noch nie mehrheitsfähig. Damit sind schließlich
auch keine Stimmen zu gewinnen. Der PDS vorzuwerfen, daß sie derzeit
wegen ihrer entschlossenen Haltung gegen den Krieg einigen Zulauf zu verzeichnen
hat, ist jedoch perfide.
Dennoch sollte man nicht vergessen,
daß die PDS in Schwerin nach wie vor mit der Kriegspartei SPD zusammen
regiert. Und daß sie - egal nach welcher Wahl - auch nur einmal die
Hand der SPD ausschlagen würde, das glaubt doch wohl niemand.
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