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Zivildienst in Flecktarn
Auf die Serben sind sie wütend,
von den Ostermärschen in Deutschland genervt. Überzeugt vom humanitären
Sinn ihre Einsatzes verrichten deutsche Soldaten in Mazedonien ihren Dienst.
Heike Kleffner berichtet aus Tetovo
Tetovo, 25 Kilometer vom Grenzübergang
zum Kosovo, eine Dreiviertelstunde Autofahrt nördlich der mazedonischen
Großstadt Skopje, Fast-Grenzstadt mit 40 000 Einwohnern - zumindest
bis vor kurzem. Wieviele Flüchtlinge jetzt hier leben, kann niemand
genau sagen. Die meisten von ihnen sind bei albanischen Familien untergekommen.
Ein Mann erzählt, daß er mit 18 Menschen in der Zwei-Zimmer-Wohnung
einer albanischen Familie lebt.
Hinter der Stadt beginnen die Berge,
und irgendwo dort verläuft die Grenze. Dazwischen ein paar Dörfer,
Rauch steigt auf, es kann ein Schornstein, ein Feuer oder ein brennender
Schuppen sein - von hier aus läßt sich das, was sich in den
Bergen abspielt, auch bei klarem Himmel nur undeutlich erkennen. Die Menschen
in der Stadt kümmern sich ohnehin nicht darum.
Auf dem Markt am Stadtrand von Tetovo
ist von kriegsbedingter Lebensmittelknappheit keine Spur. Nur die Preisschilder
zeugen von der veränderten Situation. Rund 35 Dinar kostet ein Kilo
Äpfel, das sind etwas mehr als eine Mark. Ein Lehrer verdient in Mazedonien
knapp 300 Dinar im Monat, ein Universitätsprofessor etwas mehr als
400. Rund 1 000 Dinar braucht eine vierköpfige Familie, um Miete zahlen
zu können und einigermaßen über die Runden zu kommen, schätzt
Adem, der Übersetzer und Fahrer.
Innerhalb eines Monats sei die Inflation
rapide angestiegen - während man zu Monatsbeginn für eine Mark
noch 32 Dinar erhielt, sind es jetzt im staatlichen Umtausch 33 und auf
dem Schwarzmarkt auch schon mal 35. Ein paar Straßen weiter mitten
im Stadtzentrum von Tetovo treffen sich die Jugendlichen nach Schulschluß
auf den Bänken im kleinen Park neben der Moschee oder abends beim
Flanieren auf den Hauptstraßen. Man sitzt auf dem im Stil der realsozialistischen
Monumentalarchitektur planierten Platz, der von Kaffeehäusern, Restaurants,
Fast-Food- und Dönerläden umgeben ist.
Mitten in Tetovo teilt sich die
Hauptstraße. Lange Autoschlangen, dazwischen Motorroller; klapprige
Taxis und hin und wieder ein Pferdekarren schieben sich vorsichtig an die
Kreuzung heran. Nach links geht ein staubiger unbeschilderter Weg voller
Schlaglöcher ab. Nur der ständige Strom von Bundeswehrlastwagen
und olivgrünen Jeeps mit dem Y-Nummernschild deutet auf das größte
deutsche Truppenkontingent in Mazedonien hin.
Die bis vor einem Monat noch von
mazedonischen Infanterieeinheiten genutzte Kaserne beherbergt seit Anfang
März die von 200 auf 1 500 Soldaten angewachsene Bundeswehreinheit.
Deren Auftrag lautete zunächst, die Nato-Extraction-Forces zu unterstützen
- Militärjargon für die schnelle Eingreiftruppe, die die 1 300
OSZE-Beobachter im Kosovo im Fall von Festnahmen durch die serbischen Behörden
durch "Kampfeinsätze" hätte schützen "und da rausholen sollen",
wie es Wolfgang Strohler, Hauptmann und Kompaniechef des 571. Gebirgsjägerbataillons
aus Schneeberg salopp formuliert.
Jetzt habe sich dieser Auftrag natürlich
erledigt, sagt Strohler, der seit 1978 bei der Bundeswehr ist, und fügt
hinzu: "Wir sind hier, nicht um zu kämpfen, sondern um andere am Kämpfen
zu hindern." Das Wort "Krieg" nimmt hier niemand in den Mund. Der Auftrag
der Bundeswehr laute "Peace Keeping und Peace Enforcement", sagt Presseinformationsoffizier
Helmut Wetzel routiniert. Ein Bestandteil dieses Auftrags seien natürlich
auch Kampfeinsätze, durchgeführt im vollen "Vertrauen darauf,
daß die Politiker uns nicht leichtfertig in einen solchen Einsatz
schicken".
Keiner der hier stationierten Offiziere
hält die Bundeswehr-Beteiligung an den Nato-Angriffen auf Jugoslawien
für einen neuen Schritt oder zweifelt gar an deren Verfassungskonformität.
"Der Einsatz hier ist für uns kein Quantensprung", sagt Wetzel und
versucht, seine Verwunderung über die Frage zu verbergen. "Ich glaube,
daß die Bundeswehr durch die Auslandseinsätze in Bosnien, Kroation
und Somalia erheblich an Professionalität gewonnen und ihren Platz
innerhalb des Bündnisses gefestigt hat. Wir können nicht immer
nur die anderen die heißen Kartoffeln aus dem Feuer holen lassen,
ohne uns zu beteiligen."
Kompaniechef Strohler räumt
zwar ein, daß die erste Reaktion auf die Nato-Bombenabwürfe
über Jugoslawien "Betroffenheit" gewesen sei, doch dann sei es vor
allem darum gegangen, die Ängste seiner Jungs zu zerstreuen. Obwohl,
Angst sei eigentlich auch das falsche Wort, korrigiert Strohler schnell.
Vielmehr gehe es darum, daß sich keiner der Soldaten vorstellen könne,
was noch alles auf sie zukommt.
Strohlers Rezept zur Beruhigung
unsicherer Kandidaten, die von der Kaserne aus die startenden Nato-Flugzeuge
und auch mal "serbische Stellungen in den Bergen" beobachten können,
lautet: "Sicherheit im Handeln schaffen" - durch Beschäftigung jeder
Art: Sport, Schießübungen und seit knapp zwei Wochen durch die
Betreuung des Flüchtlingslagers in Neprostino, einem kleinen Dorf
fünf Kilometer außerhalb von Tetovo. Auch wenn niemand gerne
darüber redet, das Wort Sicherheit wird hier großgeschrieben.
Der Eingang der Kaserne ist von Nato-Draht umzäunt, die Einlaßkontrollen
am Tor verstecken sich in einer Baracke unter meterhoch aufgetürmten
grauen Sandsäcken und grün-braun gefleckten Tarnnetzen, und jedes
ein- und ausfahrende Fahrzeug wird von schwerbewaffneten Bundeswehrsoldaten
inspiziert.
Die deutschen Soldaten haben Ausgangssperre,
und bei Verlassen der Kaserne gilt der strikte Befehl, die Waffen immer
"am Mann" zu tragen. Und seit der Gefangennahme von drei US-amerikanischen
GIs sollen bei Patrouillenfahrten an der Grenze die Bundeswehrfahrzeuge
nie unbegleitet unterwegs sein sowie einen Sicherheitsabstand von fünf
Kilometern zur Grenze halten.
Doch es sind nicht nur die serbischen
Boden-Boden-Rakten "Frog" aus sowjetischer Produktion oder mögliche
Sabotageeinheiten, die die Bundeswehrführung beunruhigen. Auch wenn
in Tetovo die Albaner in der Mehrheit sind, kommt es immer wieder vor,
daß Fahrzeuge der Bundeswehr und anderer Nato-Truppen mit Steinen
beworfen und Soldaten angespuckt werden. Auch die von Unbekannten mit schwarzer
Sprühfarbe übermalten Straßenschilder in lateinischer Schrift
rings um Tetovo zeugen von der tief gespaltenen öffentlichen Meinung
zur Anwesenheit der Nato in Mazedonien.
"Für mich sind das Besatzungstruppen",
sagt ein Taxifahrer serbischer Herkunft wütend und weiß, daß
nicht nur die meisten der 40 000 in Mazedonien lebenden Serben der gleichen
Meinung sind.
Thema Nummer eins für alle
- vom einfachen Zeitsoldaten bis hin zu den Führungsoffizieren - sind
immer wieder die Spekulationen um den Einsatz von Bodentruppen. Dann wäre
es vorbei mit dem "humanitären Einsatz" für die 1 500 deutschen
Soldaten, und der Gedanke an das Überqueren jener nahen, fast idyllisch
wirkenden Berge in Sichtweite sorgt bei vielen für schlaflose Nächte.
Einige, wie z.B. Torsten* aus dem
Gebirgsjägerbataillon von Hauptmann Strohler, trösten sich damit,
daß "die Bundeswehrsoldaten die letzten sein werden, die, ganz hinten,
nach allen anderen Nato-Ländern, einmarschieren werden". Andere, wie
Presseinformationsoffizier Helmut Wetzel, verweisen auf den fehlenden Beschluß
des Bundestages für einen solchen Einsatz und vertrauen auf die "Vernunft"
der Politikerentscheidungen. Aber, so Torsten: "Wenn der Befehl kommt,
sind wir dabei. Das ist doch die Grundlage unseres Jobs." Erstmal ist Torsten
aber froh, daß er im Flüchtlingslager Neprostino nur Hühnerfrikassee
und Schokoladenriegel austeilen muß, rote Dixie-Klos aufbaut und
Schlafsäcke verteilt. "Der Einsatz im Flüchtlingslager ist wirklich
sinnvoll", sagt der 24jährige Zeitsoldat aus einer sächsischen
Kleinstadt, und seine Kameraden aus dem Gebirgsjägerbataillon nicken
zustimmend.
Vorher hätten sie sich gefragt,
was sie überhaupt in Mazedonien sollen, "und die Motivation hielt
sich sehr in Grenzen, auch wenn die Offiziere der Presse immer was anderes
erzählen". Doch "das Elend der Flüchtlinge geht einem ziemlich
nahe, da bekommt man eine richtige Wut auf die Serben". Die Frage, ob dieser
Angriffskrieg auf Jugoslawien unter Beteiligung deutscher Soldaten 55 Jahre
nach der Okkupation Jugoslawiens durch die Wehrmacht gerechtfertigt sei,
stößt auf Unverständnis.
Torsten, der erst als der Kreis
der Zuhörer sich aufgelöst hat, erzählt, daß er sich
die Wehrmachtsausstellung in Dresden angesehen hat, sie "total wichtig
fand" und den Besuch der Dokumentation gerne als Pflichtbestandteil des
Gesellschaftskundeunterrichts der Bundeswehr sehen würde, erkennt
da keinen historischen Zusammenhang. "Wir sind doch jetzt in der Nato und
hier, um Menschenrechte zu schützen."
Ein Presseoffizier erzählt
später vom Lob eines israelischen Journalisten, der nach einem Rundgang
durch das Flüchtlingslager anerkennend gesagt habe: "Ihr Deutschen
seid doch ganz anders als euer Ruf." Auch Torsten geht davon aus, daß
er irgendwann im Kosovo stehen wird, aber "nur, wenn es irgendeine Art
von Friedensabkommen gibt und wir dessen Einhaltung sichern sollen".
Das Wort "Friedenssicherung" kommt
bei den deutschen Soldaten wie aus der Dienstpistole geschossen, als Antwort
auf die immer gleichen Fragen der Presse. Ob auf Befehl der um das Image
besorgten Führungsetage oder aus Überzeugung, läßt
sich nicht mehr unterscheiden. Auf den schlechten Ruf des Schneeberger
Gebirgsjägerbataillons nach der Veröffentlichung neonazistischer
Videoaufnahmen angesprochen, bestätigt der junge Mann in der grün-braun
gefleckten Arbeitsuniform in Flecktarn, daß "es damals ziemlich schlimm
gewesen ist. Aber da wurde kräftig gesiebt. Und hier in Tetovo hört
man solche Sprüche überhaupt nicht." Schließlich sind die
hier eingesetzten Zeitsoldaten handverlesen. Auf den Ruf der Gebirgsjäger
will Torsten jetzt nichts mehr kommen lassen.
Nur einen Störenfried gibt
es in der Truppe: den ebenfalls in Tetovo stationierte Sohn einer der Mütter,
die den Appell "Mütter gegen den Krieg" initiierten. "Der soll doch
nach Hause gehen", sagt der 22jährige Kai im breitesten Sächsisch
und erntet den Beifall der anderen. "Wenn der noch nicht mal seine Mutter
richtig erziehen kann, dann hat er hier nichts verloren." Bilder von den
Ostermärschen in Deutschland haben sie alle nicht zu Gesicht bekommen,
aber "es nervt schon gewaltig, wenn man das Gefühl hat, die in der
Heimat stehen nicht hinter uns". Doch die Fernsehbilder von deutschen Soldaten,
die mit Flüchtlingskindern spielen, hätten einiges dazu beigetragen,
zumindestens die Angehörigen "vom Sinn und Zweck unseres Einsatzes"
zu überzeugen.
Dann steht Kai auf, um wieder zur
Schöpfkelle zu greifen und Essensrationen an die Flüchtlinge
auszuteilen. Ordentlich in langen Schlangen aufgereiht, von Dolmetschern
auf albanisch zur Geduld ermahnt, warten rund 3 500 Menschen morgens, mittags
und abends vor den mit weißen Planen überdachten langen Holztischen
auf ihre Rationen.
Auf ihren Gesichtern spiegelt sich
Müdigkeit und Erschöpfung. Nur wenn am Eingang des Flüchtlingslagers
Busse mit Neuankömmligen eintreffen, kommt Bewegung in die Zeltstadt.
Viele suchen nach Angehörigen, die Handys der Journalisten sind die
begehrte Möglichkeit, schnell und ohne die quälend langsamen
Umwege über das Rote Kreuz oder das UNHCR eine Verbindung zur Außenwelt
herzustellen.
Ein Anruf bei der Schwester in Freiburg
beruhigt eine weinende Lehrerin aus Pristina, daß ihre Eltern nicht
unter den Erschossenen aus einem kleinen Dorf im Norden des Kosovo sind.
Ein 30jähriger Mann nutzt die Gelegenheit, um seinen Bruder in Köln
anzurufen und mit ihm die Möglichkeiten zu besprechen, seine Kinder
nach Deutschland zu bringen."Ich selber will hier nicht weggehen", sagt
er, auch wenn seine Chancen für eine Aufnahme ins deutsche Flüchtlingskontingent
wegen der Familienangehörigen in Köln gut sind.
Die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr,
die die meisten Flüchtlinge hegen, scheint hier, in Sichtweite des
Kosovo, eben viel greifbarer als im weit entfernten Deutschland. Wie diese
Rückkehr aussehen soll, auch darüber herrscht bei vielen Flüchtlingen
Einigkeit. "Wir gehen mit den Nato-Soldaten zurück", sagt die 26jährige
Sandrina*, die bis vor wenigen Wochen an der Universität von Pristina
Argrarwissenschaften studiert hat. Und bis dahin müsse man die UCK
unterstützen. Sandrinas Bruder ist im Kosovo geblieben und hat sich
der UCK angeschlossen. "Freiwillig", wie sie betont.
Im Zelt nebenan haben Kinder aus
Abfallholz Gewehre, verziert mit dem Schriftzug der UCK, geschnitzt. Junge
Männer malen sich aus, wie sie von Mazedonien nach Albanien in die
Ausbildungslager der UCK kommen könnten, "um das, was die Serben uns
angetan haben, zu rächen".
Tomas* hat das schon hinter sich.
Der selbständige Fliesenleger ist mit dem Auto aus Cham in Bayern
nach Tetovo gefahren, um nach seinen Eltern zu suchen. Schon vor einigen
Wochen war er 14 Tage in einem UCK-Camp in der albanischen Grenzstadt Dures
und hat sich trainieren lassen. "Die Ausbilder kommen aus den USA und Deutschland,
vor allem aus Bayern", erzählt er. Genaueres will er dann aber doch
nicht sagen, nur, daß "die UCK Waffen aus aller Welt, aus den USA
und aus Deutschland erhält". Eine politische Lösung des Konflikts
hält er für ausgeschlossen.
Sandrina sagt, daß sie sich
nicht vorstellen kann, "jemals wieder mit Serben zusammenzuleben". Sie
berichtet, wie serbische Paramilitärs nachts in die Wohnung ihrer
Familie kamen, den Männern die Waffen an den Kopf hielten und, nachdem
sie alles vorhandene Geld genommen hatten, der Familie fünf Minuten
Zeit zum Packen ließen, bevor sie zum Bahnhof getrieben wurde.
Für sie gibt es keinen Zusammenhang
zwischen den Bomben der Nato auf Belgrad und ihrer Vertreibung. Im Gegenteil,
die Nato sei viel zu spät gekommen. Von Erschießungen haben
die zehn Flüchtlinge, die in Sandrinas Zelt leben, nur gerüchteweise
gehört. Das nächtliche Eindringen von maskierten Soldaten und
Paramilitärs und das tagelange Warten an der serbisch-mazedonischen
Grenze haben hier aber alle erlebt.
Im Sanitätszelt der Bundeswehr
werden diejenigen behandelt, deren Mißhandlungen offensichtlich sind
- Knochenbrüche und Hämatome sind die häufigsten Verletzungen,
sagen die Ärzte. Sandrina sind Schläge erspart geblieben, doch
seit ihrer Ankunft im Flüchtlingslager schreckt sie nachts bei jedem
Geräusch hoch und hat die immer gleichen Alpträume von vermummten
Soldaten. Sie will auf jeden Fall in Mazedonien bleiben, obwohl sie weiß,
"daß wir hier unerwünscht sind" und sie von Schikanen der mazedonischen
Polizei an der Grenze berichtet.
Die zumeist serbischen Polizisten
lassen es sich auch bei der Abreise der Kontingentflüchtlinge am Flughafen
in Skopje nicht nehmen, die Unerwünschten, die auf die Frage, ob sie
"happy" seien, Mazedonien zu verlassen, nur stumm den Kopf schütteln,
zu demütigen. Mit Plastikhandschuhen und Mundschutz scheuchen sie
die Flüchtlinge aufs Rollfeld zu den wartenden Flugzeugen.
Einer, der den Abflug der Flüchtlinge
überwacht, ist Stéphane* aus Frankreich. Bis vor kurzem gehörte
er zu den über eintausend Beobachtern der OSZE in Jugoslawien und
war im Norden, in der Kleinstadt Mitrovica. "Wir haben im Kosovo gut gearbeitet",
sagt er ruhig. "Die Leute hatten mehr Vertrauen, solange wir da waren.
Aber in den letzten Wochen vor unserem Abzug änderte sich die Stimmung.
Wir konnten uns kaum noch bewegen, wurden von allen Seiten behindert. Die
Situation explodierte, weil die serbischen Behörden und die UCK sich
für eine Eskalation entschieden. Die UCK hat das alles mitgemacht.
Und daß die Behörden es sich nicht gefallen lassen, wenn auf
einmal überall Straßensperren der UCK auftauchen und sie das
Gebiet nicht mehr kontrollieren können, das ist doch logisch."
Und mit einem Blick auf die apathisch
in Bussen sitzenden Familien und nervös rauchenden Männer, die
darauf warten, daß die mazedonische Polizei ihnen die Erlaubnis zum
Aussteigen gibt: "Die Leute in den Dörfern und in den Kleinstädten
haben relativ reibungslos zusammengelebt. Für 80 Prozent der Bevölkerung
auf beiden Seiten gab es keine Probleme im Alltag." Stéphane sieht
eine der Ursachen des Konflikts im Nationalismus und in der strikten Trennung
von serbischer und albanischer Infrastruktur im Kosovo: "Das fängt
schon damit an, daß es in jedem Dorf zwei Schulen gibt, eine serbische
und eine albanische. Die Kinder werden getrennt erzogen, da wird die Basis
für eine Verständigung immer dünner, je älter sie werden.
Dieses getrennte System ist der Anfang vom Ende."
* Namen von der Redaktion geändert |