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14. April 1999 Jungle World

Zivildienst in Flecktarn

Auf die Serben sind sie wütend, von den Ostermärschen in Deutschland genervt. Überzeugt vom humanitären Sinn ihre Einsatzes verrichten deutsche Soldaten in Mazedonien ihren Dienst. Heike Kleffner berichtet aus Tetovo

Tetovo, 25 Kilometer vom Grenzübergang zum Kosovo, eine Dreiviertelstunde Autofahrt nördlich der mazedonischen Großstadt Skopje, Fast-Grenzstadt mit 40 000 Einwohnern - zumindest bis vor kurzem. Wieviele Flüchtlinge jetzt hier leben, kann niemand genau sagen. Die meisten von ihnen sind bei albanischen Familien untergekommen. Ein Mann erzählt, daß er mit 18 Menschen in der Zwei-Zimmer-Wohnung einer albanischen Familie lebt. 

Hinter der Stadt beginnen die Berge, und irgendwo dort verläuft die Grenze. Dazwischen ein paar Dörfer, Rauch steigt auf, es kann ein Schornstein, ein Feuer oder ein brennender Schuppen sein - von hier aus läßt sich das, was sich in den Bergen abspielt, auch bei klarem Himmel nur undeutlich erkennen. Die Menschen in der Stadt kümmern sich ohnehin nicht darum. 

Auf dem Markt am Stadtrand von Tetovo ist von kriegsbedingter Lebensmittelknappheit keine Spur. Nur die Preisschilder zeugen von der veränderten Situation. Rund 35 Dinar kostet ein Kilo Äpfel, das sind etwas mehr als eine Mark. Ein Lehrer verdient in Mazedonien knapp 300 Dinar im Monat, ein Universitätsprofessor etwas mehr als 400. Rund 1 000 Dinar braucht eine vierköpfige Familie, um Miete zahlen zu können und einigermaßen über die Runden zu kommen, schätzt Adem, der Übersetzer und Fahrer. 

Innerhalb eines Monats sei die Inflation rapide angestiegen - während man zu Monatsbeginn für eine Mark noch 32 Dinar erhielt, sind es jetzt im staatlichen Umtausch 33 und auf dem Schwarzmarkt auch schon mal 35. Ein paar Straßen weiter mitten im Stadtzentrum von Tetovo treffen sich die Jugendlichen nach Schulschluß auf den Bänken im kleinen Park neben der Moschee oder abends beim Flanieren auf den Hauptstraßen. Man sitzt auf dem im Stil der realsozialistischen Monumentalarchitektur planierten Platz, der von Kaffeehäusern, Restaurants, Fast-Food- und Dönerläden umgeben ist.

Mitten in Tetovo teilt sich die Hauptstraße. Lange Autoschlangen, dazwischen Motorroller; klapprige Taxis und hin und wieder ein Pferdekarren schieben sich vorsichtig an die Kreuzung heran. Nach links geht ein staubiger unbeschilderter Weg voller Schlaglöcher ab. Nur der ständige Strom von Bundeswehrlastwagen und olivgrünen Jeeps mit dem Y-Nummernschild deutet auf das größte deutsche Truppenkontingent in Mazedonien hin.

Die bis vor einem Monat noch von mazedonischen Infanterieeinheiten genutzte Kaserne beherbergt seit Anfang März die von 200 auf 1 500 Soldaten angewachsene Bundeswehreinheit. Deren Auftrag lautete zunächst, die Nato-Extraction-Forces zu unterstützen - Militärjargon für die schnelle Eingreiftruppe, die die 1 300 OSZE-Beobachter im Kosovo im Fall von Festnahmen durch die serbischen Behörden durch "Kampfeinsätze" hätte schützen "und da rausholen sollen", wie es Wolfgang Strohler, Hauptmann und Kompaniechef des 571. Gebirgsjägerbataillons aus Schneeberg salopp formuliert. 

Jetzt habe sich dieser Auftrag natürlich erledigt, sagt Strohler, der seit 1978 bei der Bundeswehr ist, und fügt hinzu: "Wir sind hier, nicht um zu kämpfen, sondern um andere am Kämpfen zu hindern." Das Wort "Krieg" nimmt hier niemand in den Mund. Der Auftrag der Bundeswehr laute "Peace Keeping und Peace Enforcement", sagt Presseinformationsoffizier Helmut Wetzel routiniert. Ein Bestandteil dieses Auftrags seien natürlich auch Kampfeinsätze, durchgeführt im vollen "Vertrauen darauf, daß die Politiker uns nicht leichtfertig in einen solchen Einsatz schicken".

Keiner der hier stationierten Offiziere hält die Bundeswehr-Beteiligung an den Nato-Angriffen auf Jugoslawien für einen neuen Schritt oder zweifelt gar an deren Verfassungskonformität. "Der Einsatz hier ist für uns kein Quantensprung", sagt Wetzel und versucht, seine Verwunderung über die Frage zu verbergen. "Ich glaube, daß die Bundeswehr durch die Auslandseinsätze in Bosnien, Kroation und Somalia erheblich an Professionalität gewonnen und ihren Platz innerhalb des Bündnisses gefestigt hat. Wir können nicht immer nur die anderen die heißen Kartoffeln aus dem Feuer holen lassen, ohne uns zu beteiligen." 

Kompaniechef Strohler räumt zwar ein, daß die erste Reaktion auf die Nato-Bombenabwürfe über Jugoslawien "Betroffenheit" gewesen sei, doch dann sei es vor allem darum gegangen, die Ängste seiner Jungs zu zerstreuen. Obwohl, Angst sei eigentlich auch das falsche Wort, korrigiert Strohler schnell. Vielmehr gehe es darum, daß sich keiner der Soldaten vorstellen könne, was noch alles auf sie zukommt. 

Strohlers Rezept zur Beruhigung unsicherer Kandidaten, die von der Kaserne aus die startenden Nato-Flugzeuge und auch mal "serbische Stellungen in den Bergen" beobachten können, lautet: "Sicherheit im Handeln schaffen" - durch Beschäftigung jeder Art: Sport, Schießübungen und seit knapp zwei Wochen durch die Betreuung des Flüchtlingslagers in Neprostino, einem kleinen Dorf fünf Kilometer außerhalb von Tetovo. Auch wenn niemand gerne darüber redet, das Wort Sicherheit wird hier großgeschrieben. Der Eingang der Kaserne ist von Nato-Draht umzäunt, die Einlaßkontrollen am Tor verstecken sich in einer Baracke unter meterhoch aufgetürmten grauen Sandsäcken und grün-braun gefleckten Tarnnetzen, und jedes ein- und ausfahrende Fahrzeug wird von schwerbewaffneten Bundeswehrsoldaten inspiziert.

Die deutschen Soldaten haben Ausgangssperre, und bei Verlassen der Kaserne gilt der strikte Befehl, die Waffen immer "am Mann" zu tragen. Und seit der Gefangennahme von drei US-amerikanischen GIs sollen bei Patrouillenfahrten an der Grenze die Bundeswehrfahrzeuge nie unbegleitet unterwegs sein sowie einen Sicherheitsabstand von fünf Kilometern zur Grenze halten. 

Doch es sind nicht nur die serbischen Boden-Boden-Rakten "Frog" aus sowjetischer Produktion oder mögliche Sabotageeinheiten, die die Bundeswehrführung beunruhigen. Auch wenn in Tetovo die Albaner in der Mehrheit sind, kommt es immer wieder vor, daß Fahrzeuge der Bundeswehr und anderer Nato-Truppen mit Steinen beworfen und Soldaten angespuckt werden. Auch die von Unbekannten mit schwarzer Sprühfarbe übermalten Straßenschilder in lateinischer Schrift rings um Tetovo zeugen von der tief gespaltenen öffentlichen Meinung zur Anwesenheit der Nato in Mazedonien.

"Für mich sind das Besatzungstruppen", sagt ein Taxifahrer serbischer Herkunft wütend und weiß, daß nicht nur die meisten der 40 000 in Mazedonien lebenden Serben der gleichen Meinung sind.

Thema Nummer eins für alle - vom einfachen Zeitsoldaten bis hin zu den Führungsoffizieren - sind immer wieder die Spekulationen um den Einsatz von Bodentruppen. Dann wäre es vorbei mit dem "humanitären Einsatz" für die 1 500 deutschen Soldaten, und der Gedanke an das Überqueren jener nahen, fast idyllisch wirkenden Berge in Sichtweite sorgt bei vielen für schlaflose Nächte.

Einige, wie z.B. Torsten* aus dem Gebirgsjägerbataillon von Hauptmann Strohler, trösten sich damit, daß "die Bundeswehrsoldaten die letzten sein werden, die, ganz hinten, nach allen anderen Nato-Ländern, einmarschieren werden". Andere, wie Presseinformationsoffizier Helmut Wetzel, verweisen auf den fehlenden Beschluß des Bundestages für einen solchen Einsatz und vertrauen auf die "Vernunft" der Politikerentscheidungen. Aber, so Torsten: "Wenn der Befehl kommt, sind wir dabei. Das ist doch die Grundlage unseres Jobs." Erstmal ist Torsten aber froh, daß er im Flüchtlingslager Neprostino nur Hühnerfrikassee und Schokoladenriegel austeilen muß, rote Dixie-Klos aufbaut und Schlafsäcke verteilt. "Der Einsatz im Flüchtlingslager ist wirklich sinnvoll", sagt der 24jährige Zeitsoldat aus einer sächsischen Kleinstadt, und seine Kameraden aus dem Gebirgsjägerbataillon nicken zustimmend. 

Vorher hätten sie sich gefragt, was sie überhaupt in Mazedonien sollen, "und die Motivation hielt sich sehr in Grenzen, auch wenn die Offiziere der Presse immer was anderes erzählen". Doch "das Elend der Flüchtlinge geht einem ziemlich nahe, da bekommt man eine richtige Wut auf die Serben". Die Frage, ob dieser Angriffskrieg auf Jugoslawien unter Beteiligung deutscher Soldaten 55 Jahre nach der Okkupation Jugoslawiens durch die Wehrmacht gerechtfertigt sei, stößt auf Unverständnis.

Torsten, der erst als der Kreis der Zuhörer sich aufgelöst hat, erzählt, daß er sich die Wehrmachtsausstellung in Dresden angesehen hat, sie "total wichtig fand" und den Besuch der Dokumentation gerne als Pflichtbestandteil des Gesellschaftskundeunterrichts der Bundeswehr sehen würde, erkennt da keinen historischen Zusammenhang. "Wir sind doch jetzt in der Nato und hier, um Menschenrechte zu schützen."

Ein Presseoffizier erzählt später vom Lob eines israelischen Journalisten, der nach einem Rundgang durch das Flüchtlingslager anerkennend gesagt habe: "Ihr Deutschen seid doch ganz anders als euer Ruf." Auch Torsten geht davon aus, daß er irgendwann im Kosovo stehen wird, aber "nur, wenn es irgendeine Art von Friedensabkommen gibt und wir dessen Einhaltung sichern sollen".

Das Wort "Friedenssicherung" kommt bei den deutschen Soldaten wie aus der Dienstpistole geschossen, als Antwort auf die immer gleichen Fragen der Presse. Ob auf Befehl der um das Image besorgten Führungsetage oder aus Überzeugung, läßt sich nicht mehr unterscheiden. Auf den schlechten Ruf des Schneeberger Gebirgsjägerbataillons nach der Veröffentlichung neonazistischer Videoaufnahmen angesprochen, bestätigt der junge Mann in der grün-braun gefleckten Arbeitsuniform in Flecktarn, daß "es damals ziemlich schlimm gewesen ist. Aber da wurde kräftig gesiebt. Und hier in Tetovo hört man solche Sprüche überhaupt nicht." Schließlich sind die hier eingesetzten Zeitsoldaten handverlesen. Auf den Ruf der Gebirgsjäger will Torsten jetzt nichts mehr kommen lassen.

Nur einen Störenfried gibt es in der Truppe: den ebenfalls in Tetovo stationierte Sohn einer der Mütter, die den Appell "Mütter gegen den Krieg" initiierten. "Der soll doch nach Hause gehen", sagt der 22jährige Kai im breitesten Sächsisch und erntet den Beifall der anderen. "Wenn der noch nicht mal seine Mutter richtig erziehen kann, dann hat er hier nichts verloren." Bilder von den Ostermärschen in Deutschland haben sie alle nicht zu Gesicht bekommen, aber "es nervt schon gewaltig, wenn man das Gefühl hat, die in der Heimat stehen nicht hinter uns". Doch die Fernsehbilder von deutschen Soldaten, die mit Flüchtlingskindern spielen, hätten einiges dazu beigetragen, zumindestens die Angehörigen "vom Sinn und Zweck unseres Einsatzes" zu überzeugen.

Dann steht Kai auf, um wieder zur Schöpfkelle zu greifen und Essensrationen an die Flüchtlinge auszuteilen. Ordentlich in langen Schlangen aufgereiht, von Dolmetschern auf albanisch zur Geduld ermahnt, warten rund 3 500 Menschen morgens, mittags und abends vor den mit weißen Planen überdachten langen Holztischen auf ihre Rationen. 

Auf ihren Gesichtern spiegelt sich Müdigkeit und Erschöpfung. Nur wenn am Eingang des Flüchtlingslagers Busse mit Neuankömmligen eintreffen, kommt Bewegung in die Zeltstadt. Viele suchen nach Angehörigen, die Handys der Journalisten sind die begehrte Möglichkeit, schnell und ohne die quälend langsamen Umwege über das Rote Kreuz oder das UNHCR eine Verbindung zur Außenwelt herzustellen.

Ein Anruf bei der Schwester in Freiburg beruhigt eine weinende Lehrerin aus Pristina, daß ihre Eltern nicht unter den Erschossenen aus einem kleinen Dorf im Norden des Kosovo sind. Ein 30jähriger Mann nutzt die Gelegenheit, um seinen Bruder in Köln anzurufen und mit ihm die Möglichkeiten zu besprechen, seine Kinder nach Deutschland zu bringen."Ich selber will hier nicht weggehen", sagt er, auch wenn seine Chancen für eine Aufnahme ins deutsche Flüchtlingskontingent wegen der Familienangehörigen in Köln gut sind.

Die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr, die die meisten Flüchtlinge hegen, scheint hier, in Sichtweite des Kosovo, eben viel greifbarer als im weit entfernten Deutschland. Wie diese Rückkehr aussehen soll, auch darüber herrscht bei vielen Flüchtlingen Einigkeit. "Wir gehen mit den Nato-Soldaten zurück", sagt die 26jährige Sandrina*, die bis vor wenigen Wochen an der Universität von Pristina Argrarwissenschaften studiert hat. Und bis dahin müsse man die UCK unterstützen. Sandrinas Bruder ist im Kosovo geblieben und hat sich der UCK angeschlossen. "Freiwillig", wie sie betont.

Im Zelt nebenan haben Kinder aus Abfallholz Gewehre, verziert mit dem Schriftzug der UCK, geschnitzt. Junge Männer malen sich aus, wie sie von Mazedonien nach Albanien in die Ausbildungslager der UCK kommen könnten, "um das, was die Serben uns angetan haben, zu rächen".

Tomas* hat das schon hinter sich. Der selbständige Fliesenleger ist mit dem Auto aus Cham in Bayern nach Tetovo gefahren, um nach seinen Eltern zu suchen. Schon vor einigen Wochen war er 14 Tage in einem UCK-Camp in der albanischen Grenzstadt Dures und hat sich trainieren lassen. "Die Ausbilder kommen aus den USA und Deutschland, vor allem aus Bayern", erzählt er. Genaueres will er dann aber doch nicht sagen, nur, daß "die UCK Waffen aus aller Welt, aus den USA und aus Deutschland erhält". Eine politische Lösung des Konflikts hält er für ausgeschlossen. 

Sandrina sagt, daß sie sich nicht vorstellen kann, "jemals wieder mit Serben zusammenzuleben". Sie berichtet, wie serbische Paramilitärs nachts in die Wohnung ihrer Familie kamen, den Männern die Waffen an den Kopf hielten und, nachdem sie alles vorhandene Geld genommen hatten, der Familie fünf Minuten Zeit zum Packen ließen, bevor sie zum Bahnhof getrieben wurde.

Für sie gibt es keinen Zusammenhang zwischen den Bomben der Nato auf Belgrad und ihrer Vertreibung. Im Gegenteil, die Nato sei viel zu spät gekommen. Von Erschießungen haben die zehn Flüchtlinge, die in Sandrinas Zelt leben, nur gerüchteweise gehört. Das nächtliche Eindringen von maskierten Soldaten und Paramilitärs und das tagelange Warten an der serbisch-mazedonischen Grenze haben hier aber alle erlebt. 

Im Sanitätszelt der Bundeswehr werden diejenigen behandelt, deren Mißhandlungen offensichtlich sind - Knochenbrüche und Hämatome sind die häufigsten Verletzungen, sagen die Ärzte. Sandrina sind Schläge erspart geblieben, doch seit ihrer Ankunft im Flüchtlingslager schreckt sie nachts bei jedem Geräusch hoch und hat die immer gleichen Alpträume von vermummten Soldaten. Sie will auf jeden Fall in Mazedonien bleiben, obwohl sie weiß, "daß wir hier unerwünscht sind" und sie von Schikanen der mazedonischen Polizei an der Grenze berichtet.

Die zumeist serbischen Polizisten lassen es sich auch bei der Abreise der Kontingentflüchtlinge am Flughafen in Skopje nicht nehmen, die Unerwünschten, die auf die Frage, ob sie "happy" seien, Mazedonien zu verlassen, nur stumm den Kopf schütteln, zu demütigen. Mit Plastikhandschuhen und Mundschutz scheuchen sie die Flüchtlinge aufs Rollfeld zu den wartenden Flugzeugen.

Einer, der den Abflug der Flüchtlinge überwacht, ist Stéphane* aus Frankreich. Bis vor kurzem gehörte er zu den über eintausend Beobachtern der OSZE in Jugoslawien und war im Norden, in der Kleinstadt Mitrovica. "Wir haben im Kosovo gut gearbeitet", sagt er ruhig. "Die Leute hatten mehr Vertrauen, solange wir da waren. Aber in den letzten Wochen vor unserem Abzug änderte sich die Stimmung. Wir konnten uns kaum noch bewegen, wurden von allen Seiten behindert. Die Situation explodierte, weil die serbischen Behörden und die UCK sich für eine Eskalation entschieden. Die UCK hat das alles mitgemacht. Und daß die Behörden es sich nicht gefallen lassen, wenn auf einmal überall Straßensperren der UCK auftauchen und sie das Gebiet nicht mehr kontrollieren können, das ist doch logisch."

Und mit einem Blick auf die apathisch in Bussen sitzenden Familien und nervös rauchenden Männer, die darauf warten, daß die mazedonische Polizei ihnen die Erlaubnis zum Aussteigen gibt: "Die Leute in den Dörfern und in den Kleinstädten haben relativ reibungslos zusammengelebt. Für 80 Prozent der Bevölkerung auf beiden Seiten gab es keine Probleme im Alltag." Stéphane sieht eine der Ursachen des Konflikts im Nationalismus und in der strikten Trennung von serbischer und albanischer Infrastruktur im Kosovo: "Das fängt schon damit an, daß es in jedem Dorf zwei Schulen gibt, eine serbische und eine albanische. Die Kinder werden getrennt erzogen, da wird die Basis für eine Verständigung immer dünner, je älter sie werden. Dieses getrennte System ist der Anfang vom Ende."

* Namen von der Redaktion geändert

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