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International Nachrichten
Präsidentenwache
erschießt Präsidenten
Einen "tragischen Unfall" wollte
Nigers Ministerpräsident Hassane Mayaki ausgemacht haben. So kann
man es auch sehen, wenn die Präsidentengarde, die den Präsidenten
schützen soll, denselben erschießt. Wie es am vergangenen Freitag
Ibrahim Bare Mainassara am Flughafen der Hauptstadt Niamey widerfuhr. Dorthin
war der Präsident des nordwestafrikanischen Staates geflohen, um einem
drohenden Putsch von Angehörigen des Militärs zu entgehen. Seit
Anfang vergangener Woche hatten die Rücktrittsforderungen gegen den
früheren Armeechef, der sich 1996 selbst an die Macht geputscht hatte,
zugenommen. Auch Teile des Militärs stellten sich nun gegen Mainassara.
Das Oberste Gericht des Landes hatte am Anfang der Woche eine Regionalwahl
vom letzten Februar wegen "offensichtlicher Wahlfälschungen" annulliert
und Neuwahlen angeordnet.
Ministerpräsident Mayaki will
nach eigenen Angaben den Tod Mainassaras nutzen, um sein Militär-Kabinett
neu zu besetzen. Künftig würden der Regierung auch Zivilisten
angehören, erklärte er am Samstag. Zuvor jedoch hatte er die
Nationalversammlung aufgelöst und Aktivitäten aller politischen
Parteien vorerst verboten. Auch gaben mehrere Diplomaten aus dem Niger
gegenüber Nachrichtenagenuren an, daß Mayaki von dem Attentat
auf Mainassara gewußt habe.
Fact-finding-mission für
Peltier
Danielle Mitterrand, Frankreichs
ehemalige First Lady, will Ende April den politischen US-Gefangenen Leonard
Peltier im Bundesgefängnis von Leavenworth/Kansas besuchen. Peltier
war Aktivist des American Indian Movement (AIM) und wurde 1977 in den USA
zu zweimal lebenslänglicher Haft verurteilt. Er soll an einer Schießerei
im Pine Ridge-Reservat von Dakota beteiligt gewesen sein, bei der zwei
FBI-Agenten ums Leben kamen. In Pine Ridge hatte sich ein Teil der Lakota-Indianer
gegen den von ihrer staatshörigen Stammesregierung gebilligten Verkauf
des Reservatlandes zur Wehr gesetzt. Die Stammespolizei wurde vom FBI mit
Waffen ausgerüstet, Überfälle von Todesschwadronen auf die
Gegner des Landverkaufs, die das AIM zu Hilfe riefen, waren an der Tagesordnung.
Allein zwischen 1972 und 1975 kamen über 60 AIM-Unterstützer
bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zu Tode.
Bis heute hat die US-Regierung keine
Ahnung, wer damals die tödlichen Schüsse auf ihre Agenten abgefeuert
hat. Peltier wurde trotzdem verurteilt. Sein Gesundheitszustand kritisch.
Die staatliche Gefängnisverwaltung weigert sich, eine von der renommierten
Mayo-Klinik angebotene ärztliche Betreuung zuzulassen. Immer wieder
gab es in den vergangenen Jahren deswegen internationale Proteste. Auch
William Clinton versprach vor seiner Wahl zum US-Präsidenten, sich
gegebenenfalls für Peltier zu verwenden - es blieb bei der Ankündigung.
An sein früheres Versprechen erinnern kann ihn nun Danielle Mitterrand,
die sich zu einer Fact-finding-mission aufmacht.
Friedens- oder eigene Truppen
Die Unabhängigkeit von Ost-Timor
ist gefährdet, noch bevor sie in Kraft getreten ist. Gegner der Unabhängigkeit
warfen vergangene Woche in der ost-timoresischen Stadt Liquisa Handgranaten
in eine Kirche, 40 Menschen wurden getötet. Seit Wochen wüten
bewaffnete Banden in der Region und jagen Tausende von Menschen in die
Flucht. Friedensnobelpreisträger Bischof Carlos Belo beschuldigte
die indonesische Armee, den "Friedensprozeß zu sabotieren": Gegner
der Unabhängigkeit würden zu paramilitärischen Milizen aufgerüstet.
Die Friedensgespräche mit der indonesischen Regierung setzte Belo
deswegen vorläufig aus. Gleichzeitig forderte der Chef der Unabhängigkeitsbewegung,
Xanana Gusmao, der in der indonesischen Hauptstadt Jakarta unter Hausarrest
steht, die Uno auf, Friedenstruppen nach Ost-Timor zu schicken, um die
indonesischen Milizen zu entwaffnen. Zu diesem Schritt gebe es nur eine
Alternative für die Unabhängigkeitsbewegung: die Wiederaufnahme
des bewaffneten Kampfes. Indonesiens Regierung reagierte prompt. Sollte
der Gewaltaufruf nicht zurückgenommen werden, könne sich Gusmao
aufs Gefängnis vorbereiten. Das für den Juli anstehende Referendum,
bei dem die Ost-Timoresen über Autonomie oder Unabhängigkeit
entscheiden dürfen, ist somit erneut in Frage gestellt.
Schimmel und Seuchen für
China
Seit 13 Jahren will China, darf
aber nicht. Noch nicht. Beim Besuch des chinesischen Ministerpräsidenten
Zhu Rongji vergangene Woche in Washington scheiterten die Verhandlungen
über den Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation WTO erneut. Nach
Ansicht der US-Regierung erfüllt China noch immer nicht alle nötigen
Bedingungen, um beim großen Weltwirtschaftsspiel mitmachen zu dürfen.
Weniger Zölle auf US-Produkte, der Abbau von Subventionen bei chinesischen
Waren, eine Minderung planwirtschaftlich geführter Staatsfirmen und
die weitere Öffnung der Märkte für US-Unternehmen gelten
als Aufnahmekriterien. Besonders aber wurmt die US-Regierung das eigene
Handelsbilanzdefizit gegenüber China - rund eine Milliarde Dollar
wöchentlich.
Zhu kam dem Gastgeber denn auch
entgegen: Künftig darf Weizen aus den USA, der häufig mit einem
Schimmelpilz befallen ist, nach China eingeführt werden. Ebenso Zitrusfrüchte
- und mit ihnen eine Seuchen verbreitende Mittelmeer-Fruchtfliege. Nur
in einem Punkt blieb Zhu hart: US-Aktienhändler müssen weiterhin
draußen bleiben. Der Ministerpräsident erklärte, er wolle
nicht erleben, was anderen Ländern in Asien widerfahren sei. Westliches
Kapital habe auf der ständigen Suche nach schnellem Profit Asiens
Finanzmärkte zerstört.
Heilige Orte - Gefährliche
Orte
"Heilige Orte" waren schon immer
ein Problem, besonders im "Heiligen Land" und sollten besser "Gefährliche
Orte" heißen. Denn am Osterwochenende brannten wieder einmal Autos,
es gab Straßenschlachten, mehrere Menschen wurden verletzt. Diesmal
aber war es keine neue Intifada: In Nazareth, der Stadt mit dem größten
arabischen Bevölkerungsanteil in Israel, streiten sich seit anderthalb
Jahren Christen und Muslime um einen Stadtplatz. Der liegt vor der großen
Verkündigungskirche und soll nach christlicher Vorstellung dem Empfang
der (Bibel-)Touristenströme dienen, die für das Jubiläumsjahr
2000 erwartet werden. Die Muslime dagegen sehen das Gelände im Besitz
einer islamischen Stiftung und wollen darauf eine große Moschee errichten
- schließlich befindet sich dort auch das Grab eines lokalen islamischen
Heiligen. Der Vatikan, dessen Stellungnahme in solchen Fragen nicht fehlen
darf, will aber keine Moschee. Denn die könnte ja die Verkündigungskirche
in den Schatten stellen. Im Lauf der vergangenen Woche hatte man sich geeinigt,
das Gelände aufzuteilen. Doch der Konflikt geht weiter: In ein muslimisches
und ein christliches Geschäft wurden Brandsätze geworfen.
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Die Nachrichten wurden
von Günther, Lee und Weber zusammengestellt
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