Euro Nachrichten
Krieg statt Gedenken
Im südtschechischen Ort Lety
steht eine Großfarm für Schweinemast. Und zwar auf dem Gelände
eines früheren Konzentrationslagers für Roma. Das Lager diente
als Zwischenstation auf dem Weg in die Vernichtungslager Auschwitz und
Treblinka. Erst 1995 wurde in Lety ein Gedenkstein für die Opfer des
Holocaust errichtet. Die Schweinefarm aber besteht trotz internationaler
Proteste weiter. Eine eigens eingerichtete Kommission empfahl nun der Regierung,
die Farm abzureißen und in der Umgebung neu zu errichten. Das Kabinett
lehnte dies vergangene Woche ab - aus Kostengründen: Vizepremier Pavel
Rychetsky erklärte, der Staatshaushalt sei durch die Auszahlung von
Sozialbeiträgen u.a. an Roma und die humanitäre Hilfe für
das Kosovo zur Zeit besonders belastet.
Keine Ruhe für Franco
Und rumms! Am Grab des früheren
spanischen Diktators Francesco Franco (1892-1975) explodierte am vergangenen
Mittwoch eine Bombe. Mehr als 20 Feuerwehrleute benötigten Stunden,
um das Feuer der Kirche in Valle de los Ca'dos (Tal der Gefallenen) zu
löschen. Zu dem Anschlag bekannte sich umgehend die linksradikale
Grapo (Antifaschistische Revolutionäre Gruppe Erster Oktober). Die
Kirche war zwischen 1940 und 1959 von politischen Gefangenen gebaut worden.
Neben der Kirche mußten sie auch ein 150 Meter hohes Denkmal in Zwangsarbeit
errichten - zu Ehren der Gefallenen der faschistischen Truppen Francos
im Spanischen Bürgerkrieg. Am 20. November 1975 starb Franco und wurde
hier begraben.
Aber auch der erste deutsche Bundeskanzler
Konrad Adenauer holte sich hier den Tod. 1967 hatte Adenauer bei eisigem
Wetter das Tal der Gefallenen besucht und erkrankte prompt an einer Lungenentzündung.
Wenige Wochen später starb er in Köln.
Feuer in Nordirland
"Wir werden keine Waffen abgeben,
um Sinn Féin in die Regierung zu bringen." Wenn es gilt, dem katholischen
Erzfeind das Leben schwer zu machen, hat David Ervine, Sprecher der protestantischen
Untergrundorganisation Ulster Volunteer Force, keine Erklärungsnöte.
Dabei galt die Frage über eine
Abgabe der Waffen als der zentrale Konfliktpunkt bei den Verhandlungen
über eine Koalitionsregierung in Nordirland. Nach dem geplatzten Termin
in der Karwoche halten die britische und irische Regierung an dem Plan
fest, in dieser Woche zumindest auf dem Papier eine nordirische Regierung
zusammenzubringen. In den folgenden vier Wochen sollen dann die verschiedenen
Untergrundorganisationen "freiwillig" ihrer Verpflichtung nachkommen, "einige
Waffen" aus dem Verkehr zu ziehen. Erst anschließend soll die nordirische
Regierung exekutive Vollmachten erhalten. Um den Vereinbarungen von den
Friedensverhandlungen nachzukommen, hatte die irische Regierung vergangene
Woche sechs Mitglieder der IRA aus der Haft entlassen.
Die Eindeutigkeit, mit der die Abgabe
der Waffen zur Bedingung für den Regierungseintritt erklärt wurde,
hat jetzt die Sinn Féin, politischer Arm der IRA, verärgert.
Diese Forderung habe das Karfreitagsabkommen wesentlich verändert,
eine Einhaltung der Vereinbarungen sei daher nicht mehr zu garantieren,
erklärten die Vertreter von Sinn Féin. Die Zustimmung wird
für die katholische Partei wegen der Haltung der Protestanten zusätzlich
erschwert. Nach deren Weigerung, die Waffen abzugeben, wird sich auch die
IRA kaum zu diesem Schritt bewegen lassen. Schließlich hatte David
Ervine bereits vor den Verhandlungen erklärt: "Warum sollen wir durch
einen brennenden Reifen springen, um unseren Feinden das Leben zu erleichtern?"
Keine Wertung
Deutschlands extreme Rechte legt
vor, andere folgen: "Zyklon B war ein Desinfektionsmittel", meint nun auch
ein polnischer Universitätsdozent. Dariusz Ratajczak unterrichtet
an der Hochschule in Opole und hat jüngst im Eigenverlag ein Buch
publiziert. Titel: "Gefährliche Themen". Die polnische Tageszeitung
Gazeta Wyborcza faßt die Thesen des polnischen Revisionisten so zusammen:
Aus sechs bis sieben Millionen ermordeten Juden würden bei Ratajczack
2,5 Millionen, wie sie vernichtet wurden, sei unklar. Zyklon B jedenfalls
habe damit nichts zu tun. Auch sei ein solches Verbrechen in der Geschichte
nicht einzigartig: Millionen Polen und Russen wären unter der deutschen
Besatzung ebenso umgekommen, Hunderttausende deutscher Zivilisten bei alliierten
Luftangriffen auch. Der Autor zähle dies alles nur auf, einer eigenen
Wertung enthalte er sich.
Seit dem vergangenen Wochenende
ermittelt nun die Staatsanwaltschaft in Opole gegen Ratajczack - wegen
eines Verstoßes gegen das Institut des Nationalen Gedenkens. So heißt
ein Gesetz, das Anfang des Jahres in Kraft getreten ist, und das in diesen
Wochen erstmals zur Anwendung kommt. Nachdem sich der Direktor des Museums
Auschwitz-Birkenau, Jerzy Wroblewski, beim Rektor der Universität
über das Buch beschwert hatte, wurde erst die Publikation und schließlich
auch der Autor aus dem Hochschulbetrieb entfernt.
Leere Hände
Schlimmer hätte das Ergebnis
für Deutschland nicht ausfallen können. Die Vereinbarungen von
dem Berliner EU-Gipfel zur Agenda 2000 seien völlig unzureichend,
die von der Bundesregierung angestrebten Ziele nicht annähernd erreicht
worden. Im Gegenteil: In den nächsten zwei Jahren sei sogar noch mit
einem Anstieg der "ungerecht hohen" Nettobelastung Deutschlands zu rechnen,
erklärte die CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Statt dessen hätte Bundeskanzler
Gerhard Schröder zumindest die Forderung nach einer nationalen Kofinanzierung
der Agrarausgaben durchsetzen müssen. Frankreich hatte wegen dieser
Vorgabe mit einem Abbruch der Verhandlungen gedroht.
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Die Nachrichten wurden
von Landgraf, Lee und Weber zusammengestellt
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