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Inland Nachrichten
Hamburger Homo-Heirat
Lieber schwul und lebensfroh als
verheiratet und hetero. Das war einmal, denn nun dürfen die Hamburger
Schwulen und Lesben endlich dahin, wo sie ihre Verbände haben wollen:
auf's Standesamt. Dort hocken dann schon ein paar Beamte, die nur darauf
warten, daß die Homo-Pärchen ihre neue Gemeinschaft feierlich
eintragen lassen. Viel zu feiern haben die, die unbedingt Mann und Mann
oder Frau und Frau werden wollen, allerdings nicht. Der Besuch beim Standesamt
ist nämlich ein rein symbolischer Akt, aus dem keinerlei Rechte und
Pflichten entstehen. Weder kann man einen Reichen heiraten, um nach der
Scheidung vom Unterhalt zu leben, noch können die Pärchen steuerlich
vom Ehegattensplitting profitieren oder ihren ausländischen Liebsten
eine Aufenthaltsgenehmigung erwirken.
Damit aber die Keimzelle des Staates,
die Familie, in bisher noch unbekannte Sphären vordringen kann, soll
das demnächst anders werden. Hamburg hatte gemeinsam mit Niedersachsen
und Schleswig-Holstein bereits im vergangenen Sommer einen entsprechenden
Entschließungsantrag im Bundesrat eingebracht und setzt nun auf die
rot-grüne Regierung. Bis der Bundestag ein Gesetz zur Homo-Ehe verabschiedet
- da dürfte noch einige braune Brühe die Elbe hinunterfließen.
Aber: Wenn's im Leben nicht klappt, tröstet die Show. Die Zeremonie
auf dem Standesamt ist für alle Pärchen die gleiche: Ob homo
oder hetero, M.-Bartholdy macht sie alle froh.
Castor wieder auf die Schiene
Als "Kampfansage" kritisierte die
Anti-Atom-Bewegung vergangene Woche die Ankündigung des Bundesamtes
für Strahlenschutz, unter Umständen, d.h. wenn Sicherheitsbedenken
ausgeräumt sind, wieder Castor-Transporte zuzulassen. Die AktivistInnen
sehen sich nun aller Wahrscheinlichkeit nach bald mit neuen Transporten
konfrontiert. Ins Ausland, da den AKW-Betreibern hierzulande die vorübergehenden
Lagerkapazitäten an den Standorten ausgehen, wie aus dem Ausland,
da die Kraftwerksbetreiber ihren internationalen Vertragsverpflichtungen
gerecht werden müssen. Daran wird auch die Vorgabe des Bundesumweltministeriums,
keinen Transport während der Konsensgespräche zuzulassen, wenig
ändern können. So kündigte die Betreiberfirma PreussenElektra
vergangene Woche an, ihre Rechtsansprüche auf die Transporte geltend
zu machen.
Deutschland im Streik
In Deutschland tobt der Arbeitskampf
- dort, wo die kämpferischsten Teile des Proletariats ihre Rechte
verteidigen: bei den Banken. Die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen
und die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft haben die Beschäftigten
im Bankengewerbe zum ersten Streik in der diesjährigen Tarifrunde
aufgerufen, nachdem die letzten Tarifverhandlungen gescheitert sind. Streitpunkt
war die Samstagsarbeit. Gestreikt werden soll aber vorerst nur im Raum
Hamburg.
Während die einen nur fünf
Tage arbeiten wollen, werden die anderen nur noch zwölf Monate bezahlt:
Den Beschäftigten im westdeutschen Baugewerbe haben die Unternehmer
das dreizehnte Monatsgehalt gekündigt - im Osten wurde es sowieso
nicht gezahlt. Dabei hatte sich die IG Bau diesmal in den Tarifverhandlungen
besonders zurückgehalten: Vor der Lösung der schnöden Lohnfrage
wollte sie nämlich die Verbesserung der Alterssicherung und einen
Tarifvertrag über Mindestlöhne aushandeln. Das war wohl falsche
Bescheidenheit.
Der Koch, der Ausländer-
und Ossi-Feind
Erst gegen Ausländer, dann
gegen Ossis: Seit einer Woche ist Roland Koch Hessens neuer Ministerpräsident.
Der Profiteur der CDU-Unterschriften-Aktion gegen die doppelte Staatsbürgerschaft
schaltete sich prompt in die Debatte um den sogenannten Länderfinanzausgleich
ein. Kochs Ziel: der rot-roten Regierung in Mecklenburg-Vorpommern die
Gelder entziehen. Im Süden bleibt also alles beim alten. Das gilt
auch für das AKW Biblis. Ein Abschalten kommt für Koch keinesfalls
in Frage.
Diehl soll zahlen
Am kommenden Freitag wird der Prozeß
gegen den Nürnberger Diehl-Konzern eröffnet. Wie viele andere
deutsche Unternehmen beschäftigte auch der Konzern von 1941 bis 1945
ZwangsarbeiterInnen aus den von der deutschen Wehrmacht besetzten Gebieten.
Insgesamt 58 Betroffene aus der Ukraine klagen auf Entschädigung zwischen
30 000 und 55 000 Mark. Fraglich ist nun, ob alle 58 KlägerInnen am
Freitag in Nürnberg erscheinen können, denn die Opfer leben in
ärmlichen Verhältnissen. Der zuständige Rechtsanwalt hat
zwar Prozeßkostenhilfe beantragt, diese umfaßt jedoch nicht
die Flugkosten. Diehl wird wohl kaum ein besonderes Interesse verspüren,
dabei behilflich zu sein.
Nazis marschieren jwd
Lediglich 150 Anhänger der
NPD und ihrer Jugendorganisation JN demonstrierten am vergangenen Samstag
in Berlin-Marzahn - quasi unter Ausschluß der Öffentlichkeit
auf einem Brachgelände. Jwd - janz weit draußen. Nach dem mittlerweile
obligatorischen Streit um eine Verbotsverfügung durch den Berliner
Senat gelang es der Polizei im Vorfeld, die rund 400 antifaschistischen
Gegendemonstranten durch eine List auszutricksen. Sie besetzte den Pistoriusplatz
in Weißensee - der Ort, an dem die NPD ursprünglich unter anderem
gegen die doppelte Staatsbürgerschaft demonstrieren wollte - und simulierte
somit das Erscheinen der Neonazis. Zeitgleich geleitete sie aber die rechten
Demonstranten durch Marzahn. Nach der Schlappe bei dem Nazi-Aufmarsch im
Berliner Bezirk Tegel im Dezember letzten Jahres können die Antifaschisten
den letzten Samstag dennoch als Erfolg verbuchen: Die NPD mußte nach
Marzahn ausweichen, und die Anzahl der rechten Demonstranten steht in keinem
Verhältnis zur deren Mobilisierung.
Kinder, Küche, Kosovo
Da die FDP beim Krieg nichts zu
sagen hat, muß sie an den nächsten denken. Guido Westerwelle
ist entschieden gegen das "letzte geschlechtsspezifische Berufsverbot".
Frauen in die Bundeswehr! So forderte es zumindest der FDP-Generalsekretär,
der sich am vergangenen Wochenende ganz als Fürsprecher aller Unterdrückten
profilierte. Aller Unterdrückten? Zumindest soll es nach den Vorstellungen
der FDP demnächst auch das gleiche Geld für die Söldner
und Söldnerinnen in Ost und West geben.
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Die Nachrichten von Lee,
Lindner, Rother und Weber zusammengestellt
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