International Nachrichten
Eiertänze um Skuratow
Die einen wollen ihn wieder ins Amt
hieven, die andern weit davon entfernt halten: Juri Skuratow, den russischen
Generalstaatsanwalt. Mitte vergangener Woche votierte der - normalerweise
Präsident Boris Jelzin günstig gesonnene - Föderationsrat
mit 142 gegen sechs Stimmen gegen die Demission Skuratows. Stunden später
wandten sich Jelzin und Ministerpräsident Jewgeni Primakow gegen Skuratows
Comeback. Mit einer schönen Begründung: "Skrupellosigkeit und
Intrigen sind mit dem hohen Posten des Generalstaatsanwaltes nicht vereinbar."
Da war über das Staatsfernsehen bereits ein Video geflimmert, das
einen Skuratow ähnlich sehenden Mann mit zwei Frauen im Bett zeigte.
Jetzt soll, so versprach Jelzin, eine Regierungskommission untersuchen,
aus welchen Kreisen das Video lanciert wurde.
Skuratow hat sich dadurch Feinde
geschaffen, daß er Korruptionsfälle im Moskauer Machtzentrum
untersuchte. Anfang Februar war Skuratow zurückgetreten und hatte
gesundheitliche Probleme als Grund vorgeschoben. Letzte Woche meinte er,
unter denen, die ihn aus dem Amt treiben wollen, seien zwei ehemalige Premiers,
Mitglieder der Regierung und frühere Manager der Zentralbank.
Postkoloniale Einigkeit
Robin Cook und Hubert Védrine,
die Außenminister Großbritanniens und Frankreichs, bereisten
Anfang vergangener Woche gemeinsam den afrikanischen Kontinent. Wo sich
ihre beiden Länder bis vor einigen Jahrzehnten noch als Kolonialmächte
gegenüberstanden, wird jetzt die neue Einheit geprobt. In Abidjan
(Elfenbeinküste) eröffneten Cook und Védrine eine gemeinsame
Konferenz der afrikanischen Botschafter ihrer Länder. Künftig
soll es einen regelmäßigen Austausch zwischen den Abgesandten
der beiden Länder geben - nach diplomatischer Art mit Jahresbericht.
Neben der frankophonen Elfenbeinküste besuchten die Minister - zum
Ausgleich sozusagen - auch noch das anglophone Ghana. Védrine betonte,
es gebe heute weder exklusive Einflußsphären noch verbotene
Zonen. Zur neuen überraschenden Einigkeit, so wird behauptet, soll
insbesondere der gemeinsame Vorsitz von Védrine und Cook in den
Friedensverhandlungen zum Kosovo beigetragen haben.
Nationale Raketenabwehr
Es wird wieder gerüstet. In
den USA verabschiedeten letzte Woche Senat und Repräsentantenhaus
je einen Gesetzesentwurf zur Errichtung eines neuen Raketenabwehrsystems.
Der Entwurf des Repräsentantenhauses liest sich recht einfach, er
besteht nur aus dem Satz: "Es ist die offizielle Politik der Vereinigten
Staaten, ein nationales Raketenabwehrsystem zu errichten." Im Entwurf des
Senates wird dagegen die Fortsetzung der Abrüstungsgespräche
mit Moskau erwähnt und - ökonomisch sehr weitsichtig - darauf
verwiesen, daß vor der Installation des Systems seine technologische
Machbarkeit geprüft werden solle.
Ihre Sicherheit ist dabei den Vereinigten
Staaten einiges wert: in die Forschung wurden bereits 50 Milliarden US-Dollar
investiert, weitere zehn Milliarden sind für die nächsten Jahre
bereitgestellt. Die Notwendigkeit eines solchen Systems wird mit der Gefahr
von Raketenangriffen von "Schurkenstaaten" wie Nordkorea, Iran und Irak
begründet. Bisher fühlen sich jedoch ganz andere Staaten angesprochen.
So hat Rußland gegen die US-amerikanischen Pläne protestiert,
auch Peking bezeichnete den Schritt als kontraproduktiv für das "globale
strategische Gleichgewicht".
Das wird in den USA anders gesehen.
Der Sprecher des Repräsentantenhauses bezeichnete die Verabschiedung
des Gesetzesentwurfs als "Sieg für das amerikanische Volk". Und der
ehemalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte, wie begehrt
diese Waffen in der Dritten Welt seien und verwies besonders auf Nordkorea,
das dafür viel Geld ausgebe, "während die Menschen verhungern".
Aber Nordkorea ist ja auch ein Schurkenstaat.
Nur ein einziger vor Gericht
Der Prozeß gegen Ta Mok stört
die stille Vergangenheitsbewältigung in Kambodscha, bei der bisher
die Bereitschaft zu Amnestie im Mittelpunkt stand. Ein Jahr nach der Kapitulationserklärung
steht mit der einstigen Nummer zwei der Roten Khmer zum ersten Mal ein
Verantwortlicher für die mehr als 1,7 Millionen Toten aus der Zeit
der killing fields vor Gericht.
Doch statt wie geplant vor einem
Tribunal der Vereinten Nationen (UN), wird dem 72jährigen Nachfolger
Pol Pots jetzt von der kambodschanischen Justiz der Prozeß gemacht.
Denn Hun Sen, der Ministerpräsident des südostasiatischen Staates,
der noch im Januar ein internationales Tribunal befürwortete, stellt
sich nun gegen ein UN-Gericht. Ein Richtungswechsel des Regierungschefs,
der auf die nach wie vor starke Stellung der maoistischen Ex-Guerilla in
der kambodschanischen Gesellschaft hinweist.
Die ca. 12 000 Soldaten der Roten
Khmer haben zwar ihre Waffen abgelegt, kontrollieren aber immer noch die
Edelsteinhochburg Pailin im Westen des Landes. Ein UN-Expertenbericht weist
außerdem darauf hin, daß - abgesehen von der Korruption im
kambodschanischen Justizsystem - die benötigten Richter und Anwälte
fehlen. Zuviele seien von den Roten Khmer ermordet worden.
Alle oder keiner
Solidarisch geben sich die Mitglieder
der Asean-Staaten. Und deswegen könnte das für den 30. März
in Berlin geplante Gipfeltreffen zwischen der Europäischen Union und
den Staaten der Asean ausfallen. Denn es gibt einen Beschluß der
EU, Angehörigen der birmesischen Regierung kein Visum für die
Einreise zu erteilen. Damit wollten die EU-Staaten ihren Protest gegen
die Verletzung der Menschenrechte in Birma ausdrücken. Allerdings
ist Birma seit 1997 Mitglied der Asean und und sollte daher auch an dem
Gipfel mit der EU teilnehmen, bei dem vor allem über die wirtschaftliche
Zusammenarbeit zwischen Europa und den südostasiatischen Staaten geredet
werden sollte.
Weil Birma nun aber nicht gleichberechtigt
teilnehmen kann, wollen die anderen südostasiatischen Länder
das Gipfeltreffen absagen. Deswegen bemühte sich der deutsche Außenminister
Joseph Fischer, der im Rahmen der EU-Präsidentschaft derzeit auch
die EU vertritt, um einen Kompromiß: Er werde die Militärjunta
einladen, erklärte er, vorausgesetzt, die Birmesen seien bereit, mit
den Europäern über Menschenrechte zu diskutieren. Die Junta in
Rangun lehnte dankend ab, und damit zogen sich auch alle anderen Asean-Staaten
zurück.
Für die Europäer ist das
aber kein Grund zur Sorge: Nur einen Tag vor dem geplanten Zusammentreffen
mit der Asean kommt in Berlin fast die gleiche Besetzung zum Europäisch-asiatischen
Gipfel der Asem zusammen. Birma wird daran nicht teilnehmen - wird aber
durch ein anderes Land ersetzt: China.
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Die Nachrichten wurden
von Graf, Lee und Weber zusammengestellt
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