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Euro Nachrichten
Flandern will auswandern
Was die Bayern, allen voran Edmund
Stoiber, wollen, fordern die Flamen schon lange: ein Europa der Regionen.
Im Klartext: Die reichen Regionen haben keine Lust, die Hungerleider in
den anderen Gebieten durchzufüttern. Und da sich die Flamen vom wirtschaftlich
schwächeren Süden Belgiens, durch dessen Verschuldung und hohe
Arbeitslosigkeit, in ihrer Entwicklung behindert fühlen, hat das flämische
Parlament nun einen Forderungskatalog vorgelegt. Kernpunkt: Belgien soll
zwar formal weiterbestehen, die Bundesländer Flandern und Wallonien
sollen aber die volle steuerpolitische Autonomie erhalten und für
die sozialen Sicherungssysteme selbst verantwortlich sein. Das bedeutete
nicht nur, daß sich das reichere Flandern weigert, weitere Hilfen
- ähnlich dem Länderfinanzausgleich in der Bundesrepublik - an
das von der Stahlkrise betroffene Wallonien zu leisten, sondern auch die
partielle Sezession Belgiens, verlöre doch die Brüsseler Zentralregierung
einen Großteil ihres Budgetrechts, Kernkompetenz jeder Regierung.
Für die Zentralregierung des Königreichs bliebe lediglich die
Innen-, Außen und Verteidigungspolitik - sofern sie nicht schon wie
die Währungspolitik an die EU abgetreten worden sind.
Polens Bauern trauern
Kaum waren sie einigermaßen
beruhigt und die tagelangen Verkehrsblockaden aufgehoben, holte die radikale
Bauerngewerkschaft "Samoobrona" (Selbstverteidigung) wieder rund zehntausend
Bauern aus ganz Polen auf die Straße bzw. in die Innenstadt Warschaus,
um vor allem gegen den Finanzminister Leszek Balcerowicz und seine "finanzdisziplinierte
Wirtschaftspolitik" zu demonstrieren. Selbst im Parlament wurde alles andere
als ruhig über diese Politik diskutiert, nachdem die oppositionelle
Bauernpartei einen Mißtrauensantrag stellte, der jedoch letzten Donnerstag
abgewiesen wurde. Während die zwei anderen großen Bauernverbände
in Polen bereits einen Kompromiß mit der Regierung über die
Landwirtschaftspolitik unterschrieben haben, sträubt sich Samoobronas
Vorsitzender Andrzej Lepper, eine solche Vereinbarung zu treffen. Zumal
auch noch einiges auf die polnischen Bauern zukommen wird - bei einem EU-Beitritt
und der dafür notwendigen Agrarreform. Überhaupt Reformen: Balcerowicz
hat schon wieder andere Probleme. Auch die Neugestaltung des Gesundheitswesens,
das nach dem Muster des deutschen Systems aufgebaut werden soll - bisher
waren Arztbesuche generell kostenlos und eine Krankenversicherung nicht
nötig - dürfte die polnische Regierung finanziell überfordern.
Wenn Separatisten wüßten
Unverschämt findet Spaniens
Regierungssprecher Josep Piqué i Camps, daß die baskischen
Nationalisten und Separatisten sich an den UN-Generalsekretär Kofi
Annan wenden wollen, er möge doch bitte eine Kommission ernennen,
die in die autonome Region kommen und nach dem Rechten schauen soll. So
wünschen es jedenfalls die beiden regierenden nationalistischen Parteien
im Baskenland und ihre verbündeten Separatisten von Euskal Herritarok
(EH, Baskische Bürger). Die Beobachter der Vereinten Nationen sollen
die derzeitige Situation analysieren - vor einem halben Jahr hat die Eta
die Waffen niedergelegt - und ein Auge auf die Kommunalwahlen am 13. Juni
werfen. Was im Kosovo billig ist, kann der Madrider Regierung nicht recht
sein: internationale Einmischung in ein inneres Problem. Mit diesem Antrag
werde versucht, das Basken-Problem zu internationalisieren, so Piqué
i Camps. Dabei habe doch Madrid die alleinige Hoheit über die Außenpolitik.
Und über die Costa verde, die grüne Küste an der Biskaya.
Allerdings sind Namen Schall und Gischt: Ob Donostia oder San Sebastiˆn
- der Stadtstrand der schicken Baskenmetropole ist und bleibt einer der
schönsten seiner Art.
Keine Tricks für Flics
Seit letztem Donnerstag steht der
fanzösische Staat vor Gericht - und zwar vor dem Europäischen
Gerichtshof in Luxemburg. Am 25. November 1991 wurde der Niederländer
marokkanischer Herkunft Ahmad Selmouni vier Tage lang auf der Polizeiwache
in der Pariser Vorstadt Bobigny festgehalten und dabei schwer mißhandelt.
Nun stehen die fünf beteiligten Polizisten vor Gericht. Das Urteil
wird am nächsten Donnerstag erwartet.
Unabhängig davon hat Selmouni
den französischen Staat vor dem Europäischen Gerichtshof wegen
Verletzung der Menschenrechte verklagt. Die Anklagepunkte lauten: Verstoß
gegen das Folterverbot und unzulässig lange Verfahrensdauer im Gerichtsverfahren
gegen die Angeklagten. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs wird
in zwei bis drei Wochen erwartet. Wird dort der französische Staat
für schuldig erkannt, wäre Frankreich der zweite Staat nach der
Türkei, der wegen Folter verurteilt wird.
Wahlen bringen Qualen
Der türkische Generalstabschef
Kivrikoglu hat letzte Woche dem Land eine Lektion in Demokratie erteilt.
Er erklärte, die Parlamentswahlen würden wie vorgesehen am 18.
April stattfinden, da sonst das Land im Chaos versinke. Grund: Die islamistische
Tugendpartei hat den Termin zur Disposition gestellt. Sie versuchte auch
eine Änderung eines Artikels im türkischen Strafgesetzbuch zu
erreichen, um so das Politikverbot gegen ihren ehemaligen Führer Erbakan
aufheben zu können. Doch General Kivrikoglu lehnte auch die Diskussion
von Justizreformen ab. Gegen Erbakan wurde mittlerweile die Anklage des
Umsturzversuches erhoben, der Chefankläger der Staatssicherheitsgerichte
fordert für ihn die Todesstrafe. Nachdem die Intervention des hohen
Militärs die politischen Spannungen verschärft hatte, bemühte
sich Staatspräsident Suleyman, die Wogen zu glätten: Er erklärte,
diese Intervention bedeute keinesfalls, daß "ein militärischer
Schatten über dem System schwebe". Es ist alles anders: Systematische
Militärs entschweben dem Schatten der Demokratie.
Oscar tritt ab
Interessante, interessantissimo.
Der amtierende italienische Präsident Oscar Luigi Scalfaro hat sich
letzte Woche bereiterklärt, vor Ablauf seiner Amtszeit Ende Mai zurückzutreten,
um die Diskussion um seine Nachfolge nicht in die Zeit des Europa-Wahlkampfs
fallen zu lassen. Die KandidatInnen für den höchsten Posten im
Staat sind zahlreich, zu ihnen zählt die soeben zurückgetretene
EU-Kommissarin Emma Bonino. Besonders gute Chancen hat der Technokrat Carlo
Azeglio Ciampi, amtierender Wirtschaftsminister und parteilos. Gegenüber
dem scheidenden 80jährigen Scalfaro besitzt er einen entscheidenden
Vorteil: Er ist ein ganzes Jahr jünger.
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Die Nachrichten wurden
von Köhler, Rother, Schmid und Weber zusammengestellt
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