Jungle World 10/1999 :Wo waren Sie, als das Sparwasser-Tor fiel?

Homepage

Inhaltsverzeichnis

Zum Abo-Coupon

E-Mail

3. März 1999 Jungle World

Wo waren Sie, als das Sparwasser-Tor fiel?

Max Merkel ist

Bild-Kolumnist

Das Sparwasser-Tor fiel 1974. Deutschland hat 1:0 verloren. Ich habe Fernsehen geguckt. Ich selbst war in München zu der Zeit. Aber nur vorübergehend. Ich trainierte in Spanien zu der Zeit, erst in Sevilla und später in Madrid. Mit Athletico wurde ich Meister. Ich kann sagen, mit meinem Abgang war ich ganz zufrieden.

Über den Triumph der DDR-Mannschaft sind damals alle erschrocken. Durch den WM-Sieg später war das dann aber ein sekundäres Ereignis. Von der Niederlage wollte in Deutschland keiner wissen.

Die anderen spielen eben auch mit - auch wenn die DDR international nichts zu bestellen hatte. Die DDR war international nicht auf der Welt. Die standen im zweiten Glied. Im Einzelsport war das ein anderes Ding. Die hatten Supersportler im Schwimmen und in der Leichtathletik.

Wie ist es jetzt? Zum Sport braucht man viele Leute, und die haben wir nicht. Im Tennis sind ja auch alle weg: der Becker, die Graf. Jetzt ist wieder scheiße. Das ist zeitbedingt. Die Leute müssen geboren werden oder einfach da sein. In den siebziger Jahren hatten wir zuviel gute Spieler und jetzt keine oder nur Durchschnitt. Und aus einem Esel kannst du kein Rennpferd machen.

Heute spüren wir die Folgen des Bosman-Urteils: Das Geld steht als Punkt eins auf der Tagesordnung. Die Spieler sind zu mächtig. Oder man findet die Frage interessanter, welche Frau der Spieler hat.

Das war früher anders, da zählte noch die Vereinstreue. Wir haben uns irgendwann zusammengesetzt und Lieder gesungen. Und es war immer irgend einer da, der's bezahlt hat! Die Spieler hatten nichts, in Dortmund zum Beispiel haben die morgens bei Hösch gearbeitet und nachmittags trainiert, dafür gab's 400 Mark pro Monat. Und die hatten auch Superfußballer. Das waren eben andere Zeiten. Da waren wir froh, überhaupt zu überleben.

nach oben