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Feuilleton Nachrichten
Nausenman
Bundeskanzler Gerhard Schröder
"hätte auch ohne Mahnmal in Berlin leben können", aber inzwischen
ist auch er dafür, weil ein Nein "fatale Folgen" gehabt hätte
und "eine Einladung zu einem bewußten Mißverständnis"
gewesen wäre. Trotzdem ist ihm ein Schloß vor seinem Fenster
in der Außenstelle des Bundeskanzleramtes immer noch lieber.
Ignatz Bubis, Vorsitzender des Zentralrats
der Juden in Deutschland, nannte die Diskussion um das Mahnmal "unwürdig",
sie erinnere an die Ladenschlußdebatte, die seit zwanzig Jahren andauere
und immer noch zu keinem Ergebnis gekommen sei. Für ihn sei das Mahnmal
kein Thema mehr. Es liege nun an den Deutschen, ob sie es bauen wollen
oder nicht. Die Gedenkstätte dürfte bei jüngeren Menschen
keine Schuldgefühle erzeugen. An ihnen liege es, was aus der Geschichte
wird. Er werde an der Anhörung im Bundestag jedenfalls nicht teilnehmen.
Einer zügigen Einigung im Bundestag
stehen allerdings rechtliche und verfahrenstechnische Hindernisse entgegen.
Naumann war zu voreilig: Der jüngst von Architekt Peter Eisenman und
vom Staatsminister für Kultur vorgestellte Mahnmal-Entwurf, Projekt
"Nausenman" (Süddeutsche Zeitung), verletzt die vom Wettbewerb vorgegebenen
Rahmenbedingung, da die ursprüngliche Ausschreibung lediglich einen
Mahnmalsentwurf vorsah, aber kein Museum. Der Bundestag könnte demnach
nur über den Entwurf "Eisenman II" abstimmen. Um den Weg für
"Eisenman III" freizumachen, wollen nach Angaben aus dem Bundeskanzleramt
eine Reihe jüngerer Abgeordneter von SPD und Grünen einen Antrag
einbringen, über ein Mahnmal "mit aufklärerischer Komponente"
abzustimmen.
Goethe privat
Wer war eigentlich dieser Vielschreiber
Goethe, von dem man neuerdings so viel hört? Antworten gibt's am Zeitungskiosk
in der Special-Interest-Zeitschrift Goethe 1748-1999. Grundkenntnisse des
Werks muß der Käufer nicht mitbringen. In dem vom Societäts-Verlag
in Frankfurt am Main herausgegebenen Magazin soll es vor allem um den Privatmenschen
gehen, wie hat er gewohnt, welche Partys hat er besucht, mit welchen Frauen
wurde er gesehen? Außerdem gibt's einen Goethe-Guide, der durchs
Jubliläums-Jahr führt.
Eissler gestorben
Nochmal Goethe: Der Psychoanalytiker
Kurt Robert Eissler gehört wohl zu den größten Kennern
sowohl des Werks als auch des Lebens von Goethe. In Deutschland, dem Klassikerland,
in dem die Mehrheit der Bevölkerung angibt, ihr Lieblingsautor heiße
Goethe, wurden Eisslers Goethe-Studien erst relativ spät zugänglich.
Der Kleinverlag Stroemfeld/Roter Stern besorgte in den achtziger Jahren
die deutsche Ausgabe der international renommierten Forschungsarbeiten.
Der Freud-Schüler, 1908 in Wien geboren, war 1938 nach New York emigriert.
Eissler ist am 17. Februar in New York gestorben.
Messe Leipzig
Noch mehr Literatur-Stars zum Anfassen
sind auf der am 25. März beginnenden Leipziger Buchmesse versammelt,
wo viele ostdeutsche und ein paar westdeutsche Autoren aus ihren neuesten
Büchern vorlesen. 700 Lese- und Diskussionsveranstaltungen sind geplant.
Zugesagt haben bereits Reiner Kunze, Volker Braun, Angela Krauß,
Stefan Heym, Ulrich Plenzdorf. Zwar fehlt Martin Walser auf der Gästeliste,
dafür allerdings hat Monika Maron ihre Teilnahme bereits angekündigt.
Sie liest aus ihrer Familiengeschichte und wird Walser im Zweifelsfall
würdig vertreten.
Durch schlechtes Timing fällt
Günter Grass auf. Er ist mit seinem Großprojekt "Mein Jahrhundert"
nicht rechtzeitig zur Messe fertig geworden und kämpft noch mit der
deutschen Geschichte. Daß der Autor, der seit "Ein weites Feld" als
Ehrenossi gilt, dennoch in Leipzig dabei sein wird, versteht sich von selbst.
Er wird aber nur einen Zwischenbericht seiner Jahrhundertarbeit geben können.
Neben Cees Noteboom gehört Christa Wolf zu den diesjährigen Stars
der Literaturmesse. Krankheitsbedingt muß sie der Veranstaltung allerdings
fernbleiben. Aus Anlaß ihres 70. Geburtstages in diesem Jahr zeigt
Leipzig innerhalb des Rahmenprogramms der Buchmesse die Ausstellung "Medea
altera". Für die Bereiche politische Diskussion und Heimatklänge
sind u.a. Regine Hildebrandt und Hans Modrow vorgesehen.
TV-Schröder
Trotz des Rüffels von CDU-Chef
Wolfgang Schäuble will Bundeskanzler Gerhard Schröder seine Fernsehaktivitäten
in diversen Unterhaltungsshows auch in Zukunft nicht einschränken.
Nachdem sich auch die Mehrzahl bundesdeutscher Fernsehkritiker über
das Showtalent Schröder, der zuletzt als Gast bei Thomas Gottschalks
Samstagabendshow "Wetten, daß?" zu sehen war, mokiert hatte, verteidigte
sich Schröder mit den Worten: "Das erreicht mich nicht, weil ich die
dahinter stehende Geisteshaltung kenne und für falsch halte. " In
der Welt am Sonntag gab der Kanzler auch gleich seine nächsten Talk-Termine
bekannt. Am 9. März geht er in die Harald Schmidt-Show, und am Sonntag
vor Ostern will er mit Jörg Wontorra ein Bundesligaspiel kommentieren.
Die Nachrichten wurden
von Jan Brandt und Heike Runge zusammengestellt
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