Homepage Inhaltsverzeichnis Zum Abo-Coupon E-Mail
3. März 1999 Jungle World

International Nachrichten

Boom-Boom Gewerkschaft

Mit dem Beitritt von 74 000 Pflegekräften im Raum Los Angeles ist der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung ihr größter Organisierungserfolg seit mehr als 60 Jahren gelungen. Es könnte sogar ein Neuanfang für die Gewerkschaften in den USA insgesamt werden. Die seit Jahren von der Internationalen Gewerkschaft der Dienstleistungsbeschäftigten (SEIU) vorangetriebene Organisierung steht für eine Umorientierung der amerikanischen Arbeitnehmer-Organisationen - weg von relativ hochbezahlten Arbeitsplätzen im Automobilbau und hin zum Dienstleistungsbereich mit seinen Niedriglöhnen.

Dem Erfolg wird eine hohe Symbolkraft beigemessen. Nach Ansicht der Gewerkschaften deutet dies darauf hin, daß sich die Organisation dem "neuen Gesicht der Arbeit", und damit den Beschäftigten in den Schnellrestaurants zuwenden würde. Im Gesundheitsbereich sind gerade mal eine Million der rund zwölf Millionen Beschäftigten gewerkschaftlich organisiert. Heimpflegekräfte verdienen oft nur 5,75 Dollar (rund 6,30 Euro) in der Stunde.

OK rules Japan

Verbrechen lohnt sich doch - jedenfalls in Japan. Ein bedeutender Mafia-Boß ist nach einem Bericht des Fernsehsenders Fuji-Television zum zweitgrößten Aktionär der staatlichen Fluggesellschaft Japan Airlines (JAL) aufgestiegen. Der Chef eines Tokioter Syndikats, das mit der Yamaguchi-gumi verbunden ist, soll angeblich seit Januar mehr als eine Million Aktien im Wert von 2,25 Millionen Euro gekauft haben. Die Yamaguchi-gumi hat nach Polizeiangaben rund 18 300 Mitglieder. Sie sitzt in Kobe und ist die größte organisierte Mafia-Organisation in Japan.

Erster Kredit seit Crash

Erstmals seit dem Finanz-Crash im vergangenen August hat Rußland Kredite mit der Weltbank (WB) vereinbart: einen über 250 Millionen für soziale Zwecke, zwei über jeweils 400 Millionen US-Dollar für Straßenbau und Sanierung der Kohlebranche. Bedingung: Privatisierung von mindestens 45 Prozent der Gruben und Kohleunternehmen. Die Kredite müssen allerdings noch vom WB-Direktorenrat genehmigt werden, und, so WB-Vizepräsident für Europa und Mittelasien, die Auszahlung hänge von der Einschätzung der russischen Wirtschaftspolitik durch den IWF ab. Rußland braucht das Geld u.a. für den Schuldendienst beim IWF. 4,6 Milliarden Dollar sollen in diesem Jahr zurückgezahlt werden.

Am Wochenende landete der russische Präsident Boris Jelzin mal wieder im Krankenhaus. Um Fitness und Arbeitsfähigkeit zu demonstrieren, schickte er Regierungschef Jewgeni Primakow in den Urlaub.

Alles munter mit der Junta

Wie ungetrübt das Verhältnis Deutschlands zu Argentinien auch in den Jahren der dortigen Militärdiktatur war, wird nun auch durch einen vertraulichen Brief des Auswärtigen Amtes belegt. Das von der spanischen Nachrichtenagentur EFE veröffentlichte Schreiben von Anfang Januar bestätigt, was die Angehörigen der zwischen 1976 und 1983 verschwundenen Deutschen in Argentinien schon länger vermuteten: Ein Mitarbeiter des argentinischen Geheimdienstes SIDE arbeitete in dieser Zeit offiziell für die deutsche Botschaft in Buenos Aires. Major Peirano, das räumte das Auswärtige Amt in Bonn jetzt ein, habe als Kontaktmann zum Militärregime des damaligen Junta-Chefs Jorge Rafael Videla fungiert. Etliche der 48 deutschen Familien, die im vergangenen Mai Strafanzeige gegen 40 argentinische Militär-Angehörige stellten, hatten sich an dem Major gewandt, um - wie von der Botschaft empfohlen - Auskunft über den Verbleib ihrer verschwundenen Angehörigen zu erhalten. In der Regel vermittelte Peirano sie dann direkt weiter - an eine Spezialeinheit des Geheimdienstes. Und die hatte Besseres zu tun, als beim Aufspüren der Verschwundenen zu helfen. Das Auswärtige Amt hatte bis zur Veröffentlichung des Briefes stets argumentiert, Aufgabe des Majors sei es gewesen, den Familien zu helfen.

Besser kein Vertrag

Genetisch veränderte Soja-Bohnen und Mais machen derzeit etwa 90 Prozent des Welthandels mit genetisch manipulierten Organismen aus. Aber in Cartagena, wo zehn Tage lang über ein internationales Protokoll für Biosicherheit verhandelt wurde, verhinderten in erster Linie die US-Gentech-Lobbyisten, daß diese Waren in die Verhandlungen mit aufgenommen werden. Und zusammen mit Australien, Kanada, Uruguay, Argentinien und Chile verweigerten die USA die Unterzeichnung eines Abschlußprotokolls, das nach ihrer Ansicht eine zu große Regulierung des Handels mit Gentech-Waren vorsah. "Kein Vertrag war besser als ein ein schlechter Vertrag, und das war das Ergebnis", äußerte sich der Vize-Leiter der US-Delegation. In dem Protokoll sollten weltweite Sicherheits- und Haftungsstandards für den Handel mit genmanipulierten Produkten festgelegt werden. Die Länder mit fortgeschrittener Gentechnologie haben sich damit gegenüber den Entwicklungsländern durchgesetzt. Insbesondere die Entwicklungsländer befürchten, von Gen-Produkten überschwemmt und Testfeld unangemeldeter Freilandversuche zu werden. Bis zur nächsten Verhandlungsrunde im Mai 200o in Nairobi bleibt erst einmal alles ungeregelt. 

  •  Die Nachrichten wurden von Bickel, Frieling und Landgraf zusammengestellt
nach oben