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International Nachrichten
Boom-Boom Gewerkschaft
Mit dem Beitritt von 74 000 Pflegekräften
im Raum Los Angeles ist der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung ihr größter
Organisierungserfolg seit mehr als 60 Jahren gelungen. Es könnte sogar
ein Neuanfang für die Gewerkschaften in den USA insgesamt werden.
Die seit Jahren von der Internationalen Gewerkschaft der Dienstleistungsbeschäftigten
(SEIU) vorangetriebene Organisierung steht für eine Umorientierung
der amerikanischen Arbeitnehmer-Organisationen - weg von relativ hochbezahlten
Arbeitsplätzen im Automobilbau und hin zum Dienstleistungsbereich
mit seinen Niedriglöhnen.
Dem Erfolg wird eine hohe Symbolkraft
beigemessen. Nach Ansicht der Gewerkschaften deutet dies darauf hin, daß
sich die Organisation dem "neuen Gesicht der Arbeit", und damit den Beschäftigten
in den Schnellrestaurants zuwenden würde. Im Gesundheitsbereich sind
gerade mal eine Million der rund zwölf Millionen Beschäftigten
gewerkschaftlich organisiert. Heimpflegekräfte verdienen oft nur 5,75
Dollar (rund 6,30 Euro) in der Stunde.
OK rules Japan
Verbrechen lohnt sich doch - jedenfalls
in Japan. Ein bedeutender Mafia-Boß ist nach einem Bericht des Fernsehsenders
Fuji-Television zum zweitgrößten Aktionär der staatlichen
Fluggesellschaft Japan Airlines (JAL) aufgestiegen. Der Chef eines Tokioter
Syndikats, das mit der Yamaguchi-gumi verbunden ist, soll angeblich seit
Januar mehr als eine Million Aktien im Wert von 2,25 Millionen Euro gekauft
haben. Die Yamaguchi-gumi hat nach Polizeiangaben rund 18 300 Mitglieder.
Sie sitzt in Kobe und ist die größte organisierte Mafia-Organisation
in Japan.
Erster Kredit seit Crash
Erstmals seit dem Finanz-Crash im
vergangenen August hat Rußland Kredite mit der Weltbank (WB) vereinbart:
einen über 250 Millionen für soziale Zwecke, zwei über jeweils
400 Millionen US-Dollar für Straßenbau und Sanierung der Kohlebranche.
Bedingung: Privatisierung von mindestens 45 Prozent der Gruben und Kohleunternehmen.
Die Kredite müssen allerdings noch vom WB-Direktorenrat genehmigt
werden, und, so WB-Vizepräsident für Europa und Mittelasien,
die Auszahlung hänge von der Einschätzung der russischen Wirtschaftspolitik
durch den IWF ab. Rußland braucht das Geld u.a. für den Schuldendienst
beim IWF. 4,6 Milliarden Dollar sollen in diesem Jahr zurückgezahlt
werden.
Am Wochenende landete der russische
Präsident Boris Jelzin mal wieder im Krankenhaus. Um Fitness und Arbeitsfähigkeit
zu demonstrieren, schickte er Regierungschef Jewgeni Primakow in den Urlaub.
Alles munter mit der Junta
Wie ungetrübt das Verhältnis
Deutschlands zu Argentinien auch in den Jahren der dortigen Militärdiktatur
war, wird nun auch durch einen vertraulichen Brief des Auswärtigen
Amtes belegt. Das von der spanischen Nachrichtenagentur EFE veröffentlichte
Schreiben von Anfang Januar bestätigt, was die Angehörigen der
zwischen 1976 und 1983 verschwundenen Deutschen in Argentinien schon länger
vermuteten: Ein Mitarbeiter des argentinischen Geheimdienstes SIDE arbeitete
in dieser Zeit offiziell für die deutsche Botschaft in Buenos Aires.
Major Peirano, das räumte das Auswärtige Amt in Bonn jetzt ein,
habe als Kontaktmann zum Militärregime des damaligen Junta-Chefs Jorge
Rafael Videla fungiert. Etliche der 48 deutschen Familien, die im vergangenen
Mai Strafanzeige gegen 40 argentinische Militär-Angehörige stellten,
hatten sich an dem Major gewandt, um - wie von der Botschaft empfohlen
- Auskunft über den Verbleib ihrer verschwundenen Angehörigen
zu erhalten. In der Regel vermittelte Peirano sie dann direkt weiter -
an eine Spezialeinheit des Geheimdienstes. Und die hatte Besseres zu tun,
als beim Aufspüren der Verschwundenen zu helfen. Das Auswärtige
Amt hatte bis zur Veröffentlichung des Briefes stets argumentiert,
Aufgabe des Majors sei es gewesen, den Familien zu helfen.
Besser kein Vertrag
Genetisch veränderte Soja-Bohnen
und Mais machen derzeit etwa 90 Prozent des Welthandels mit genetisch manipulierten
Organismen aus. Aber in Cartagena, wo zehn Tage lang über ein internationales
Protokoll für Biosicherheit verhandelt wurde, verhinderten in erster
Linie die US-Gentech-Lobbyisten, daß diese Waren in die Verhandlungen
mit aufgenommen werden. Und zusammen mit Australien, Kanada, Uruguay, Argentinien
und Chile verweigerten die USA die Unterzeichnung eines Abschlußprotokolls,
das nach ihrer Ansicht eine zu große Regulierung des Handels mit
Gentech-Waren vorsah. "Kein Vertrag war besser als ein ein schlechter Vertrag,
und das war das Ergebnis", äußerte sich der Vize-Leiter der
US-Delegation. In dem Protokoll sollten weltweite Sicherheits- und Haftungsstandards
für den Handel mit genmanipulierten Produkten festgelegt werden. Die
Länder mit fortgeschrittener Gentechnologie haben sich damit gegenüber
den Entwicklungsländern durchgesetzt. Insbesondere die Entwicklungsländer
befürchten, von Gen-Produkten überschwemmt und Testfeld unangemeldeter
Freilandversuche zu werden. Bis zur nächsten Verhandlungsrunde im
Mai 200o in Nairobi bleibt erst einmal alles ungeregelt.
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Die Nachrichten wurden
von Bickel, Frieling und Landgraf zusammengestellt
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