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Inland Nachrichten
Kopf-an-Kopf-Rennen
Auch die SPD sammelt nun Unterschriften.
Zwar nicht gegen die doppelte Staatsbürgerschaft, aber gegen das Mainzer
Optionsmodell. Es stellt einen Kompromiß zwischen den im rot-grünen
Koalitionsvertrag vereinbarten Bestimmungen und der von der FDP vorgeschlagenen
Änderung des Staatsbürgerschaftsrechts dar, nach dem in Deutschland
geborene Kinder ausländischer Eltern zunächst zwei Pässe
erhalten sollen, sich aber zwischen ihrem 18. und 23. Lebensjahr für
eine Staatsangehörigkeit entscheiden müssen. Gegen diesen Vorschlag
formiert sich nun innerparlamentarischer Widerstand. Andrea Nahles, Chefin
der Jungsozialisten in der SPD, und die zum linken Parteiflügel der
Grünen zählende Annelie Buntenbach organisierten ein erstes Sit-in,
erstellten ein Flugblatt mit dem Titel "Eckpunkte unserer Integrationspolitik
und Staatsbürgerschaftsreform" und fügten eine Unterschriftenliste
an. Die "Eckpunkte" entsprechen dem ursprünglichen Entwurf des Bundesinnenministers.
Das Papier wurde bislang von 52 Mitgliedern der SPD und 13 Mitgliedern
von Bündnis 90/Die Grünen unterzeichnet. Aber, so lassen die
Grünen verlauten: "Die Unterschriftensammlung ist jedoch noch nicht
abgeschlossen." Bei der CDU/CSU auch nicht. Mal sehen, wer gewinnt.
Kein Mahnmal für Bestensee
Bestensee ist ein ganz normales
Kaff in Brandenburg, 30 Kilometer südlich von Berlin. Es hat einen
ganz normalen CDU-Vorsitzenden mit dem ganz normalen Namen Kurt Beierke,
und dieser Mann sagt gern ganz normale Sachen. Zum Beispiel, daß
in Berlin für das geplante Holocaust-Mahnmal "mehrere Millionen Mark
ausgegeben werden, nur um das schlechte Gewissen zu schüren und die
Vergangenheit nie zur Ruhe kommen zu lassen"; es könne "nicht angehen,
daß dafür gesorgt wird, Folgegenerationen weiterhin mit Schuldgefühlen
zu belasten, um weitere Wiedergutmachungsforderungen durchzusetzen": "Ich
sehe keine Notwendigkeit für ein Holocaust-Mahnmal." Von Jägerzaun
zu Jägerzaun ist so etwas ja nicht nur in Brandenburg üblich.
Aber klügere Demokraten, als Herr Beierke einer ist, schreiben es
nicht gleich als Leserbrief an die Zeitung, auch nicht an die Märkische
Allgemeine. Weil Beierke aber so überzeugt ist von seiner Bedeutung
als Ortsgruppenleiter von Bestensee, verspürte er den Drang, noch
nachzulegen. "Ist Ihnen bekannt, wer dieses Bauvorhaben fordert und warum
diese schäbige Vergangenheit wachgehalten werden soll?" Dem Reporter
der Berliner Zeitung, dem das offenbar nicht bekannt war, gab Beierke die
Antwort: Offensichtlich wolle Ignatz Bubis, der Vorsitzende des Zentralrats
der Juden in Deutschland, das Holocaust-Mahnmal durchsetzen. Jetzt sei
es aber an der Zeit zu vergessen und zu verzeihen, statt ständig erinnern
zu wollen. Da wird Ignatz Bubis aber erleichtert sein, daß ihm Kurt
Beierke verzeiht.
Mene Tekel Uparsin
Wie die Jungle World aus zuverlässiger
Quelle erfahren hat, wird die rot-grüne Koalition in Bonn im November
1999 auseinanderbrechen, weil Bundesumweltminister Jürgen Trittin
in einem Interview der Neuen Osnabrücker Zeitung gesagt haben wird:
"Nun, ob wir unseren Energiebedarf in hundert Jahren immer noch im gleichen
Maße mit Atomenergie decken wie heute, das vermag niemand zu sagen."
Mit der Begründung "Die Richtlinien der Energiepolitik bestimmt immer
noch der Bundeskanzler" wird Gerhard Schröder den Minister entlassen,
woraufhin Gesundheitsministerin Andrea Fischer in die SPD übertritt,
was ihr jedoch nichts hilft, weil Schröder ihren Posten schon Guido
Westerwelle (FDP) versprochen hat.
Wirtschaftswunderrezession
Düster beurteilt der Deutsche
Industrie- und Handelstag (DIHT), der rund 30 000 Unternehmer vertritt,
die Konjunkturaussichten. In der Herbstumfrage hatte der DIHT noch eine
Wachstumsrate von zwei Prozent vorausgesagt. Nun hat DIHT-Chef Hans Peter
Stihl das Ergebnis kräftig nach unten korrigiert - und für 1999
nur noch 1,5 Prozent oder sogar weniger prognostiziert. Auch das regierungsnahe
Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hält nur eine
Rate von 1,4 Prozent für realistisch.
Gut gelaunt blickt hingegen das
Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI)
in die Zukunft. Seiner Einschätzung nach wird in diesem Jahr die prima
Wachstumsrate von 2,8 Prozent erreicht. Das Institut geht davon aus, daß
die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen besser seien, als angenommen.
Doch selbst wenn sich die frohe Botschaft bestätigen sollte, wird
der DIHT am Ende des Jahres auf einen guten Teil seiner Mitglieder verzichten
müssen. Nach Einschätzung der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken
(BVR) wird es 1999 in Deutschland rund 28 500 Unternehmenspleiten geben.
Und wie immer trägt dazu vor allem der Osten bei. Dort erhöht
sich die Zahl der Konkurse vermutlich um acht Prozent.
German History X
Der Präsident des Deutschen
Bundestages, Wolfgang Thierse, hat einen Vorschlag gemacht: Der Reichstag
solle, ginge es nach ihm, zukünftig "Plenargebäude" heißen.
Mit der Beibehaltung der alten Bezeichnung entstünde eine Assoziation
zum Reich, das nicht mehr existiere. Dem deutschen Volke und seinen Vertretern
sind derlei Assoziationen zwar nicht fremd, sie führen aber in der
Regel keinesfalls zu Befremden. Die Volksvertreter standen daher auf, und
der Sturm brach los: "Den Reichstag umzubenennen ist ein Stück Geschichtslosigkeit",
erregte sich der Berliner CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus-Rüdiger Landowsky;
der SPD-Spitzenkandidat zu den Abgeordnetenhauswahlen, Walter Momper, gab
zu Protokoll, der Reichstag sei "kein funktionaler Zweckbau", und der Parlamentarische
Geschäftsführer der Berliner CDU, Volker Liepelt, bekannte: "Ich
habe kein Problem mit dem Namen. Der Reichstag hat von seiner Gründung
her ein demokratisches Fundament." Den Schlußstein des von Paul Wallot
entworfenen Gebäudes hat 1894 am damaligen Königsplatz ein Demokrat
vom Schlage Liepelts gelegt: Kaiser Wilhelm II.
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Die Nachrichten wurden
von Dietl, Brandt und Jordan zusammengestellt
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