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24. Februar 1999 Jungle World

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Mit "Jets - Leben am Limit" startet Pro 7 die erste richtig bundeswehrtaugliche Serie im deutschen Fernsehen

Bislang waren deutsche Fernsehserien weitgehend bundeswehrfrei. Zwar war die Truppe in Politmagazinen regelmäßg ein Thema, anders als die Army in den USA gab der Bund jedoch zu keinem Zeitpunkt Stoff für Deutschlands TV-Unterhaltung ab; der Soldat oder Wehrpflichtige spielte als Figur im deutschen Film oder Fernsehen einfach keine Rolle, bis auf wenige Ausnahmen wie z.B. den von Til Schweiger in der "Lindenstraße" gespielten Rekruten. Besser geeignet als der Wehrpflichtige war da schon der Zivildienstleistende, der als Sympathieträger in der ZDF-Ärzte-Serie "Schwarzwaldklinik" eingeführt wurde, was zur Folge hatte, daß Zivildienstleistende schließlich in fast allen Serien vorkamen. 

Anfang der Neunziger begann das große serielle Berufe-Nachspielen. Der Alltag von Krankenschwestern, Pastoren, Taxifahrerinnen, Ärzten, Journalistinnen oder Modeschöpfern wurde in jeweils mindestens sechs Folgen präsentiert, bis schließlich den Sendern die Professionen auszugehen drohten. Erstmals kam jetzt auch die Bundeswehr als möglicher Schauplatz in Betracht, zumal diese massives Interesse hatte, ihre gewandelte Bedeutung auch im Serienformat publik zu machen, und Unterstützung bei den Dreharbeiten anbot. Die ARD startete Anfang der Neunziger "Nicht von schlechten Eltern", eine Familien-Serie um Marineangehörige, und im ZDF wurden die "Rettungsflieger" aktiv. Im Unterschied zu der in dieser Woche auf Pro 7 gestarteten Staffel "Jets - Leben am Limit" ging es bei beiden Serien jedoch relativ unaggressiv zu. 

Mit dem Soldatenalltag haben diese dem Image der Bundeswehr verpflichteten Produktionen natürlich nichts zu tun, die enervierende Ödnis des Wehrpflichtigen-Daseins wird tunlichst nicht gezeigt. Die Darstellung stupiden Drills, langweiliger Büroarbeiten und abendlicher Alkoholexzesse würde vom Verteidigungsministerium wohl auch nicht unterstützt - und die Bundeswehr stellt, wenn auch gegen Honorar, wie immer wieder versichert wird, Drehorte und teure Technik zur Verfügung. War bisher bestenfalls harmlose Unterhaltung entstanden, ist mit "Jets" die erste bundeswehrverherrlichende Serie abgedreht, die sich an entsprechenden US-Formaten zu orientieren versucht. 

Damit Andreas Elsholz ("Gute Zeiten, schlechte Zeiten"), der Star in "Jets", und seine Kumpels nicht über den wenig imageträchtigen Waldgebieten Mecklenburg-Vorpommerns ihre Übungsrunden fliegen müssen, wurde die Ausbildung der Kampfpiloten vor allem in die USA verlegt. Ob es nun allerdings wirklich so weit kommt, daß nach Serienende massenweise junge Männer zum Bund wollen, darf bezweifelt werden. Denn "Jets" besteht nicht nur aus als Action getarnten Handlungen von geradezu exorbitanter Blödsinnigkeit, sondern sieht derartig aufdringlich nach Reklame aus, daß eigentlich wie beim "Glücksrad" das Signet "Dauerwerbesendung" eingeblendet werden müßte: Schöne junge Männer stehen, unterlegt mit Werbejingle-Musik, mit dem konzentrierten Gesichtsausdruck von schönen jungen Männern, die genau wissen, was sie tun, derart penetrant um das in schöner Landschaft plazierte militärische Gerät herum, daß der aufgeklärte Konsument sofort weiß, daß es sich hier einfach nur um ein unseriöses Angebot handeln kann. 

Noch dilettantischer geht es bei den Dialogen zu. Der in "Jets" hauptsächlich gesprochene Jargon ist zwar aus alten Schwarz-weiß Filmen bekannt, aber aktuell wird der Wehrmachts-Slang kaum mehr gesprochen. Neben penetrantem Jawoll-Sagen werden immer wieder die Schwierigkeiten betont, die eben nur echte Männer mit festem Willen wirklich meistern könnten. "Die Auslese ist hart", erklärt der Ausbilder beispielsweise den versammelten jungen Männern, die gemeinsam mit den Serienhelden Robin Amberg (Andreas Elsholz), Frank Jäger (Jim Boeven) und Philip Klein (Frank Jordan) Jet-Piloten werden und damit zur "Eliteeinheit der deutschen Bundeswehr gehören" wollen. "Hier wird Ihnen nichts geschenkt. Ihre Zukunft liegt in Ihren Händen!" fährt er im Kasernenhofton fort, "auch wenn Sie alle davon träumen, Pilot zu werden, wird es für viele genau das bleiben: Ein Traum." Die Piloten in spe nicken dazu gefaßt. Denn ihnen ist klar: "Richtig fliegen lernt man nur bei der Luftwaffe." Zivile Piloten sind dagegen der letzte Dreck, und damit das auch wirklich jeder begreift, gibt es jede Menge Lufthansa-Witzchen: "Was glauben Sie, bilden wir hier aus? Fahrradkuriere? Lufthansapiloten?" Serienfüllend ist so etwas nicht. 

Da die hierarchische Männerwelt des Bundes wenig Stoff für fernsehtaugliche Konflikte liefert, müssen Robin, Frank und Philip in gängige private Schwierigkeiten verwickelt werden. Robins Problem ist die Witwe seines Vaters, die junge, reiche, blonde Stiefmutter, die ihn immer wieder zu verführen versucht und ihn ständig in Schwierigkeiten bringt. Frank muß Fliegerei und Familie unter einen Hut bringen, während aus Phils Traum von der Fliegerei erstmal nichts wird. Er darf fortan nur noch Dienst am Boden tun, aber seine Arbeit dort ist für die beiden anderen sehr wichtig, weshalb er auch weiterhin dazugehört. Denn obwohl extrem unterschiedlich, werden die drei Männer doch ein Team, echte Kameraden, deren gemeinsame Liebe zum Flugzeug alle Unterschiede belanglos werden läßt. 

Und die Liebe ist groß: "Sie sehen so sanft und verführerisch aus!" - "Da muß ich Dir recht geben, sie sind so, so einfach wunderschön!" schwärmen Robin und Frank beim Anblick der im Sonnenuntergang rosa leuchtenden Maschinen. Junge Wehrpflichtige, die keinen Sinn für die Erotik von Kampfjets haben, sind dennoch als potentielle Zuschauer noch nicht unbedingt verloren, denn die Piloten sind auch außerhalb der Cockpits tolle Kerle. 

Phil ("Andere Länder, andere Titten") fallen zum Beispiel immer wieder tolle Sprüche ein, um Frauen anzumachen: "Ich wollte mich entschuldigen, daß ich dich vorhin so angestarrt habe, aber ich hab mir vorgestellt, daß wir in 3 000 Metern Höhe Liebe machen!" erklärt er etwa einer Frau, die daraufhin bewundernd haucht: "Du hast ja Phantasie!" Phils bei der Truppe kultiviertem Charme kann keine widerstehen, zumal er auch am Morgen danach durch unerhörte Feinfühligkeit glänzt: "Hier ist Taxigeld - übrigens, letzte Nacht war megamäßig. Danke Eva." - "Ich heiße Ina!" 

En passant gelingt es "Jets" auch noch, in neun Folgen die Frage nach dem Sinn der Bundeswehr zu klären, wobei die Serie mit der Realität der Bundeswehr und ihren neuen Aufgabenstellungen allerdings nicht Schritt halten kann, denn die Helden müssen nicht nur Jets fliegen, sich vom Vorgesetzten anschreien lassen und abends gemeinsam Bier trinken, sondern vor allem ständig Probleme lösen, die ihnen von unfähigen Zivilisten eingebrockt werden. Zum Beispiel gegen Hochwasser kämpfen (Folge 1) oder die Kriminalität besiegen (Folge 2). Hier treibt "Roman Schwarz, kaltblütiger Gangster" (Pro 7-Info) sein Unwesen, aber wirklich fürchten muß sich der Zuschauer vor dem Mann nicht, denn der Pressetext klärt über den Darsteller Leirich auf: "Sein Name klingt fremdländisch, doch Silvan-Pierre Leirich wurde in Hannover geboren und besuchte die Schauspielschule München." 

In der dritten Folge kommt es zu einem Duell in den Alpen mit einem dubiosen Anlagebetrüger. Dann müssen die Jungs Hilfsdienste für den MAD leisten, um groß angelegten Waffenschiebereien auf die Spur zu kommen (Folge 4), Computer-System-Fehler und ihre kriminellen Hintergründe entlarven (Folge 5), illegale Söldnertruppen aufspüren (Folge 6), sich mit der sizilianischen Mafia anlegen (Folge 7, Robins Stiefmutter wird entführt), Umweltschweinereien bereinigen (Folge 8) und einen Dog-Fight bestehen (Folge 9). Die noch fehlenden Themen (Kindesmißbrauch, Drogen, Steuererhöhungen und Kurden) werden in der nächsten Staffel sicherlich nachgereicht. 

  •  Elke Wittich 
"Jets", dienstags, 20.15 Uhr, Pro 7
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