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Werbung für Jawoll
Mit "Jets - Leben am Limit" startet
Pro 7 die erste richtig bundeswehrtaugliche Serie im deutschen Fernsehen
Bislang waren deutsche Fernsehserien
weitgehend bundeswehrfrei. Zwar war die Truppe in Politmagazinen regelmäßg
ein Thema, anders als die Army in den USA gab der Bund jedoch zu keinem
Zeitpunkt Stoff für Deutschlands TV-Unterhaltung ab; der Soldat oder
Wehrpflichtige spielte als Figur im deutschen Film oder Fernsehen einfach
keine Rolle, bis auf wenige Ausnahmen wie z.B. den von Til Schweiger in
der "Lindenstraße" gespielten Rekruten. Besser geeignet als der Wehrpflichtige
war da schon der Zivildienstleistende, der als Sympathieträger in
der ZDF-Ärzte-Serie "Schwarzwaldklinik" eingeführt wurde, was
zur Folge hatte, daß Zivildienstleistende schließlich in fast
allen Serien vorkamen.
Anfang der Neunziger begann das
große serielle Berufe-Nachspielen. Der Alltag von Krankenschwestern,
Pastoren, Taxifahrerinnen, Ärzten, Journalistinnen oder Modeschöpfern
wurde in jeweils mindestens sechs Folgen präsentiert, bis schließlich
den Sendern die Professionen auszugehen drohten. Erstmals kam jetzt auch
die Bundeswehr als möglicher Schauplatz in Betracht, zumal diese massives
Interesse hatte, ihre gewandelte Bedeutung auch im Serienformat publik
zu machen, und Unterstützung bei den Dreharbeiten anbot. Die ARD startete
Anfang der Neunziger "Nicht von schlechten Eltern", eine Familien-Serie
um Marineangehörige, und im ZDF wurden die "Rettungsflieger" aktiv.
Im Unterschied zu der in dieser Woche auf Pro 7 gestarteten Staffel "Jets
- Leben am Limit" ging es bei beiden Serien jedoch relativ unaggressiv
zu.
Mit dem Soldatenalltag haben diese
dem Image der Bundeswehr verpflichteten Produktionen natürlich nichts
zu tun, die enervierende Ödnis des Wehrpflichtigen-Daseins wird tunlichst
nicht gezeigt. Die Darstellung stupiden Drills, langweiliger Büroarbeiten
und abendlicher Alkoholexzesse würde vom Verteidigungsministerium
wohl auch nicht unterstützt - und die Bundeswehr stellt, wenn auch
gegen Honorar, wie immer wieder versichert wird, Drehorte und teure Technik
zur Verfügung. War bisher bestenfalls harmlose Unterhaltung entstanden,
ist mit "Jets" die erste bundeswehrverherrlichende Serie abgedreht, die
sich an entsprechenden US-Formaten zu orientieren versucht.
Damit Andreas Elsholz ("Gute Zeiten,
schlechte Zeiten"), der Star in "Jets", und seine Kumpels nicht über
den wenig imageträchtigen Waldgebieten Mecklenburg-Vorpommerns ihre
Übungsrunden fliegen müssen, wurde die Ausbildung der Kampfpiloten
vor allem in die USA verlegt. Ob es nun allerdings wirklich so weit kommt,
daß nach Serienende massenweise junge Männer zum Bund wollen,
darf bezweifelt werden. Denn "Jets" besteht nicht nur aus als Action getarnten
Handlungen von geradezu exorbitanter Blödsinnigkeit, sondern sieht
derartig aufdringlich nach Reklame aus, daß eigentlich wie beim "Glücksrad"
das Signet "Dauerwerbesendung" eingeblendet werden müßte: Schöne
junge Männer stehen, unterlegt mit Werbejingle-Musik, mit dem konzentrierten
Gesichtsausdruck von schönen jungen Männern, die genau wissen,
was sie tun, derart penetrant um das in schöner Landschaft plazierte
militärische Gerät herum, daß der aufgeklärte Konsument
sofort weiß, daß es sich hier einfach nur um ein unseriöses
Angebot handeln kann.
Noch dilettantischer geht es bei
den Dialogen zu. Der in "Jets" hauptsächlich gesprochene Jargon ist
zwar aus alten Schwarz-weiß Filmen bekannt, aber aktuell wird der
Wehrmachts-Slang kaum mehr gesprochen. Neben penetrantem Jawoll-Sagen werden
immer wieder die Schwierigkeiten betont, die eben nur echte Männer
mit festem Willen wirklich meistern könnten. "Die Auslese ist hart",
erklärt der Ausbilder beispielsweise den versammelten jungen Männern,
die gemeinsam mit den Serienhelden Robin Amberg (Andreas Elsholz), Frank
Jäger (Jim Boeven) und Philip Klein (Frank Jordan) Jet-Piloten werden
und damit zur "Eliteeinheit der deutschen Bundeswehr gehören" wollen.
"Hier wird Ihnen nichts geschenkt. Ihre Zukunft liegt in Ihren Händen!"
fährt er im Kasernenhofton fort, "auch wenn Sie alle davon träumen,
Pilot zu werden, wird es für viele genau das bleiben: Ein Traum."
Die Piloten in spe nicken dazu gefaßt. Denn ihnen ist klar: "Richtig
fliegen lernt man nur bei der Luftwaffe." Zivile Piloten sind dagegen der
letzte Dreck, und damit das auch wirklich jeder begreift, gibt es jede
Menge Lufthansa-Witzchen: "Was glauben Sie, bilden wir hier aus? Fahrradkuriere?
Lufthansapiloten?" Serienfüllend ist so etwas nicht.
Da die hierarchische Männerwelt
des Bundes wenig Stoff für fernsehtaugliche Konflikte liefert, müssen
Robin, Frank und Philip in gängige private Schwierigkeiten verwickelt
werden. Robins Problem ist die Witwe seines Vaters, die junge, reiche,
blonde Stiefmutter, die ihn immer wieder zu verführen versucht und
ihn ständig in Schwierigkeiten bringt. Frank muß Fliegerei und
Familie unter einen Hut bringen, während aus Phils Traum von der Fliegerei
erstmal nichts wird. Er darf fortan nur noch Dienst am Boden tun, aber
seine Arbeit dort ist für die beiden anderen sehr wichtig, weshalb
er auch weiterhin dazugehört. Denn obwohl extrem unterschiedlich,
werden die drei Männer doch ein Team, echte Kameraden, deren gemeinsame
Liebe zum Flugzeug alle Unterschiede belanglos werden läßt.
Und die Liebe ist groß: "Sie
sehen so sanft und verführerisch aus!" - "Da muß ich Dir recht
geben, sie sind so, so einfach wunderschön!" schwärmen Robin
und Frank beim Anblick der im Sonnenuntergang rosa leuchtenden Maschinen.
Junge Wehrpflichtige, die keinen Sinn für die Erotik von Kampfjets
haben, sind dennoch als potentielle Zuschauer noch nicht unbedingt verloren,
denn die Piloten sind auch außerhalb der Cockpits tolle Kerle.
Phil ("Andere Länder, andere
Titten") fallen zum Beispiel immer wieder tolle Sprüche ein, um Frauen
anzumachen: "Ich wollte mich entschuldigen, daß ich dich vorhin so
angestarrt habe, aber ich hab mir vorgestellt, daß wir in 3 000 Metern
Höhe Liebe machen!" erklärt er etwa einer Frau, die daraufhin
bewundernd haucht: "Du hast ja Phantasie!" Phils bei der Truppe kultiviertem
Charme kann keine widerstehen, zumal er auch am Morgen danach durch unerhörte
Feinfühligkeit glänzt: "Hier ist Taxigeld - übrigens, letzte
Nacht war megamäßig. Danke Eva." - "Ich heiße Ina!"
En passant gelingt es "Jets" auch
noch, in neun Folgen die Frage nach dem Sinn der Bundeswehr zu klären,
wobei die Serie mit der Realität der Bundeswehr und ihren neuen Aufgabenstellungen
allerdings nicht Schritt halten kann, denn die Helden müssen nicht
nur Jets fliegen, sich vom Vorgesetzten anschreien lassen und abends gemeinsam
Bier trinken, sondern vor allem ständig Probleme lösen, die ihnen
von unfähigen Zivilisten eingebrockt werden. Zum Beispiel gegen Hochwasser
kämpfen (Folge 1) oder die Kriminalität besiegen (Folge 2). Hier
treibt "Roman Schwarz, kaltblütiger Gangster" (Pro 7-Info) sein Unwesen,
aber wirklich fürchten muß sich der Zuschauer vor dem Mann nicht,
denn der Pressetext klärt über den Darsteller Leirich auf: "Sein
Name klingt fremdländisch, doch Silvan-Pierre Leirich wurde in Hannover
geboren und besuchte die Schauspielschule München."
In der dritten Folge kommt es zu
einem Duell in den Alpen mit einem dubiosen Anlagebetrüger. Dann müssen
die Jungs Hilfsdienste für den MAD leisten, um groß angelegten
Waffenschiebereien auf die Spur zu kommen (Folge 4), Computer-System-Fehler
und ihre kriminellen Hintergründe entlarven (Folge 5), illegale Söldnertruppen
aufspüren (Folge 6), sich mit der sizilianischen Mafia anlegen (Folge
7, Robins Stiefmutter wird entführt), Umweltschweinereien bereinigen
(Folge 8) und einen Dog-Fight bestehen (Folge 9). Die noch fehlenden Themen
(Kindesmißbrauch, Drogen, Steuererhöhungen und Kurden) werden
in der nächsten Staffel sicherlich nachgereicht.
"Jets", dienstags, 20.15 Uhr, Pro 7 |