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Ausland Nachrichten
Liebe Hillary Clinton,
das war ja ganz schön gemein,
daß Dein Mann sich ausgerechnet von seiner Praktikantin einen blasen
ließ. Schlimmer aber war, daß Du gar nicht mitbestimmen durftest,
ob er nun die Wahrheit gesagt hatte oder nicht. Die alten Männer im
US-amerikanischen Senat grübelten und debattierten, schauten sich
stundenlang Videos dazu an, und Du mußtest das hilf- und tatenlos
mitansehen. Damit ist jetzt Schluß. Du wirst Dir bald auch Videos
im Senat anschauen können. Deine Chancen stehen gut. Der Demokrat
Daniel Patrick Moynihan ist nämlich viel zu alt, um nächstes
Jahr erneut für den Staat New York in den Senat einzuziehen. Dieser
Posten gibt Dir dann nachträglich jene Macht, die Dir als Ehefrau
versagt geblieben ist: Deinem Mann auch öffentlich eine Ohrfeige zu
verpassen.
Bill ist einverstanden.
Himalajische Teetrinker
Kaum zu glauben. Der pakistanische
und indische Staatschef haben sich getroffen, ohne daß Atombomben
als Salut gezündet worden wären. Zwar mußte die pakistanische
Polizei massiv gegen die Demonstranten vorgehen, die gewalttätig den
Besuch des indischen Ministerpräsidenten Atal Behari Vajpayee in Lahore
verhindern wollten. Aber die Busreise Vajpayees durch das von beiden Erzfeinden
beanspruchte Gebiet fand dennoch statt.
Grund: Druck der USA, denen irgendwie
ungeheuer ist, daß die beiden Staaten demnächst ihre Atomwaffenversuche
oberirdisch fortsetzen könnten, weil zufälligerweise ein Grenzposten
irgendwo im Himalaja Haschisch-Hallus hat und falsche Infos in die Hauptstadt
funkt. Schon verständlich von den USA zu drohen, den Geldhahn zuzudrehen,
um den Kaschmir-Konflikt nicht weiter eskalieren zu lassen, der bereits
zwei Kriege und unzählige Terroraktionen von radikalen Hindus und
Moslems zur Folge hatte. Ob aber Vajpayee, Chef der nationalistischen Hindupartei
BJP, und Pakistans Präsident Nawaz Sharif, unter dessen Führung
der Einfluß sowohl des Militärs als auch des fundamentalistischen
Islam wächst, die richtigen Figuren sind, die brutale Ethnisierung
des Sozialen zu beenden, darf getrost bezweifelt werden. Eines aber ist
so makaber wie sicher: Ohne die erfolgreichen Atomwaffen-Tests beider Staaten
hätten deren Führer niemals den nötigen Respekt voreinander
bekommen, gemeinsam Tee zu schlürfen.
Südafrikanische Wahrheiten
In Südafrika gibt es eine Institution,
die dafür sorgt, daß Verbrecher nicht verurteilt werden. Das
klingt einfach, ist aber eine mühselige Arbeit. Der Amnestieausschuß
der Wahrheitskommission (TRC) muß nämlich zunächst einmal
7147 Gesuche auf Straffreiheit behandeln. Nur wer die volle Wahrheit sagt
und ein politisches Motiv vorweisen kann, kommt ungeschoren davon. Ende
Oktober 1998 hatte der Vorsitzende der Kommission, Erzbischof Desmond Tutu,
den Abschlußbericht der seit 1996 arbeitenden Kommission Präsident
Nelson Mandela übergeben. Fazit: Der Apartheidstaat sei ein System
gegen die Menschlichkeit gewesen.
Sowohl der Ex-Staatspräsident
Pieter Willem Botha und andere ehemalige Regierungsmitglieder als auch
der African National Congress (ANC) sind für die schweren Menschenrechtsverletzungen
verantwortlich gemacht worden. Botha weigerte sich bisher, vor dem Ausschuß
auszusagen. Das hätte er nicht tun dürfen, denn darauf reagierten
die Kommissionsmitglieder allergisch, und er wurde zu einer Haftstrafe
auf Bewährung verurteilt.
Der Abschlußbericht stellte
aber keinen Abschluß dar. Bis Ende März soll nun der abschließende
Abschlußbericht fertig sein. Dummerweise wird man diesen Termin nicht
einhalten können, man hofft aber, bis Mitte des Jahres soweit zu sein.
Schließlich belastet das nationale schlechte Gewissen das tägliche
Leben. Und deshalb ist es wichtig, daß bald ein Schlußstrich
gezogen wird.
Russische Extremistenbekämpfer
Seit Anfang Februar wird in Rußland
die sogenannte Extremistenbekämpfung geübt. Der Moskauer Bürgermeister,
der potentielle Präsidentschaftskandidat Juri Luschkow, sprach sich
für hartes Durchgreifen gegen "Manifestationen von Extremismus in
jeder Form" aus. Zur Begründung konnten die Behörden auf einen
Moskauer Aufmarsch von rund 200 Mitgliedern der ultranationalistischen
Formation "Russische Nationale Einheit" von Alexander Barkaschow Ende Januar
verweisen.
Aber es gibt auch andere Zielgruppen.
Anfang Februar durchsuchte der KGB-Nachfolger FSB die Moskauer Wohnungen
von zwei Umweltaktivisten, Vlad Tupikin aus Rußlands größter
Umweltorganisation Sozial-Ökologische Union sowie Larisa Schiptsowa
aus der linksradikalen Ökoszene. Schiptsowa wurde mittlerweile nach
Krasnodar verfrachtet. Dort waren im November zwei junge Leute, Maria Randina
und Gennadij Nepschikujew, verhaftet worden, gegen die eine Anklage wegen
Waffen- und Sprengstoffbesitzes läuft. Ihnen wird vorgeworfen, die
Ermordung des Gouverneurs von Krasnodar, Nikolai Kondratenko, geplant zu
haben. Der ist einer der profiliertesten Antisemiten Rußlands und
bekannt für seine sympathisierende Haltung gegenüber den ultranationalistischen
Gruppierungen, die in seinem Gebiet florieren. Schiptsowas Anwalt vermutet,
der FSB werde seine Mandantin in Krasnodar der gleichen Vergehen beschuldigen
wie Randina und Nepschikujew.
Blutige Öko-Bohnen
In hiesigen Bioläden findet
mexikanischer Biokaffee mit dem Transfair-Siegel bei einer finanzkräftigen
KäuferInnenschicht guten Absatz. Manche KäuferInnen glauben mit
dem Kauf tatsächlich, "die Menschen in der 3. Welt" zu unterstützen.
Dabei unterstützten sie den staatlichen Terror in der südmexikanischen
Provinz Chiapas. Darauf wiesen TeilnehmerInnen der Chiapas-Kaffee-Kampagne
auf einem Treffen am vorvergangenen Wochenende in Berlin hin. Der von der
Firma Lebensbaum vertriebene Biokaffee wird im Genossenschaftsverband Otilio
Montana (Udepom) produziert, der nach Angaben von Menschenrechtsgruppen
eine zentrale Rolle im Aufstandsbekämpfungskonzept der mexikanischen
Regierung gegen die zapatistische Bewegung spielt.
Demnach ist die Genossenschaft Teil
des regierungstreuen chiapanekischen Verbandes Sociedad Campesino Magisterial
(Socama). Deren paramilitärischer Arm "Paz y Justicia" ("Frieden und
Gerechtigkeit") wird für den Tod von über 300 Oppositionellen
verantwortlich gemacht. Auch die Vertreibung von EZLN-nahen Campesinos,
die Vernichtung ihrer Ernte sowie Folterungen und Vergewaltigungen gehen
auf das Konto der Todesschwadron. Ende der achtziger Jahre wurde Socama
als "Lehrer-Bauern-Solidarität" von maoistischen Lehrern gegründet,
wurde aber schnell von der mexikanischen Regierungspartei PRI integriert.
Heute besitzt der Verband gute Kontakte zur mexikanischen Regierung und
zum Justizapparat.
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Die Meldungen wurden von
Beier, Brandt, Nowak und Rother zusammengestellt
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