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G7 lehnen Zielzonen ab
Freiheit für die Wechselkurse
Von Friedrich Geiger
Auf dem G7-Treffen am letzten Wochenende
bei Bonn mußte Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine eine Schlappe
einstecken: Er konnte sich wie erwartet mit seinem Vorschlag, Wechselkurs-Zielzonen
für Euro, Dollar und Yen einzurichten, nicht durchsetzen. Während
seine Amtskollegen aus Frankreich und Japan die Idee, die Schwankungen
des Werts der drei wichtigsten Währungen einzudämmen, unterstützen,
sind die USA und Großbritannien strikt dagegen.
Einig sind sich Freunde wie Gegner
von Wechselkurs-Zielzonen hingegen in ihrem Bemühen, den Eindruck
zu erwecken, Gegenstand der Diskussion sei die Frage, ob eine solche Einrichtung
tatsächlich Wirtschaftskrisen verhindern kann. Tatsächlich spiegelt
die Auseinandersetzung nur den Grundkonflikt zwischen der neoklassischen
- auch neoliberal genannten - Wirtschaftstheorie und der keynesianischen
Schule wider.
Den Angelsachsen, seit 20 Jahren
leidenschaftliche Verfechter des Neoliberalismus, geht es in Wirklichkeit
hauptsächlich darum, staatliche Regulierungen zu verhindern. Sie empfinden
jeden Versuch, die totale Herrschaft des Kapitals einzuschränken,
als Angriff auf die persönliche Freiheit. Ursache für eine Krise,
so die Ideologie, sei immer interessenpolitisch bedingtes Fehlverhalten;
wenn man die Marktkräfte nur frei spielen lasse, dann klappe alles
prima.
Die Keynesianer hingegen haben immerhin
erkannt, daß der Kapitalismus an sich krisenhaft ist, und möchten
Depressionen mit staatlichen Maßnahmen vermeiden. Doch was kann eine
Wechselkurs-Zielzone zwischen Euro und Dollar dazu beitragen? Die Binnenmärkte
Westeuropas und der USA sind so groß, daß der Handel zwischen
den beiden Kontinenten ohnehin nicht so stark ins Gewicht fällt. Auch
waren es nicht die Giganten der Weltwirtschaft - um deren Währungen
es bei der gegenwärtigen Debatte geht -, sondern gerade Schwellenländer,
die in letzter Zeit in eine Krise gerieten. Und Brasilien, Rußland
und die südostasiatischen Tigerstaaten hatten ihre Währungen
an den Dollar gebunden, als sie ins Trudeln gerieten.
Zudem sind viele Fragen, die mit
einer solchen Zielzone zusammenhängen, noch offen: Zunächst einmal
muß ein Tauschverhältnis gefunden werden, um das der Kurs dann
oszilliert. Ein geeignetes Verfahren, wie dieses Verhältnis zu bestimmen
ist, existiert jedoch nicht. Wenn ein ungeeigneter Mittelkurs festgesetzt
wird, kann dieser nur mit finanziell sehr aufwendigen Stützkäufen
verteidigt werden; denn jeden Tag werden Währungen im Wert von über
einer Billion Mark getauscht.
Bei einem Tagesordnungspunkt jedoch
konnten sich auch die US-amerikanischen Angebotstheoretiker für ein
keynesianisches Konzept begeistern. Europa und Japan sollen die Binnennachfrage
ankurbeln.
Bei genauerem Hinsehen ist die Einigung
jedoch gar nicht mehr verwunderlich: Lafontaine ist über diesen Beschluß
glücklich, weil er Kaufkraftsteigerungen ohnehin für das Allheilmittel
hält. Und die US-amerikanischen Fans der Angebotstheorie können
mit dem Beschluß ebenfalls zufrieden sein, weil die Nachfragesteigerung
ja nicht auf Kosten des US-Staatshaushalts geht. Würde die US-Regierung
mehr ausgeben, so würden sie die Befürchtung äußern,
daß das Geld in der globalisierten Weltwirtschaft versickere. Wenn
aber die europäischen Mehrausgaben auch ein wenig die Nachfrage nach
US-Produkten erhöhen - dagegen haben die angelsächsischen Angebotstheoretiker
natürlich nichts.
Letztendlich wurde von dem Gedanken
einer politischen Regulierung der internationalen Finanzmärkte Abstand
genommen, um ein "Forum für Finanzstabilität" zu installieren
- ein Vorschlag von Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer. Es soll, so
Tietmeyers Aussage, die Zusammenarbeit nationaler und internationaler Aufsichtsbehörden
bündeln und so dafür sorgen, daß die Finanzinstitute bestimmten
Qualitätsansprüchen genügen. Nach den Crashs des letzten
Jahres erinnert allerdings schon allein der Name dieses Dings an Gesundbeterei.
Aber: "Das Forum wird dazu beitragen, Krisen in Zukunft zu vermeiden",
meinte Tietmeyer dazu.
Das hat er schön gesagt. |