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Inland Nachrichten
Gerechtigkeit I
Nach 21 Jahren Haft soll am 1. März
der ehemalige RAF-Mann Stefan Wisniewski freigelassen werden. Weil er sich
glaubhaft vom Terrorismus distanziert habe, so urteilte das Oberlandesgericht
Düsseldorf, könne der Rest der Strafe zur Bewährung ausgesetzt
werden. Wisniewski, der 1977 an der Entführung und Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten
und früheren SS-Mannes Hanns-Martin Schleyer beteiligt gewesen war,
war von demselben Gericht am 4. Dezember 1981 wegen zweifachen Mordes,
erpresserischen Menschenraubes, Geiselnahme, versuchter schwerer räuberischer
Erpressung, versuchter Nötigung eines Verfassungsorgans und Mitgliedschaft
in einer terroristischen Vereinigung zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt
worden.
Gerechtigkeit II
Ende April wird in Stuttgart ein
ehemaliger Gestapo-Mann vor das Landgericht gestellt. Er soll am 3. November
1943 an der Erschießung von 17 000 Menschen - die meisten von ihnen
Juden - im Vernichtungslager Majdanek beteiligt gewesen sein. 500 Menschen
soll er allein an diesem Tag selbst erschossen haben. Im Raum Lwow (Lemberg)
und Lublin soll der aus der Ukraine stammende Mann, der 1991 die deutsche
Staatsangehörigkeit erhielt, sich darüber hinaus der Beihilfe
zum Mord in weiteren 45 000 Fällen schuldig gemacht haben. Da der
Freiwillige des Sicherheitspolizeikommandos Lemberg "in den untersten Bereich
der Befehlshierarchie eingeordnet und nicht aus eigener Initiative tätig
geworden" sei, verzichtete die Staatsanwaltschaft Stuttgart bereits im
voraus auf eine Anklage wegen Mordes. Die Anklage lautet nun auf Beihilfe
zum Mord.
Gerechtigkeit III
Der von der Bundesregierung und
der deutschen Wirtschaft vorgesehene Entschädigungsfonds stößt
auf massive Kritik. Ehemalige NS-Zwangsarbeiter aus Polen und der Ukraine
schließen Klagen gegen deutsche Unternehmen nicht aus, wenn es für
sie nicht zu einer befriedigenden Lösung kommt. In einem Zeitungsbericht
war der Spitzenmanager eines großen deutschen Konzerns mit der Aussage
zitiert worden, daß die Opfer im Osten nicht mit Almosen abgespeist
werden dürften, die Währungsparität aber berücksichtigt
werden müsse. Demnach müßten Betroffene in Mittel- und
Osteuropa mit weniger Geld rechnen als beispielsweise ehemalige Zwangsarbeiter
in den USA.
SPD: Nein zur doppelten Staatsbürgerschaft
Knapp zwei Wochen nach der Wahlniederlage
der rot-grünen Koalition in Hessen hat sich die Bundes-SPD auch offiziell
vom einstigen Gesetzentwurf zur doppelten Staatsbürgerschaft verabschiedet.
Nach einer Sitzung der Fraktionsführer aus Bund und Landesparlamenten
kündigte Bundestags-Fraktionschef Peter Struck am Freitag vergangener
Woche an, die SPD werde künftig eine sogenannte Optionslösung
vertreten. Einen solchen Entwurf, bei dem sich die Kinder von Einwanderern
mit Erreichen der Volljährigkeit entscheiden müssen, ob sie künftig
nur noch die deutsche Staatsbürgerschaft oder nur noch die des Herkunftslandes
ihrer Eltern behalten wollen, hatte noch in der letzten Legislaturperiode
die FDP eingebracht. Die SPD will sich an einem weiteren Entwurf orientieren,
den die SPD-FDP-Koalition in Rheinland-Pfalz ausgearbeitet hat und der
eine Alterbegrenzung auf 23 Jahre vorsieht. Es sei aber, so Struck, noch
nicht sicher, ob es bei diesem Alter bleiben werde. Noch im Februar werde
Innenminister Otto Schily einen Gesetzentwurf vorstellen.
Fiskalmathematik
Minus 22 Milliarden aus dem Karlsruher
Familienurteil plus minus 20 Milliarden sogenanntes strukturelles Defizit
macht 42 Milliarden Miese pro Jahr. Plus 45 Milliarden aus der dreiprozentigen
Erhöhung der Mehrwertsteuer gibt plus 3 Milliarden. Minus 30 Milliarden
für die Unternehmen (wg. Hessen u. Bundesrat) macht minus 27 Milliarden.
Geteilt durch 0,06 Mark Mineralölsteuer-Erhöhung gibt 450 Milliarden
Liter Benzin. Geteilt durch 80 Millionen Bundesbürger macht 5 625
Liter. Geteilt durch 365 Tage gibt 15,41 Liter. Mal 100/3 macht 513,7 Kilometer.
Mal 100/8 macht nur 192,6. Und da wundern Sie sich, warum das Drei-Liter-Auto
noch nicht kommt.
Konkurrenz belebt das Geschäft
Der Preiskampf auf dem Telekommunikationsmarkt
hat seine Fortsetzung bei den Anbietern von Internet-Zugängen und
Online-Diensten gefunden. Als Unternehmen wie Talkline und Arcor auf die
Idee kamen, über ihre Telefonnetze Internet-Zugänge ohne Benutzerregistrierung
zum Preis eines Ferngesprächs - um die neun Pfennige pro Minute also
- anzubieten, sah die Telekom-Tochter T-Online ihre treueste Klientel in
Gefahr: Nur für Kunden, die auf dem Land wohnen, wo sie keinen Internet-Provider
zum Ortstarif erreichen können, hatte sich bis dahin der extrem teure
T-Online-Tarif gerechnet. Mit den neuen Anbietern fuhren diese Surfer allerdings
plötzlich erheblich günstiger. Nun will die Telekom die Geschäftsidee
nicht nur kopieren, sondern auch noch eins draufsatteln: Weil das Unternehmen
plant, mit erklärten "Kampfpreisen" der jungen Telefon-Konkurrenz
den Garaus zu machen, sollen auch die Preise fürs Internet auf sechs
Pfennige pro Minute fallen. Dagegen hat nun der größte T-Online-Konkurrent
America Online Europe (AOL) geklagt, eine Tochter des US-Unternehmens America
Online und von Bertelsmann. Die neuen T-Online-Preise seien nicht kostendeckend
kalkuliert und funktionierten nur, weil die Telekom Geld aus dem Telefongeschäft
in den Online-Bereich transferiere. Damit nutze sie in unzulässiger
Weise ihre Marktmacht aus. Der europäische Wettbewerbskommissar Karel
van Miert will noch vor der geplanten Einführung der neuen Tarife
Anfang April über die Klage entscheiden.
Rumbabababa, Pauwau
BMW sei das "Aushängeschild
Bayerns", beschwor dessen Ministerpräsident Edmund Stoiber beim Politischen
Aschermittwoch seine Biertrinker- und BMW-Fahrer-Union in Passau, der Konzern
werde "selbständig bleiben. Ich habe das Wort des neuen Vorstandsvorsitzenden".
Das freilich nichts gilt, wenn die Großaktionärsfamilie Quandt
sich von ihren Anteilen trennt. Als mögliche Übernehmer werden
neben dem US-amerikanischen General-Motors-Konzern die Volkswagenwerke
gehandelt. Der Wolfsburger Konzern gründete in der letzten Woche seine
neben der Volkswagen-Bank und der Volkswagen-Leasing dritte Tochtergesellschaft,
die Fahrzeugflotten von Großkunden managen soll. Und die GM-Tochter
Opel teilte mit, sie habe im vergangenen Jahr ihren Marktanteil um sieben
Prozent erhöhen können. Aber das war schon am Gründonnerstag.
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Die Nachrichten wurden
von Andreas Dietl zusammengestellt
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