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Feuilleton Nachrichten
Kamera läuft
Dietmar Schönherr, früher
Commander der Raumpatrouille Orion, bat bei der Verleihung der Goldenen
Kamera "um ein paar Minuten Geduld". Er dankte der Jury für die Verleihung
des "Millenium Award" und kritisierte dann Martin Walser: "Der bisher von
mir sehr verehrte Schriftsteller hat mit seiner verschwommenen Rede Unfrieden
gestiftet. Der darf so etwas nicht machen." Später verlas er noch
eine Liste mit zwölf Künstlern, die von den Nazis umgebracht
wurden und die bestimmt mehrere Preise gewonnen hätten. Da ist wohl
einigen Promis die Lachsschnitte im Hals stecken geblieben.
Zunächst wollte der verantwortliche
ZDF-Redakteur für die Ausstrahlung der Preisverleihung am Sonntag
abend einige Stellen herausschneiden. Nach Protesten von Schönherr
und gerüchteweise auch von Hans-Dietrich Genscher entschied man sich,
die Sendung in voller Länge zu zeigen. Olaf Buhl, Leiter der Sendung
"Kennzeichen D", fand zwar gut, was Schönherr sagte, bezweifelte aber,
"ob es das richtige Forum war und seine Äußerungen ausreichend
differenziert waren." Jetzt wird wohl noch eine Rede folgen, um Mißverständnisse
aufzuklären, und dann muß Schönherr sich auch noch mit
Walser treffen, um sich wieder zu versöhnen. Im Fernsehen gibt es
ja öfter Wiederholungen.
Seniorentreffen in Rom
"Plötzlich merkte ich, daß
ich weinte", sagte Horst Tappert, nachdem er Papst Johannes Paul II. die
Hand geschüttelt hatte. Der 78jährige Derrick-Fan Karel Wojtyla
wußte den 75jährigen Tappert aber offenbar nicht sofort zuzuordnen.
"Sie sind Deutscher?" Es sei schwer zu sagen, so Tappert, ob der Papst
ihn erkannt habe, aber er habe den Eindruck, "ein Kardinal hat ihm gesagt,
wer ich bin".
Tappert dreht gerade in Italien
einen neuen Film, in dem er einen Kardinal spielt. Um authentische Erfahrungen
zu sammeln, bekam der Protestant bei einer wöchentlichen Generalaudienz
einen Platz in der ersten Reihe. Daß er den Papst-Ring küssen
durfte, reichte ihm wohl noch nicht. "Ich habe einfach das Gefühl,
ich möchte ihn in die Arme nehmen. Ich möchte etwas für
ihn tun, für ihn ganz persönlich." Ein neuer Fall für Derrick?
Zankt Euch nicht
Alice Schwarzer hat ein ausgeprägtes
Harmoniebedürfnis. Das hält sie aber nicht davon ab, sich manchmal
auch zu streiten. Kürzlich hat sie ja noch bei Tee und Kuchen ganz
nett mit Leni Riefenstahl geplaudert, jetzt fühlt sie sich aber von
Doris Schröder-Köpf angegriffen, die in einem Stern-Interview
der Frauenbewegung vorgeworfen hatte, keine Lösungen für die
Frauen von heute zu bieten. Schwarzer hatte zuvor die Frau des Kanzlers
als einen "Rückschritt für Deutschland" bezeichnet, weil Schröder-Köpf
ihren Job als Journalistin aufgegeben hatte, um die Karriere ihres Mannes
zu unterstützen. Frauenpower im Kanzlerbungalow? Genau! "Ja, mei",
sagte Schröder-Köpf dem Stern, der "Gerd hatte immer viel Verständnis
für die Probleme der Frauen. Er weiß, was Frauen leisten." So
sind die Männer heute. Schwarzer sei einfach nicht mehr auf der Höhe
der Zeit, die Schröders dagegen on the top, schließlich habe
auch Hillary Clinton ihre Anwältinnenkarriere zugunsten ihres Gatten
an den Nagel gehängt. Schwarzer sieht das ganz anders und verlangte
in einem Offenen Brief den "Schulterschluß" zwischen Frauen statt
"Weiberzank". Viele Frauen, so Schwarzer, seien in einer weit schwierigeren
Lage und wollten dennoch beides: Familie und Beruf. Daß sich Schröder-Köpf
anders entschieden habe, sei ganz persönlich ihr gutes Recht. "Vielleicht
waren Sie erschöpft von dem langen Kampf an der Karriere- und Mutterfront
(...). Vielleicht war auch Ihr Mann ermattet von den Anstrengungen einer
demonstrativ emanzipierten Ehe." Man darf gespannt sein, ob Schröder-Köpf
der Aufforderung zum Schulterschluß nachkommt und Schwarzer zum Tee
in die Kanzlervilla bittet.
Harnisch bringt Bartsch in Harnisch
Manchmal bewirken Wechsel nicht
viel. Einer geht, ein andrer kommt. Und alles bleibt beim alten. So auch
bei der Tageszeitung Neues Deutschland. Seit Monaten hatten sich der Geschäftsführer
Wolfgang Spickermann und Chefredakteur Reiner Oschmann gestritten (Jungle
World, Nr. 7/99). Spickermann wollte eine stärkere Anlehnung an die
PDS, um Altleser zu bedienen, Oschmann war dafür, das Blatt für
Diskussionen zu öffnen, die nicht unbedingt auf der Partei-Linie und
manchmal noch weiter rechts liegen. Nach der letzten Betriebsversammlung
hat Spickermann seine Kündigung eingereicht. Das Neue Deutschland
stellte klar, daß jegliche "Zentralorgan-Zeiten" vorbei seien. PDS-Chef
Lothar Bisky kündigte eine "externe Arbeitsgruppe" an, die sich "einige
Zeit mit der Zeitung befassen" soll. Und kaum ist ein Problem gelöst,
gibt es schon neuen Streit. Diesmal zwischen PDS-Pressesprecher Hanno Harnisch
und Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch. Gegenüber der
Berliner Zeitung hatte Harnisch erklärt, daß das ND seit Jahren
Zuschüsse aus der Parteikasse erhalte, damit Gehälter und Miete
überhaupt noch bezahlt werden könnten. Dieser Darstellung widersprach
Dietmar Bartsch: "Hier hat Hanno Harnisch einfach Unsinn erzählt."
Der aber blieb bei seiner Aussage. Die Kontrahenten haben gewechselt, der
Streit geht weiter.
Holocaust-Mahnmal
"Herr Diepgen kann ebensowenig wie
ich oder wie irgend jemand sonst entscheiden, wo es langgeht." Zu dieser
Einsicht ist der Staatsminister für Kultur, Michael Naumann, gekommen,
nachdem er im Südwestfunk gesagt hatte, daß der noch immer offene
zweite Wettbewerb für ein Holocaust-Mahnmal in dieser Woche beendet
werden könne. Eben diesen Wettbewerb hat der Regierende Bürgermeister
von Berlin, Eberhard Diepgen, für gescheitert erklärt. Er will,
daß "die Verfassungsorgane der BRD und das Land Berlin zusammentreten,
um die Entscheidung vorzubereiten".
In dieser Woche treffen sich die
drei Auslober des Wettbewerbs - Bund, Land Berlin und Förderkreis
-, um die Frage zu klären, ob das Verfahren überhaupt noch zu
Ende geführt werden soll, nachdem sich sowohl Naumann als auch Gerhard
Schröder für den dritten Entwurf von Peter Eisenman ausgesprochen
hatten. Zuletzt hatte nur die ehemalige Vorsitzende des Förderkreises,
Lea Rosh, auf einem regulären Abschluß der Ausschreibung bestanden.
Gegen "Eisenman III" waren aber rechtliche Bedenken laut geworden, weil
ein in das Mahnmal integriertes Museum nicht den Wettbewerbsbestimmungen
entspricht. Ein Auftrag an Eisenman ohne Ausschreibung sei "unzulässig",
erklärte auch der Präsident der Bundesarchitektenkammer, Peter
Conradi. Was immer bei den Treffen herauskommen mag, über ein Votum
des Volkssouveräns könne sich, so Naumann, niemand hinwegsetzen.
Und der öffentlichen Meinung wird derzeit viel Einfluß zugeschrieben.
Vielleicht gibt es ja bald auch eine Unterschriftenkampagne gegen ein Holocaust-Mahnmal.
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Die Nachrichten wurden
von Jan Brandt zusammengestellt
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