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International Nachrichten
Millionen für
Assad
Ein Traumergebnis bayerischer Art
durfte Syriens Präsident Hafis el-Assad bei seiner Wiederwahl in der
vergangenen Woche verzeichnen: 99,987 Prozent der knapp neun Millionen
Wahlberechtigten gaben dem autoritär regierenden Präsidenten
ihre Stimme. Die regierende Baath-Partei, der Assad vorsteht, hatte den
seit 1970 regierenden Präsidenten bereits im Januar einstimmig für
eine fünfte Amtszeit nominiert. Die Abstimmung, an der nach Regierungsangaben
98 Prozent aller Wahlberechtigten teilgenommen haben, diente lediglich
als Bestätigung. Und doch lief nicht alles glatt: Nach amtlichen Angaben
aus Syriens Hauptstadt Damaskus verweigerten 219 Syrer ihre Zustimmung,
zudem seien auch noch 917 der abgegebenen Stimmen ungültig gewesen.
Millionen für Mumia
Zu einer bundesweiten Demonstration
unter dem Motto "Free Mumia Abu-Jamal" am 20. Februar in Hamburg ruft ein
breites Bündnis von Organisationen und Gruppen auf. Die Situation
des afroamerikanischen Journalisten und Todeskandidaten hat sich zwar seit
dem Herbst letzten Jahres verschärft, doch haben gleichzeitig Abu-Jamals
Anwälte neue Berufungsschritte angekündigt. Zunächst soll
vor dem Obersten Gerichtshof der USA ein Antrag auf Überprüfung
der Verletzung von Abu-Jamals verfassungsmäßig garantierten
Rechten während seines ersten Prozesses 1982 eingereicht werden. Danach
will das Anwaltsteam einen Berufungsantrag auf ein neues Verfahren vor
dem zuständigen Bundesgericht in Philadelphia stellen. Sollte dieser
Antrag abgelehnt werden, existiert noch eine zweite Berufungsinstanz auf
Bundesebene, bevor Abu-Jamal erneut den Obersten Gerichtshof in Washington
anrufen müßte. Hauptverteidiger Len Weinglass befürchtet
ein schnelles Vorgehen der Bundesinstanzen im Falle einer Ablehnung. "Dann
wird die Situation für Mumia sehr kritisch", äußerte Weinglass
gegenüber der Jungle World. Am 24. April, wenige Tage nach Abu-Jamals
45. Geburtstag, soll unter dem Motto "millions for mumia" ein internationaler
Aktionstag stattfinden.
Im Oktober letzten Jahres hatte
der Oberste Gerichtshof von Pennsylvania Abu-Jamals Wiederaufnahmeantrag
abgelehnt. Seitdem ist der Weg frei für Pennsylvanias republikanischen
Gouverneur Thomas Ridge, einen neuen Hinrichtungsbefehl zu unterschreiben.
Zunächst scheint Ridge damit aber noch warten zu wollen: Im Frühsommer
findet in Philadelphia ein Parteitag der Republikaner statt, und Ridge
befürchtet offensichtlich Ausschreitungen und Proteste für den
Fall eines erneuten Hinrichtungsbefehls.
Millionen für wen auch immer
Im südmexikanischen Bundesstaat
Guerrero spitzt sich die Kontroverse um den Ausgang der Gouverneurswahlen
vom vorletzten Sonntag zu. Die seit 1929 regierende Partei der Institutionalisierten
Revolution (PRI) erklärte ihren Kandidaten René Ju‡rez Cisneros
mit 20 000 Stimmen Vorsprung zum Sieger. Ein Oppositionsbündnis unter
Führung von Félix Salgado von der linksgerichteten Partei der
Demokratischen Revolution (PRD) beansprucht den Wahlsieg aber für
sich und richtet Vorwürfe an die PRI. Diese habe in großem Umfang
Stimmen gekauft und Wahlgeschenke an die verarmte Landbevölkerung
verteilt. Auch nach Angaben von David Reyes Pe-a, einem Mitglied des staatlichen
Wahlüberwachungsrates CEE, sei der Urnengang "voller Unregelmäßigkeiten"
gewesen. So seien viele Wahlberechtigte vom Urnengang ausgeschlossen worden,
weil sie nicht im Wählerverzeichnis registriert waren. Während
Reyes Pe-a aus Protest von seinem Posten zurücktrat, weigert sich
der CEE, die Stimmen nochmal auszuzählen, wie es von der PRD gefordert
wird.
Auf einer Kundgebung am letzten
Donnerstag in Acapulco kündigte Salgado Protestaktionen im gesamten
Bundesstaat an. Nachdem ein Militärhubschrauber die Demonstration
in geringer Höhe überflogen hatte, forderte Salgado Präsident
Ernesto Zedillo auf, die friedlichen Proteste zu stoppen. "Damit gäbe
er denjenigen Recht, die die Waffen erheben." Die beiden Guerillaorganisationen
Revolutionäre Volksarmee (EPR) und Revolutionäre Armee des aufständischen
Volkes (ERPI) hatten bereits vor der Wahl angekündigt, im Falle eines
Betrugs aktiv zu werden. In den letzten Tagen hat die mexikanische Bundesarmee
3 500 Soldaten in das Gebiet der Costa Grande verlegt und weitere 3 000
in die Region La Monta-a. In beiden Regionen verfügt die Guerilla
über starken Rückhalt.
Stabile Krisen
Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine
hat eingeladen und alle werden kommen: Am kommenden Wochenende treffen
sich die sieben reichsten Industrienationen (G-7) zu einem kleinen Gipfel
in Bonn. Dort will Lafontaine den Finanzministern und den Notenbankchefs
der G-7-Staaten zum wiederholten Male seine Pläne für eine Reform
des Weltfinanzsystems erläutern.
Um schwere Währungskrisen wie
zuletzt in Brasilien besser bekämpfen zu können, will die Bundesregierung
weltweit eine stabilere Wechselkurspolitik erreichen. 80 Prozent der weltweiten
Finanztransaktionen werden in Dollar, Euro oder Yen abgewickelt. "Wir müssen
uns zunächst fragen, wie wir Stabilität zwischen diesen drei
Währungen erreichen, und dann, wie wir andere Länder daran ankoppeln",
erklärte ein Mitarbeiter des Finanzministeriums. Von dem ursprünglichen
Plan, die Einrichtung fester Zielzonen für die Weltleitwährungen,
sind die Deutschen vorerst abgerückt. Jetzt wollen sie den Posten
eines "Informations-Brokers" schaffen, der die Finanzmarktdaten analysiert
und fühzeitig auf Fehlentwicklungen hinweist. Aber um Bewegung in
das internationale Währungssystem zu bringen, müßten alle
großen Partner - einschließlich der USA - "einer Meinung" sein,
erklärte der französische Finanzminister Dominique Strauss-Kahn
im Tagesspiegel. Darauf wird er vermutlich noch lange warten.
Neue Interessen
Nun ist er tot - Hussein von Jordanien,
der "kleine König" (Bild, B.Z. alle anderen). Doch kaum haben sich
der internationale Adel und die internationale Diplomatie mit Trauerbekundungen,
die teilweise an Totenrituale aus der SF-Serie "Star Trek" erinnerten,
vom jordanischen Monarchen verabschiedet, geht schon das Gerangel um neue
Bündniskonstellationen im Nahen Osten los. War es unmittelbar nach
dem Begräbnis am Montag letzter Woche Syriens Präsident Hafis
el-Assad, der die Führungsrolle seines Landes in der Region zu untermauern
suchte, meldete sich am Donnerstag auch der Chef der palästinensischen
Autonomiebehörde, Yassir Arafat, zu Wort: Nun stünde einer Konföderation
zwischen einem künftigen palästinensischen Staat und Jordanien
nichts mehr im Wege, versuchte er, Husseins Sohn und Nachfolger Abdullah
auf Linie zu bringen. Hussein hatte 1985 einen ähnlichen Vorschlag
des Palästinensischen Nationalrates zurückgewiesen.
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Die Nachrichten wurden
von Kanzleiter, Kleffner, Landgraf und Söhler zusammengestellt
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