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Euro Nachrichten
Labour's Darling
Nein, ein Liebling ist er nicht.
Niemand habe ein "Recht auf bedingungslose Sozialhilfe", erklärte
der britische Sozialminister Alistair Darling vergangene Woche; die "Kultur
des Nehmens und des Gebens" müsse aufhören, und wer sich nicht
um Arbeit bemüht, der erhalte eben keine Unterstützung mehr.
Das ist auch der Grundsatz des neuen Sozialgesetzes, das New Labour jetzt
als Entwurf in das Unterhaus einbrachte.
Bevorzugtes Ziel der Einsparungen
sind, neben anderen "schwer Vermittelbaren", vor allem alleinerziehende
Frauen. Rund 60 Prozent von ihnen erhalten staatliche Unterstützung
- und das soll anders werden. Der Plan der Labour-Regierung sieht deshalb
vor, daß Alleinerziehende, Behinderte und Langzeitarbeitslose, die
einen Antrag auf Sozialhilfe stellen, künftig zuerst ein Gespräch
in einem Jobcenter absolvieren müssen. Dort sollen sie erklären,
wieso sie nicht arbeiten können und wozu sie die finanzielle Unterstützung
benötigen. Wer zum Pflicht-Gespräch nicht erscheint, verliert
automatisch seinen Anspruch.
"Wir werden Schwerbehinderte nicht
zur Arbeit zwingen, aber sie sollen zumindest über Arbeit nachdenken",
begründete Andrew Smith, Staatssekretär im Bildungsministerium
das Vorhaben seiner Partei. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Labour-Regierung
versucht, Schwerstbehinderte zur Arbeit zu bewegen - der Gesetzesentwurf
war allerdings an der massiven Kritik in der eigenen Partei gescheitert.
So trat Darlings Amtsvorgänger Frank Field aus Protest gegen die rücksichtslose
neoliberale Sozialpolitik von New Labour zurück. Viele Abgeordnete
unterstützten seine Position.
Darling zeigt hingegen wenig Skrupel.
Seine Devise lautet: Aus dem Wohlfahrtsstaat soll ein Arbeitsstaat werden.
Artenschutz in Slowenien
Was ist nur geschehen, wenn die
FAZ eine Offerte der slowenischen Regierung als "revolutionär" abfeiert?
Fusioniert etwa die slowenische Nationalbank mit der Deutschen Bank? Wird
die Landeswährung auf D-Mark umgestellt? Oder Hans-Dietrich Genscher
der höchste slowenische Orden verliehen?
Ganz falsch: Zwischen dem slowenischen
und dem österreichischen Außenministerium wurde vergangene Woche
lediglich ein "Abkommen über die Zusammenarbeit auf den Gebieten der
Kultur, der Bildung und der Wissenschaft abgeschlossen". So langweilig
der Titel klingt, so interessant ist der Inhalt: Denn erstmals in seiner
kurzen Geschichte wird in in den Vertragserläuterungen vom slowenischen
Staat "sichergestellt (...), daß den Angehörigen der deutschsprachigen
Volksgruppe in Slowenien die in Artikel 61 der slowenischen Verfassung
enthaltenen Rechte zustehen". Im Gegenzug sichere Österreich, so die
FAZ, der "slowenischen Minderheit" in der Alpenrepublik zahlreiche und
über die bereits bestehenden noch hinausgehende Rechte zu. Besonders
aber freut sich die Frankfurter Tageszeitung darüber, daß in
der Vertragsfassung "ausdrücklich von der 'deutschsprachigen ethnischen
Gemeinschaft'" gesprochen werde.
Artenschutz in Kroatien
Setzen, Sechs. Deutliche Kritik
formulierte Mitte vergangener Woche die OSZE an die Adresse der kroatischen
Staatsspitze um Präsident Franjo Tudjman: Kroatien habe in den Bereichen
Wahl- und Medienrecht sowie bei den Rückkehrmöglichkeiten serbischer
Flüchtlinge die internationalen "Erwartungen nicht erfüllt",
erklärte ein OSZE-Sprecher am Donnerstag in Wien. Das kroatische Wahlrecht
beispielsweise verstoße gegen internationale Richtlinien, indem auch
den in Bosnien lebenden Kroaten das Stimmrecht gegeben werde. Zudem würden
serbische Flüchtlinge durch "undurchschaubare Verfahren" an der Rückkehr
gehindert.
Auch seien die Bedingungen für
eine unabhängige Medienberichterstattung in Kroatien nicht, wie von
Tudjman bei mehreren Anlässen zugesagt, verbessert worden. Im Gegenteil
setze die Vertriebs- und Druckgesellschaft Tisak, die der Regierungspartei
HDZ nahestehe, regimekritische Zeitungen und Zeitschriften unter Druck.
Regierungsnahe Zeitungen und Fernsehsender würden darüber hinaus
alle vermeintlichen Gegener mit einer "Haßsprache" überziehen,
kritisierte die OSZE. Dennoch wollte die Organisation in Kroatien nicht
alles schwarz sehen: Die OSZE werde sich in Zukunft noch stärker für
eine Unterstützung durch die westlichen Staaten einsetzen, da Kroatien
auch "Fortschritte", zum Beispiel im Bereich der "inneren Sicherheit",
gemacht habe. So wurde am Ende aus einer angedrohten Sechs dann doch nur
eine Drei Minus.
Beerdigung im Kosovo
Sie wurden auf einem "Heldenfriedhof"
beigesetzt, unweit der Stelle, an der die Leichen vor vier Wochen in Racak
aufgefunden worden waren. Rund 10 000 Kosovo-Albaner begleiteten die Beisetzung
der 44 Opfer. Der Leiter der OSZE-Kommission im Kosovo, William Walker,
sagte, die Gräber seien ein Symbol "für den Wahnsinn, die Verschwendung,
die Nutzlosigkeit ungehemmter Gewalt". Walker hatte unmittelbar nach der
Entdeckung der Leichen die serbischen Sicherheitskräfte für das
Massaker verantwortlich gemacht. Die Washington Post berichtete eine Woche
später über ein abgehörtes Gespräch zwischen serbischen
Militärs, die das Massaker angeblich angeordnet hätten. Einige
Zeugen berichteten, daß Polizisten Dorfbewohner abgeführt hätten,
die anschließend nicht mehr gesehen worden seien. Die serbischen
Behörden sind hingegen überzeugt, daß die Opfer bei einem
Gefecht zwischen Polizei und UCK-Freischärlern getötet wurden.
Auch der OSZE-Bericht konnte die Verantwortung für das Massaker bislang
nicht klären.
Pariser Prozeß
Der Pariser Gerichtshof der Republik
tritt selten zusammen. Vielleicht deswegen, weil diese Spezialeinrichtung
über ehemalige Regierungsmitglieder zu Gericht sitzen darf. Mitte
letzter Woche mußten dort jedoch die ehemaligen sozialistischen Regierungsmitglieder
Laurent Fabius (Premier zwischen 1984 und 1986) und Georgina Dufoix (seinerzeit
Gesundheitsministerin) und der damalige Staatssekretär im Gesundheitsministerium,
Edmond Hervé, antanzen. Den Angeklagten wird zur Last gelegt, 1985
dafür mitverantwortlich gewesen zu sein, daß monatelang mit
dem Aids-Virus HIV verseuchte Blutkonserven unnötigerweise im Umlauf
geblieben seien. Dies habe schließlich zum Tod von mehreren Hundert
Empfängern von Bluttransfusionen geführt. Hintergrund: Ein in
den USA entwickelter Test zum Aufspüren von HIV-Viren in Blutkonserven,
der im Februar 1985 in Frankreich patentiert worden war, kam zunächst
nicht zur Anwendung, da das Gesundheitsministerium die Entwicklung eines
französischen Patents abwarten wollte.
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Die Nachrichten wurden
von Landgraf und Schmid zusammengestellt
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