Inland Nachrichten
Sachsen, wie es
singt und lacht I
Rudolf Scharping hat im sächsischen
Marienburg 500 Rekruten das öffentliche Gelöbnis abgenommen,
"Recht und Freiheit unseres Volkes tapfer zu verteidigen". Ein Versprechen,
das so mancher Kamerad von Herzen abgegeben haben dürfte: Schließlich
spielten sich sechs der insgesamt 20 im vergangenen Jahr bekanntgewordenen
Straftaten von Bundeswehrsoldaten mit rechtsextremem Hintergrund in der
Garnisonsstadt im Erzgebirge ab. Soldaten, so predigte Scharping von Scham
ungerührt, müßten sich nicht hinter Kasernenmauern verstecken.
Immer dann, wenn dies in Deutschland so gewesen sei, das wußte der
Sozialdemokrat offenbar noch aus der Parteischule, habe die Entwicklung
einen schrecklichen Verlauf genommen. "So lange es die Bundeswehr gibt,
wird es auch öffentliche Gelöbnisse geben."
Obwohl auch von der Wehrmacht behauptet
wird, daß ihr größtes Verbrechen im ständigen Aufenthalt
hinter den Kasernenmauern bestanden habe, ließ sich die grüne
Parteisprecherin Antje Radcke zu der Bemerkung hinreißen, Scharping
zeige das gleiche antiquierte Verständnis von Traditionspflege wie
sein Vorgänger. Damit meinte sie Volker Rühe.
Sachsen, wie es singt und lacht
II
Fleiß, Betragen, Mitarbeit
und Ordnung sind dem Dresdener Kultusministerium Wille und Auftrag. Um
auch in Zukunft die Perpetuierung von Sekundärtugenden, mit denen
man ein KZ leiten kann, zu gewährleisten, will Sachsen als erstes
Bundesland wieder sogenannte Kopfnoten für seine rund 600 000 Schüler
einführen. Die Kopfnoten sollten eine "differenziertere und damit
gerechtere Benotung des einzelnen Schülers" ermöglichen, versprach
der Sprecher des Kultusministeriums, Steffen Große. Damit die Sachsen
auch beim nächsten Mal an vorderster Front stehen, wenn es wieder
heißt: "Führer befiehl, wir folgen dir!"
Brandenburg, wie es singt und
lacht I
Ein Brand in einem Obdachlosenheim
in Pätz (Brandenburg) hat in der Nacht zum Samstag zwei Todesopfer
gefordert. Zehn Bewohner und zwei Polizisten wurden teils schwer verletzt.
Die Polizei geht von Brandstiftung aus, da in drei Zimmern Reste von Brandbeschleunigern
entdeckt wurden. Es handele sich, so die Mutmaßung des zuständigen
Amtsbrandmeisters, um eine ganze Gruppe von Tätern.
Brandenburg, wie es singt und
lacht II
Morddrohungen erhielt vergangene
Woche Hans Gehrmann (SPD), Vize-Bürgermeister der Gemeinde Groß
Köris (Brandenburg). Ein anonymer Anrufer kündigte an: "Wenn
wir dich treffen, schlagen wir dich tot." Gehrmann hatte sich in einer
Sendung des Ostdeutschen Rundfunks (ORB) für einen Umzug von 300 Asylbewerbern
aus dem Dorf Brand in das Dorf Neubrück ausgesprochen. Das zweite
der beiden Dörfer gehört zur Gemeinde Groß Köris.
Ludwigshafen, wie es stinkt und
kracht
600 Kilogramm der giftigen Substanz
Methylglyoxal sind Ende letzter Woche aus einem Werk des Ludwigshafener
Chemiekonzerns BASF in den Rhein geflossen. Methylglyoxal ist gesundheitsschädlich
und hat erbgutverändernde Wirkungen. Doch nicht nur das: Wie BASF
versicherte, ist die Substanz darüber hinaus wasserlöslich und
biologisch abbaubar. Durch die starke Verdünnung im Rhein sei eine
Gefährdung für Wasserorganismen ausgeschlossen.
Kein Koalitionskrach im Karneval
"Ich habe eine Koalition, ich bin
damit ganz zufrieden und habe keine Absicht, daran etwas zu ändern."
(Gerhard Schröder, Bundeskanzler)
Kein Kölsch im Karneval
Geht es nach den Wünschen von
Verkehrsminister Franz Müntefering, dürften spätestens in
der kommenden Karnevals-Saison noch mehr Jecken ihren Führerschein
abgeben. Bereits ab 0,5 Promille soll Autofahrern künftig ein Fahrverbot
erteilt werden, sagte Müntefering dem Kölner Boulevard-Blatt
Express. Noch in diesem Jahr soll die alte Regelung, die einen Führerscheinentzug
erst ab 0,8 Promille vorsieht, geändert werden.
Karneval um Klagemauer in Köln
Walter Herrmann, der Initiator der
1996 verbotenen "Kölner Klagemauer", einem berühmt gewordenen
Gebilde von auf Pappkärtchen geschriebenen Meinungsäußerungen
auf der Domplatte, ist in der vergangenen Woche zu 3750 Mark Geldstrafe
verurteilt worden. Er hatte einen stadtbekannten Polizisten als "Schläger"
und als "für den Polizeidienst ungeeignet" bezeichnet. Der Beamte
hatte Herrmann im Juli 1997 bei einer Demonstration für die Wiedererrichtung
der Klagemauer grundlos in den Würgegriff genommen. Als Reaktion auf
den Vorfall hatte Herrmann ein Pappschild mit dem Konterfei des Polizisten
angefertigt und war damit durch die Fußgängerzone gelaufen.
Der Richter des Kölner Amtsgerichtes sah das Recht aufs eigene Bild
verletzt. Herrmann will gegen das Urteil Berufung einlegen.
Wackelpudding im Wendland
Mit einem Strauß verdorrter
Sonnenblumen begrüßten sie ihren Umweltminister, mit einer Portion
rot-grünem Wackelpudding entließen die Atomkraftgegner Jürgen
Trittin auch wieder - nach dreistündiger Befragung. Der Minister war
zurückgekehrt an die Stätte seiner einstigen Proteste, um den
Wendländern zu versichern, daß er die Erkundung des Gorlebener
Salzstocks möglichst zügig unterbrechen werde. Zu wenig, meinten
die rund 600 Zuhörer: Wenn Trittin von Ausstieg sprach, meinten sie
"sofort, sofort, sofort", wenn er auf Verpflichtungen gegenüber Frankreich
und Großbritannien bei der Wiederaufarbeitung von Atommüll insistierte,
schallte es aus dem Saal: "Erst abschalten, erst abschalten".
Einen Tag nach dem Besuch Trittins
machte das niedersächsische Umweltministerium alle Bemühungen
des Bundesumweltministers um Konsens mit den Atomkraftgegnern zunichte.
Am Freitag hob das Ministerium eine Verfügung auf, mit der im Mai
1998 die Annahme von Castor-Behältern in Gorleben und deren Beladung
in den vier Atomkraftwerken des Landes untersagt worden war. Damit dürfen
in dem Zwischenlager wieder Behälter mit hochradioaktivem Atommüll
eingelagert werden.
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Die Nachrichten wurden
von Lendowsky und Spannbauer zusammengestellt
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